Funde von Tell Halaf 27.000 Scherben fügen sich zum Orient-Schatz

Skulpturen, Schmuck, Bilder: Die Schätze der Palastanlage von Tell Halaf in Syrien gelten als Jahrhundertfund. Doch Bomben im Zweiten Weltkrieg legten sie in Trümmer. Archäologen haben die 3000 Jahre alten Kostbarkeiten wieder zusammengesetzt - SPIEGEL TV zeigt die erstaunliche Arbeit.


Es war die damals größte Ausgrabung der Welt. Von 1911 bis 1913 wurden auf dem Siedlungshügel Tell Halaf in Syrien 3000 Jahre alte aramäische Skulpturen, Steinbilder und Schmuckstücke geborgen. Es waren Überreste einer gigantischen Palastanlage, die der aramäische Fürst Kapara errichten ließ. Sie zählen bis heute zu den spektakulärsten archäologischen Funden des Vorderen Orients.

Doch die Freude hielt nicht lange: Bei einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg wurden sie komplett zerstört. Jetzt ist es einem Berliner Restauratoren-Team gelungen, die 27.000 einzelnen Scherben wieder zusammenzusetzen.

Der Archäologe Lutz Martin und seine Kollegen ahnten, dass ihnen eine gewaltige Aufgabe bevorstand, als sie die unzähligen Bruchstücke im Jahre 2001 zum ersten Mal sahen. "Wir haben nie damit gerechnet, dass wir mehr als zwei, drei Figuren wieder zusammenkleben können", erinnert sich Martin. Doch nach anfänglichen Problemen entwickelten die drei Restauratoren ein untrügliches Gespür für die steinernen Puzzleteile. Am Ende gelang Martin das scheinbar Unmögliche: Er setzte fast alle Figuren wieder zusammen und ließ den Jahrhundertfund vom Tell Halaf wieder auferstehen.

Fotostrecke

4  Bilder
Jahrhundertfund in Syrien: Die Schätze von Tell Halaf
Es ist ein Fund, der die Archäologie des Vorderen Orients wie kein anderer geprägt hat. Max von Oppenheim, Spross der Bankiersdynastie Sal. Oppenheim hatte die Schätze im Jahre 1899 entdeckt; er ließ sie zwölf Jahre später auch bergen. Schnell wurde deutlich, wie bedeutend die Artefakte sind: Oppenheim stieß auf eine imposante Fassade, Kunstwerke aus Basalt und einen Kultraum samt Altar.

Ein SPIEGEL-TV-Team hat die faszinierende Lebensgeschichte Max von Oppenheims und die Restaurierung der Funde jetzt für das ZDF rekonstruiert. Die aufwendige Dokumentation "In geheimer Mission - Der Fund von Tell Halaf" läuft am 9.1.2011 um 19:30 Uhr in der Sendereihe "Terra X".

In dem Film stellen die Autoren Saskia Weisheit und Kay Siering auch die moderne Forschung auf dem Tell Halaf vor. Denn auch heute noch, 100 Jahre nach Oppenheims Ausgrabungen, stellt der Siedlungshügel die Archäologie vor ungelöste Rätsel.

Wie lebten die Aramäer damals in ihrer Stadt Guzana? Warum wurde die Siedlung überhaupt gegründet? Warum ging sie nur wenig später unter? Diese Fragen versucht ein deutsch-syrisches Grabungsteam um den Archäologen Mirko Novak zu beantworten. Jedes Jahr machen die Wissenschaftler erstaunliche Funde.

Ende Januar werden die restaurierten Funde in einer Sonderausstellung im Berliner Pergamonmuseum der Öffentlichkeit präsentiert - zum ersten Mal nach ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg. Damit geht Max von Oppenheims größter Wunsch in Erfüllung. Kurz vor seinem Tod im November 1946 hatte er noch prophezeit, dass sein Lieblingsfund, die "thronende Göttin", die Menschen bald wieder begeistern wird.

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.