WM-Simulation Brasilien wird Weltmeister - sagen die Statistiker

Im Finale Brasilien gegen Deutschland - und dann ein Sieg für die Südamerikaner. So tippen Statistiker den Ausgang der Fußball-WM. Sie haben das Turnier eine Million Mal simuliert. Aber vielleicht kommt ja alles anders.

Jubelnder Brasilien-Stürmer Neymar
REUTERS

Jubelnder Brasilien-Stürmer Neymar


Prognosen sind immer schwierig - ganz besonders, wenn es um eine Fußballweltmeisterschaft geht. Viele Fans tippen als Sieger nämlich am liebsten das von ihnen unterstützte Team - entsprechend ist die Qualität der Tipps.

Statistiker der Universität Innsbruck haben nun eine eigene WM-Prognose abgegeben, die allein auf Wettquoten und einer aufwendigen Simulation des Turniers besteht. Insgesamt eine Million Mal spielten Achim Zeileis und seine Kollegen alle 64 Spiele von der Gruppenphase bis zum Finale durch und ermittelten so die Favoriten.

Mit einer Wahrscheinlichkeit von 16,6 Prozent heißt der Gewinner demnach Brasilien. Dicht dahinter folgt Titelverteidiger Deutschland mit 15,8 Prozent. Gute Siegchancen haben der Simulation zufolge auch Spanien (12,5 Prozent) und Frankreich (12,1 Prozent). Folgendes Diagramm zeigt die Top-15 der WM-Prognose.

Im Fußball spielen Glück und Pech eine große Rolle. Diese Zufallskomponente berücksichtigten die Statistiker in ihrer Simulation, indem sie den Ausgang jedes Spiels bei jedem Turnierdurchlauf quasi auswürfelten. Dabei nutzten sie je nach Spielstärke der beiden Kontrahenten mehr oder weniger gezinkte Würfel.

Waren beide Mannschaften gleich stark eingestuft, hatten beide auch gleich große Siegchancen. Mal gewann der eine, mal der andere. Bei ungleicher Spielstärke siegte das schwächere Team jedoch nur hin und wieder. Ein Sieg des Underdogs war also prinzipiell möglich, hatte aber eine Wahrscheinlichkeit von deutlich unter 50 Prozent.

Buchmacherdaten möglichst realistisch

Bei der Berechnung der Spielstärke griffen die Innsbrucker Forscher auf Daten von 26 Fußballwettanbietern zurück. "Da die Buchmacher mit ihren Wettangeboten natürlich Geld verdienen wollen, setzen sie ihre Quoten möglichst realistisch fest und berücksichtigen dabei neben historischen Daten auch die Turnierauslosung sowie kurzfristige Ereignisse wie etwa Spielerausfälle", sagt Achim Zeileis. Die Quoten bildeten daher eine sehr solide Basis für das Modell.

Folgende Grafik (Anzeige nur im Desktop/WWW-Modus) zeigt die Siegwahrscheinlichkeiten für alle möglichen Spielkonstellationen. Gut erkennbar ist die Dominanz der Top-6-Teams Brasilien, Deutschland, Spanien, Frankreich, Argentinien und Belgien. Jede Konstellation taucht in der Grafik zweimal auf. Beispiel Brasilien-Panama: Brasilien gewinnt mit 84,5 Prozent (Quadrat in türkis links oben) - und Panama gewinnt mit 15,5 Prozent (violettes Quadrat rechts unten).

WM 2018 - Kreuztabelle

"Unser Modell hat im Vergleich zu allen anderen den Vorteil, dass es sowohl Gewinn- als auch Überlebenschancen für jede einzelne Mannschaft liefert", sagt Zeileis. In der Gruppenphase gibt es demzufolge in fünf Gruppen je einen klaren Favoriten für den Gruppensieg - nämlich

  • Spanien (Gruppe B)
  • Frankreich (Gruppe C)
  • Argentinien (Gruppe D)
  • Brasilien (Gruppe E)
  • Deutschland (Gruppe F)

In den drei anderen Gruppen prognostizieren die Forscher eine knappe Entscheidung beim Kampf um Platz 1 - und zwar zwischen:

  • Uruguay und Russland (Gruppe A)
  • Belgien und England (Gruppe G)
  • Kolumbien und Polen (Gruppe H)
  • Als wahrscheinlichstes Finale gilt laut Simulation die Partie Brasilien gegen Deutschland. "Hier könnten die Brasilianer das dramatische Halbfinale von 2014 wiedergutmachen", meint Zeileis. Die Wahrscheinlichkeit für dieses Finale liegt jedoch bei nur 5,5 Prozent. Das bedeutet: In 94,5 Prozent der Turniersimulationen gab es eine andere Konstellation.

    Hätte, hätte

    "Von einer 100 Prozent sicheren Prognose sind wir weit entfernt", betont der Innsbrucker Forscher, dessen Team schon seit mehreren großen Turnieren Vorhersagen macht. 2010 habe man den Weltmeister Spanien richtig prognostiziert, bei der WM 2014 drei von vier Halbfinalisten. 2014 galt Brasilien mit 22,5 Prozent als klarer Favorit der Berechnungen - den Titel holten sich aber die Deutschen (bei 13,4 Prozent Siegchance).

    Bei der EM 2016 lautete die Prognose aus Innsbruck, dass Gastgeber Frankreich Deutschland im Halbfinale schlägt und danach das Finale gewinnt. "Hätte Gignac in der 92. Minute gegen Portugal das Tor und nicht nur den Pfosten getroffen, wären wir mit dieser Einschätzung genau richtig gelegen", sagt Zeileis.

    Es liege in der Natur von Prognosen, dass sie auch danebenliegen könnten - sonst wären Fußball-Turniere auch sehr langweilig. "Wir liefern eben Wahrscheinlichkeiten, keine Gewissheiten."

    hda

    Mehr zum Thema


    TOP
    Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
    Hinweis nicht mehr anzeigen.