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Atomkatastrophe in Fukushima: Bewohner dürfen zurück in die Sperrzone

Bürgermeister Matsumoto (l.) beim Festakt zur Rückkehr nach Naraha: "Der eigentliche Wiederaufbau unserer Stadt beginnt jetzt" Zur Großansicht
AP/dpa

Bürgermeister Matsumoto (l.) beim Festakt zur Rückkehr nach Naraha: "Der eigentliche Wiederaufbau unserer Stadt beginnt jetzt"

Die japanische Regierung hebt erstmals nach der Atomkatastrophe in Fukushima die Evakuierung einer ganzen Ortschaft auf: Rund 7400 Menschen dürfen zurückziehen. Doch kaum einer will.

Viereinhalb Jahre nach der Atomkatastrophe in Fukushima hat die japanische Regierung am Samstag erstmals die Evakuierungsanordnung für einen der Orte aufgehoben. Damit könnten rund 7400 Menschen, die nach dem Gau am 11. März 2011 fliehen mussten, in die Stadt Naraha nahe der Atomruine zurückkehren.

"Der eigentliche Wiederaufbau unserer Stadt beginnt jetzt", sagte der Bürgermeister Yukiei Matsumoto in einer Fernsehansprache. "Lasst uns zusammenarbeiten für die Schaffung eines neuen Naraha."

Allerdings wollten zurzeit nur wenige heimkehren, berichteten japanische Medien. Es werden nur etwa zehn Prozent der Einwohner von Naraha zurückerwartet. Viele junge Menschen haben an anderen, weit entfernten Orten neue Jobs gefunden. Die Zukunft Narahas ist somit ungewiss.

Die Regierung hat in den vergangenen Jahren in einer beispiellosen Säuberungsaktion versucht, die Region um Fukushima zu dekontaminieren. Dieser Versuch sei jedoch gescheitert, so die Umweltschutzorganisation Greenpeace. So sei der 30 Kilometer von Fukushima entfernte Bezirk Iitate noch immer stark radioaktiv verstrahlt, erklärte Greenpeace kürzlich auf Basis eigener Messungen. Eine Rückkehr der Bewohner sei "nicht zu verantworten".

Zuvor hatte die Regierung bereits ein Ende der Evakuierung für zwei kleinere Gebiete in der Provinz Fukushima aufgehoben. Allerdings ist Naraha die erste Stadt, aus der alle Einwohner geflohen waren. Die Evakuierungsverfügung für sieben weitere Ortschaften, aus denen ebenfalls alle Bürger vor der Strahlung fliehen mussten, bleibt vorerst bestehen. Die Rückkehr nach Naraha wird als Pilotprojekt angesehen.

Im Atomkraftwerk von Fukushima war infolge des schweren Erdbebens und Tsunamis am 11. März 2011 das Kühlsystem ausgefallen, woraufhin es in mehreren Reaktoren zur Kernschmelze kam. Drei der sechs Reaktoren wurden bei der Katastrophe zerstört, das Gebiet im Umfeld wurde radioaktiv verseucht. Durch das Erdbeben und den Tsunami kamen rund 18.000 Menschen ums Leben.

