Fußgelenk-Analyse Frühmenschen waren schlecht im Klettern

Schimpansen, Orang-Utans - sie turnen geschickt von Baum zu Baum. Ob unsere Vorfahren dies vor Millionen Jahren auch konnten, darüber streiten Anthropologen. Ein US-Forscher glaubt nun, das Rätsel gelöst zu haben.


Vor etwa fünf bis sieben Millionen Jahren trennten sich die Linien von Schimpanse und Mensch. Wie es unseren Vorfahren danach erging, darüber wissen Forscher nur wenig. Lebten sie weiterhin vor allem in den Bäumen? Und halfen ihnen lange, flexible Zehen beim Festhalten an dicken Ästen? Oder waren die sogenannten Hominini eher lausige Kletterer?

Schimpanse (im Zoo Münster): Fuß um bis zu 45 Grad angewinkelt
DDP

Schimpanse (im Zoo Münster): Fuß um bis zu 45 Grad angewinkelt

Jeremy DeSilva vom Worcester State College hat Schimpansen in Uganda gefilmt und die Aufnahmen ausgewertet. Seine Schlussfolgerung: Unsere Vorfahren dürften kaum elegante Baumturner gewesen sein. Die Anatomie des Fußgelenks spreche einfach dagegen, schreibt der Forscher im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Dem Wissenschaftler war aufgefallen, dass Schimpansen ihr Fußgelenk beim Klettern um bis zu 45 Grad anwinkeln. Sehr hilfreich, um auf dickeren, schrägen Ästen den ganzen Fuß aufzusetzen. Denn je größer die Auflagefläche, umso größer ist auch die Reibung und umso sicherer der Stand. Der Mensch kann das Fußgelenk hingegen nur um 15 bis 20 Grad anziehen. Mediziner bezeichnen die Bewegung als Dorsalextension oder Dorsalflexion.

DeSilva untersuchte Reste des Schienbeins und des Sprunggelenks von zwölf verschiedenen Funden, die 1,5 bis 4,0 Millionen Jahre alt sind. Sie alle werden den Hominini zugerechnet, zu denen die Arten der Gattung Homo und ihre Vorfahren zählen. Es zeigte sich, dass die Anatomie bereits bei diesen längst ausgestorbenen Arten eine Dorsalextension wie beim Schimpansen nicht erlaubte.

Wenn unsere Vorfahren also geklettert sind, schlussfolgert der Wissenschaftler, dann hätten sie dies kaum so tun können wie Schimpansen. Er habe deshalb Zweifel, dass die Frühmenschen gleichzeitig am Boden auf zwei Beinen gelaufen sind und in den Bäumen unterwegs waren.

Die Debatte über kletternde oder nichtkletternde Vorfahren ist damit laut DeSilva aber noch nicht beendet. Die Frühmenschen hätten prinzipiell auch ohne ausgeprägte Dorsalextension gut klettern können, schreibt der Forscher, so wie manche der heute lebenden Affen auch. Dass der Mensch durchaus die Fähigkeiten seiner vor Millionen Jahren lebenden Vorfahren noch nicht völlig verloren hat, zeigen nicht zuletzt auch immer wieder Extremkletterer.

hda



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