Dekontaminierung Wurden Ausländer gezielt für Arbeiten in Fukushima eingesetzt? 

Über ein Ausbildungsprogramm kamen Arbeiter aus Vietnam nach Japan. Dort sollen sie dazu genötigt worden sein, im havarierten Atomkraftwerk Fukushima riskante Aufgaben zu übernehmen.

Von Tsunami zerstörte Reaktoren Fukushima (Archivbild)
DPA

Von Tsunami zerstörte Reaktoren Fukushima (Archivbild)


Es ist ein Skandal, der Japan erschüttert: Ausländische Arbeitskräfte sollen bei der Dekontaminierung der atomaren Katastrophenregion Fukushima eingesetzt worden sein.

Nach neuen Berichten sind vier japanische Firmen darin verwickelt. Sie setzten angeblich ausländische Arbeiter, die im Rahmen eines Ausbildungsprogramms in das Land gekommen waren, für die riskanten Arbeiten ein, heißt es nach Angaben japanischer Medien in einem Regierungsbericht.

Wie viele Arbeiter für Dekontaminierungsmaßnahmen eingesetzt worden waren, blieb offen. Eines der vier Unternehmen wurde den Berichten zufolge sanktioniert und darf für fünf Jahre keine weiteren ausländischen Auszubildenden mehr einstellen. Insgesamt hatte das Justizministerium demnach 182 Bauunternehmen überprüft. Bis Ende September sollen weitere 830 Firmen kontrolliert werden.

Fotostrecke

9  Bilder
Atomruine Fukushima: Kernschmelze und kontaminierte Wassermassen

Bereits im März war bekannt geworden, dass Arbeiter aus Vietnam für einfache "Reinigungsarbeiten" bei Fukushima eingesetzt wurden. Eigentlich hätten sie im Rahmen des Ausbildungsprogramms die Bedienung von Baumaschinen lernen sollen. Die Regierung hatte die Arbeitseinsätze für unangemessen erklärt und eine Untersuchung begonnen.

Das Ausbildungsprogramm für Migranten existiert seit 1993. Ende vergangenen Jahres waren darüber mehr als 250.000 Ausländer in Japan beschäftigt. Das Land sucht wegen des demografischen Wandels nach Arbeitskräften im Ausland. Kritiker werfen den an dem Ausbildungsprogramm beteiligten Firmen Ausbeutung und schlechte Arbeitsbedingungen vor.

Im Atomkraftwerk Fukushima auf Japans Hauptinsel Honshu hatte sich im März 2011 das schlimmste Atomunglück seit der Tschernobylkatastrophe von 1986 ereignet. Auslöser war ein starkes Erdbeben: Es löste einen Tsunami aus, der die Anlage traf. Immer noch wird an den Folgen des Unglücks gearbeitet. Tausende Arbeiter tragen verseuchtes Material ab und kämpfen mit Lecks und verstrahltem Wasser.

joe/AFP



insgesamt 10 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
könig der jogis 13.07.2018
1. So what?
Wir wurden als Werkstudenten, Praktikanten oder Aushilfen in den Sommerferien bei BASF und Bayer auch bei der gefährlichen Erprobung von neuen Pflanzenschutzmitteln eingesetzt. Die wollten die Risiken für das Stammpersonal verringern. Ich habe mir dabei einen Leberschaden geholt. Kräht heute kein Hahn mehr danach
dietereng 13.07.2018
2. In Deutschland ist das nicht anders
Warum in die Ferne schweifen, wenn das gute liegt so nah, lesen Sie sich doch mal ein, in das Buch ganz unten, dann werden sie feststellen das es System hat die Leute erst runterzumachen, dann auszubeuten mit Niedrig-bezahlten Jobs gegen die man nicht aufbegehren kann da ansonsten Sanktionen vom Arbeitsamt drohen und Frau Nahles Angst hat das Ihr keiner mehr das verstopfte Clo sauber macht. Nun hat Herr Spahn angeblich tausend phillipinische Altenpfleger an der Hand........ Das System sollte man umkrempeln von oben nach unten, dann lernen die da oben wenigstens mal kochen oder sauber machen.
king_of_world 13.07.2018
3. schliesslich so.
Alle Beziehungen mit Japan werden gestoppt!
marcnu, 13.07.2018
4. Wegen der hohen Strahlenbelastung muss das Personal in AKWs ständig
ausgewechselt werden. Dies geht am einfachsten über Subunternhemer, die dann immer wieder neue Leute schicken.
telos 13.07.2018
5. .....verschon mein Haus, zünd andere an.
Schmutzige und gefährliche Tätigkeiten von Menschen anderer Nationalität unter Ausnutzung der persönlichen Situation (wirtschaftliche Not und fadenscheinige, nicht der Wahrheit entspreche Versprechungen) tätigen zu lassen, zeigen ein menschenverachtendes Weltbild, das vergleichbar ist mit den oberirdischen Atomtests, die in den 50 er Jahren Soldaten ohne deren Wissen nuklearer Strahlungen aussetzten, um zu testen, wie der menschliche Organismus darauf reagiert. Menschen als Versuchstiere.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.