sun/dpa/AFP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 16 Beiträge
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1. Haha,
PowlPoods 05.09.2015
die Japaner sind einfach zu geil. Die Reaktoren sind noch nicht unter Kontrolle, ein kleines Beben kann den nächsten grossen Knall bringen, aber die Jungs fahren die anderen Meiler wieder hoch und schicken die Leute zurück in die Dangerzone. Das ist besser als Russisches Roulette. Scheint denen auch nicht wichtig zu sein, wenn den Japanern in der nächsten Generation drei Hände oder ein Buckel wächst.
2.
mathias.knetsch 05.09.2015
Greenpeace soll mal nicht so einen Wind machen; unverantwortlich - in Brasilien leben die Menschen an der Küste auch oft mit über 9µSv/h und mehr bekommt in 95% des Sperrgebietes nun auch nicht mehr ab, soll man jetzt auch ganze Küstengebiete in Südamerika evakuieren ? Ganz zu schweigen von einigen Ortschaften im Iran die seit Jahrtausenden auf natürliche Uran/Thoriumvorkommen liegen und fast 50µSv/h knacken.
3.
viconia 05.09.2015
Zitat von PowlPoodsdie Japaner sind einfach zu geil. Die Reaktoren sind noch nicht unter Kontrolle, ein kleines Beben kann den nächsten grossen Knall bringen, aber die Jungs fahren die anderen Meiler wieder hoch und schicken die Leute zurück in die Dangerzone. Das ist besser als Russisches Roulette. Scheint denen auch nicht wichtig zu sein, wenn den Japanern in der nächsten Generation drei Hände oder ein Buckel wächst.
macht das vorhandensein eines atomkraftwerks ein beben wahrscheinlicher? anders gefragt: wieviele menschen sind durch erdbeben und tsunami ums leben gekommen und wieviele durch die folgenden reaktorstör- und notfälle?
4. Die Einwohner
gandhiforever 05.09.2015
Die ehemaligen Einwohner sollen zurueckkehren, damit die Regierung (Tepco sieht das sehr gern) verkuenden kann, alles sei in Butter. Wenn dann merkwuerdige Krankheitsbilder auftauchen, hat dies ganz sicher nichts mit der Katastrophe zu tun. Die Leute tun gut daran, wegzubleiben.
5. Mein Gott Spiegel...
christomuc22 05.09.2015
Ich erwarte von einem Nachrichtenmagazin wie dem Spiegel, dass es gerade vor der perversen Flucht aus der Verantwortung der deutschen Atomlobby bzgl. des Rückbaus von Atomkraftwerken hierzulande nicht einfach DPA Berichte kauft und abdruckt (diese Meldung kann man überall lesen) sondern in einem umfassenden Bericht einmal auf die gigantischen Risiken der Atomkraft hinweist und keinen Bericht über die Wiederansiedlung sondern einen Bericht über den Anstieg von Leukämieerkrankungen in Japan und den umliegenden Ländern berichtet. Dieses Krankheitsbild hat sich in dieser Region seit Fukushima verdreihundertfacht. Aber es berichtet niemand darüber. Auch in den dt. Regionen die nach Tschernobyl hochgradig verstrahlt wurden häufen sich nun bei 35 bis 45 jährigen die Leukämiefälle. Seitens der Atomlobby besteht hier kein Zusammenhang - sie preist diese Technik auf ihrem Internetauftritt immer noch als sicher, gesund und sauber an - ohne auch nur mit einem Wort die Risiken und die Kosten zu erwähnen. Letztere werden wohl bald auf den Urnenpöbel abgewälzt... Ich würde mir wünschen
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Von Sievert bis Becquerel: Kleines Lexikon der Strahlenmessung
Alpha-, Beta- und Gammastrahlen
Manche Atomkerne von chemischen Elementen sind instabil und zerfallen deshalb. Sie werden als radioaktiv bezeichnet. Die Zerfallsprozesse können unterschiedlicher Natur sein. Die Strahlung, die zerfallende Elemente aussenden, wird in drei Arten unterschieden: Während Alpha- und Betastrahlung aus Partikeln bestehen, handelt es sich bei Gammastrahlung um elektromagnetische Wellen, ähnlich der Röntgenstrahlung. Allerdings ist ihre Wellenlänge viel kleiner und die Strahlen sind somit extrem energiereich. Alphastrahlung besteht aus positiv geladenen Helium-Kernen, die aus zwei Protonen und zwei Neutronen aufgebaut sind. Betastrahlen bestehen aus Elektronen. Sie entstehen, wenn sich ein Neutron in ein Proton und ein Elektron umwandelt, das vom Atomkern abgestrahlt wird.
