Fund im Ärmelkanal: Schatzsucher wollen Wrack der "HMS Victory" entdeckt haben

Es wäre eine Sensation: Schatzsucher wollen das Wrack der legendären "HMS Victory" am Grund des Ärmelkanals geortet haben. Das Kriegsschiff sank 1744, es war das größte und bestbewaffnete seiner Zeit. An Bord vermuten Experten tonnenweise Goldmünzen.

Tampa/London - Das Schiff ist Legende: In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts war die 53 Meter lange "HMS Victory" das größte und mit 110 Bordkanonen das am stärksten bewaffnete Kriegsschiff. Sie war eine Vorläuferin jener berühmten "HMS Victory", die Admiral Horatio Nelson Jahrzehnte später in der Schlacht von Trafalgar als Flaggschiff diente. 1744 sank sie in einem Unwetter. Das Schicksal des Schiffes wurde nie geklärt, das Wrack schien auf ewig verloren. Insgesamt gab es sechs Schiffe der britischen Royal Navy, die den Namen "Victory" trugen. Dieses Schiff war das vierte Exemplar.

Nun wollen Tiefsee-Schatzsucher das Wrack des englischen Kriegsschiffs gefunden haben. Wie das Unternehmen Odyssey Marine Exploration erklärte, wird nach den schätzungsweise 100.000 Goldmünzen noch gesucht, die beim Untergang an Bord gewesen sein sollen.

Die "HMS Victory" sank am 4. Oktober 1744 während eines Sturms im Ärmelkanal. An Bord waren mindestens 900 Menschen, niemand überlebte das Unglück. Das Segelschiff befand sich auf dem Rückweg von der portugiesischen Hauptstadt Lissabon nach England und hatte vermutlich fünf Tonnen portugiesischer Goldmünzen für Kaufleute geladen.

Berichte aus dieser Zeit hatten darauf hingedeutet, dass die "Victory" vor der Kanalinsel Alderney in der Nähe des französischen Cherbourg sank. Bisherigen Vermutungen zufolge zerschellte das Schiff an den Klippen. Trümmer des Wracks wurden an verschiedenen Stellen angespült, aber einen eindeutigen Hinweis auf die Lage des Schiffes gab es nicht. Später wurde dem Kapitän Sir John Balchin, ansonsten stets als tadelloser Kommandant bekannt, eine Mitschuld an dem Unglück unterstellt. Und auch ein Leuchtturmwärter auf Alderney musste sich wegen des Vorwurfs verantworten, er habe das Signallicht verlöschen lassen. Letztlich geklärt wurden die Umstände aber nie.

"Das ist ein ganz großes Ding"

Das Wrack sei schon im Mai vorigen Jahres gefunden worden, teilte das im US-Staat Florida ansässige Unternehmen mit. Der Fundort liegt etwa 80 Kilometer von der bislang vermuteten Unglücksstelle entfernt, wie Greg Stemm von Odyssey Marine Exploration am Sonntag sagte. Man habe bereits mehrere Kanonen und andere Gegenstände des in 100 Meter Tiefe liegenden Wracks geborgen. Die Gegenstände ließen definitiv den Schluss zu, dass es sich um die "HMS Victory" handele. "Das ist ein ganz großes Ding, allein wegen des geschichtlichen Hintergrunds", sagte Stemm. "So ein jahrhundertealtes Rätsel löst man nur sehr selten."

Das US-Unternehmen hatte bereits vor zwei Jahren aus einem 1804 vor der portugiesischen Küste gesunkenen spanischen Schiff 17 Tonnen Silbermünzen im Wert von umgerechnet knapp 390 Millionen Euro geborgen. Die spanische Regierung hat die Firma inzwischen verklagt und erhebt ihrerseits Anspruch auf den Fund - mit der Argumentation, Spanien habe das Schiff nie offiziell aufgegeben. Der Rechtsstreit ist bislang noch nicht geklärt.

Von der britischen Regierung erhoffen sich die Amerikaner allerdings weniger Widerstand. Den genauen Fundort wollen sie aus Angst vor Plünderern nicht preisgeben. Das Wrack liege aber außerhalb der englischen Hoheitsgewässer. Per Gerichtbeschluss will Odyssey nun das alleinige Heberecht durchsetzen, hat aber mitgeteilt, mit der britischen Regierung über Kooperationsmöglichkeiten sprechen zu wollen. Ein Sprecher des britischen Außenministeriums stellte allerdings am Sonntag klar, dass - sollte es sich tatsächlich um die "HMS Victory" handeln - der Fund für das US-Team tabu sei und eine Zustimmung der Briten für alle weiteren Schritte erforderlich sei.

ffr/AP

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