Fund am Ostseegrund Chemiker kosten 230 Jahre altes Bier

Die fünf braunen Buddeln vom Ostseegrund enthalten eine Kostbarkeit: Bier aus dem 18. Jahrhundert. Forscher ermitteln die Rezeptur des Gebräus, damit es wieder hergestellt werden kann. Eine erste Kostprobe zeigt, dass der Champagner von derselben Fundstelle besser schmeckt.

Antonin Halas

Die Freude war groß, als Taucher vergangenen Sommer Champagnerflaschen aus einem Wrack in der Ostsee bargen- es soll sich um den ältesten je gefundenen Champagner der Welt handeln. Inzwischen gaben die Forscher bekannt, dass noch weitere Getränke an Bord waren: Fünf Buddeln Bier seien ebenfalls geborgen worden. Chemiker haben das Gebräu nun untersucht. Sie wollen die etwa 230 Jahre alte Rezeptur nachbrauen.

Die Getränke stammen vermutlich aus den 1780er Jahren. Sie wurden vergangenen Juli aus einem Schiffswrack geborgen, das nahe den Aland-Inseln zwischen Schweden und Finnland liegt. Die Forscher haben die Getränke probiert: Der Wein sei trotz seines Alters "absolut wunderbar", sagte eine Expertin. Das Bier hingegen habe "sein Haltbarkeitsdatum wohl überschritten".

Auch wenn der Geschmack gelitten habe, die Zutaten seien "gut erhalten", berichten die Wissenschaftler des VTT-Forschungsinstituts in Espoo bei Helsinki. Sie haben bereits mit der Analyse der Getränke begonnen. Welche Hefesorte für das Bier verwendet wurde, haben die Forscher bereits herausgefunden. Das lässt Bierexperten aufhorchen: "Die Rolle von Hefe beim Bierbrauen im 18. Jahrhundert ist noch nicht ganz verstanden", betont eine VTT-Sprecherin.

Lieferung des französischen Königs

Bis Mai sollen per DNA-Analyse auch die anderen Zutaten des - im wahren Sinne des Wortes - Alt-Bieres bestimmt werden. Die Rezeptur soll schließlich als Studie in einem wissenschaftlichen Fachmagazin publiziert werden.

Die 160 gut erhaltenen Flaschen Wein, auf denen ebenfalls kein Etikett war, könnten nach Angaben einer Weinexpertin und eines Tauchers aus einer der ersten Lieferungen der Sorte Veuve Clicquot stammen, die der Hersteller Moët & Chandon in den achtziger Jahren des 18. Jahrhunderts getätigt hat. "Wir stehen im Kontakt mit Moët & Chandon, und sie sind sich zu 98 Prozent sicher, dass es sich um Veuve Clicquot handelt", sagte der Leiter der Tauchmission, Christian Ekström, vergangenen Juli. Auf dem Korken sei ein Anker, und dieses Symbol habe in der Champagne nur dieser Hersteller verwendet.

"Laut unseren Archiven stammt die Flasche aus den 1780er Jahren", sagte Ekström. Die Produktion von Veuve Clicquot habe 1772 begonnen, die erste Flasche sei aber erst 1782 ausgeliefert worden. "Also kann es nicht vor 1782 sein und auch nicht nach 1789, weil die Französische Revolution die Produktion stillgelegt hat." Vermutlich handelte es sich bei dem Fund um eine Lieferung des französischen Königs Ludwig XVI. an den russischen Zaren, die jedoch nie ihr Ziel erreichte. Sie schätzte den Wert auf mindestens 53.000 Euro pro Flasche.

Sollte sich das Alter bestätigen, wäre damit der Weltrekord des ältesten trinkbaren Champagners gebrochen. Bislang hält eine Flasche Perrier Jouët aus dem Jahr 1825 den Rekord. Die Marke des Bieres konnten die Forscher bislang nicht bestimmen. Es müsse jedoch aus der Umgebung stammen, die Transportwege für Bier wurden seinerzeit möglichst kurz gehalten. Erste Brauereien in der Nähe des Fundortes wurden bereits kontaktiert.

boj



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Seite 1
seine_unermesslichkeit 08.02.2011
1. ...
In meinem Keller steht noch eine Flasche ostzonales Bier (Rostocker Pils 0,33l), gebraut 1989...Brrr!
AusVersehen 08.02.2011
2. ...
Zitat von sysopDie fünf*braunen Buddeln vom Ostseegrund enthalten eine Kostbarkeit:*Bier aus dem 18. Jahrhundert.*Forscher ermitteln die Rezeptur des Gebräus, damit es wieder*hergestellt werden kann. Eine erste Kostprobe zeigt, dass*der Champagner von derselben Fundstelle besser schmeckt. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,744308,00.html
Das sind doch archäologische Funde, wieso dürfen die das wegsaufen? Dann will ich auch ein Schnitzel von Ötzi haben!
gugugy 09.02.2011
3. Kaum zu glauben
Dass der Champagner angeblich noch so "gut" ist, wie behauptet wird - mit irgendwas muss ja wohl "Kohle" gemacht wewrden - ist sicherlich dem damals gebräuchlichen Zusatz von "Bleizucker" zu verdanken, der das Gesöff konserviert hat. Gemessen an der Toxizität von Bleizucker könnte der betreffende Champagner mutmaßlich ein wahrer Teufeltropfen sein. Nun ja, man soll ihn kaufen, aber nicht trinken. Mich erstaunt es keineswegs, dass hierüber Stillschweigen herrscht.
kallistos 09.02.2011
4. Haltbarkeitsdatum
Zitat von seine_unermesslichkeitIn meinem Keller steht noch eine Flasche ostzonales Bier (Rostocker Pils 0,33l), gebraut 1989...Brrr!
... so einige DDR-Biersorten waren auch schon vor Ablauf des Haltbarkeitsdatum ungenießbar!
Layer_8 09.02.2011
5. .
Zitat von sysopDie fünf*braunen Buddeln vom Ostseegrund enthalten eine Kostbarkeit:*Bier aus dem 18. Jahrhundert.*Forscher ermitteln die Rezeptur des Gebräus, damit es wieder*hergestellt werden kann. Eine erste Kostprobe zeigt, dass*der Champagner von derselben Fundstelle besser schmeckt. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,744308,00.html
Ich hab noch ne Flasche ägyptisches "Stella Beer" ungeöffnet im Schrank stehen. Nein, soo alt ist die nicht, aber von 1987
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