Becquerel: Einheit der Aktivität
Eine Substanz ist dann radioaktiv, wenn sie zerfällt und dabei Strahlung aussendet. Um anzugeben, wie stark eine radioaktive Substanz strahlt, benutzt man den Begriff der Aktivität (A). Sie wird in Becquerel (Bq) gemessen und gibt die Strahlung an, die eine Substanz innerhalb einer bestimmten Zeit durch Zerfall erzeugt. Per Definition entspricht ein Becquerel einem Zerfall pro Sekunde. Je schneller eine Probe zerfällt, desto intensiver strahlt sie also.
Gray: Einheit der Energiedosis
Weiß man, wie stark eine radioaktive Substanz strahlt, sagt das noch nichts darüber aus, wie sich die Strahlung auf den Körper auswirkt. Dafür ist es wichtig zu bestimmen, wie viel Energie von einer bestimmten Masseneinheit des Körpers absorbiert wird. Angegeben wird die absorbierte Energiedosis (D) in der Einheit Gray (Gy), wobei ein Gray der Energiemenge von einem Joule pro Kilogramm entspricht.
Sievert: Einheit der Äquivalentdosis
Um die biologische Wirksamkeit der radioaktiven Strahlung auf den Körper anzugeben, benutzt man anstelle der Energiedosis den Begriff der Äquivalentdosis (H). Sie berücksichtigt die Tatsache, dass verschiedene Arten von Strahlen ganz unterschiedliche Wirkungen auf den Körper haben. So ionisiert Alphastrahlung bei weitem mehr Moleküle als etwa Betastrahlen - und richtet deshalb eine größere Zerstörung im Körper an. Daher wird jede Strahlungsart mit Hilfe einer physikalischen Größe gewichtet, dem sogenannten Strahlenwichtungsfaktor. Gemessen wird die Äquivalentdosis in Sievert (Sv). Sie ergibt sich aus der Multiplikation der Energiedosis mit dem Strahlenwichtungsfaktor. 1 Sievert (Sv) sind 1000 Millisievert (mSv). 1 Millisievert sind 1000 Mikrosievert (µSv).
Sievert pro Zeit: Einheit der Strahlenbelastung
Um die Auswirkungen von radioaktiver Strahlung auf den Körper genauer einschätzen zu können, ist es wichtig zu wissen, wie lange eine bestimmte Dosis auf den Körper einwirkt. Daher wird die Strahlenbelastung meist in Sievert pro Zeiteinheit gemessen. Also etwa Millisievert pro Jahr oder Mikrosievert pro Stunde. Die durchschnittliche natürliche Strahlenbelastung liegt in Deutschland bei 2,1 Millisievert pro Jahr, also 0,24 Mikrosievert pro Stunde. Im Schnitt kommen zwei Millisievert pro Jahr durch künstliche Quellen von Radioaktivität hinzu. Den Löwenanteil dazu steuert die Medizin bei.
Von Becquerel zu Sievert: Der Dosiskonversionsfaktor
Die Strahlenbelastung von Böden oder in Lebensmitteln etwa wird in Becquerel pro Quadratmeter oder Becquerel pro Kilogramm angegeben. Doch was bedeutet dieser Wert für die Auswirkungen auf den Körper? Um eine Beziehung zwischen Aktivität und Äquivalentdosis herstellen zu können, gibt es den sogenannten Dosiskonversionsfaktor. Er hängt unter anderem von der Art der Strahlung und der radioaktiven Substanz ab, sowie von der Art, wie die Strahlung in den Körper gelangt (Inhalieren, Aufnahme durch die Nahrung). So entspricht die Aufnahme von 80.000 Becquerel Cäsium 137 mit der Nahrung einer Strahlenbelastung von etwa einem Millisievert. Der Verzehr von 200 Gramm Pilzen mit 4000 Becquerel Cäsium 137 pro Kilogramm hat beispielsweise eine Belastung von 0,01 Millisievert zur Folge. Das lässt sich mit der Belastung durch Höhenstrahlung bei einem Flug von Frankfurt nach Gran Canaria vergleichen.
EU-Grenzwerte für Nahrungsmittel
Nach der Tschernobyl-Katastrophe hatte die EU Grenzwerte für den Import von Lebensmitteln aus jenen Ländern geregelt, die durch das Atom-Unglück kontaminiert wurden. Zusätzlich hat die EU am 26. März 2011 weitere Grenzwerte für Importe aus Japan festgelegt - die Grenzen wurden jedoch als zu lasch kritisiert. Am 8. April reagierte die EU - und passte die Grenzen an japanische Normen an. Für Cäsium 134 und Cäsium 137 gilt künftig bei Lebensmitteln ein Grenzwert von 500 Becquerel pro Kilogramm. Bei Säuglings- und Kindernahrung senkte Brüssel den Grenzwert für Cäsium von 400 auf 200, für Jod von 150 auf 100 Becquerel.

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