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Gebärmutterhalskrebs: Gefährliche Viren schon bei Kleinkindern

Mädchen können schon als Kleinkinder mit Viren infiziert sein, die Gebärmutterhalskrebs auslösen - lange vor einer möglichen Übertragung beim Sex. Die Erkenntnisse österreichischer Mediziner dürften die Diskussion um die HPV-Impfung neu befeuern.

Wien - Es ist eine Empfehlung, die Widerspruch provozieren dürfte: Daniela Dörfler von der Medizinischen Universität Wien schlägt vor, Mädchen bereits im Kleinkindalter gegen Humane Papillomviren (HPV) zu impfen. Hintergrund sind Untersuchungen, wonach bereits lange vor dem ersten Geschlechtsverkehr eine Infektion mit dem Erreger auftreten kann. Eine Impfung nach einer Infektion senkt die Erfolgsquoten, um die Befürworter und Kritiker der Impfung ohnehin mit Verve streiten, massiv.

Humane Papillomviren (HPV): Erreger überall auf der Haut
DPA

Humane Papillomviren (HPV): Erreger überall auf der Haut

Dörfler und ihr Team hatten 110 Mädchen von 4 bis 15 Jahren auf Papillomviren getestet. Alle waren von Juni 2000 bis Juni 2001 an der Ambulanz des Wiener Universitätsklinikums wegen verschiedener gynäkologischer Probleme behandelt worden. Knapp ein Fünftel der untersuchten Kinder trug den HPV-Erreger im Vaginalbereich, schreiben die Mediziner im Fachmagazin "American Journal of Obstetrics & Gynecology". In drei Viertel der Fälle seien riskante Virentypen nachgewiesen worden, die bei der Entstehung von Krebs eine Rolle spielen.

Die Ergebnisse überraschten nicht, sagte Yvonne Deleré vom Fachgebiet Impfprävention des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin. Die HPV-Erreger säßen überall auf und in der Haut - und damit eben auch an der Vagina. Übertragen würden sie bei Berührungen. Riskant sei aber vor allem eine Infektion der Haut am Gebärmutterhals. Der liege aber innen und sei damit recht gut geschützt.

Vor der Einführung der Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs sei durchaus über das richtige Alter für die Impfung diskutiert worden. Für die Empfehlung, erst Mädchen ab zwölf Jahren zu impfen, habe man sich entschieden, um die Kinder nicht zu verschrecken. Es sei schließlich schwierig, ein kleines Mädchen über eine sexuell übertragbare, möglicherweise krebsauslösende Krankheit aufzuklären, das noch mit Teddys und Puppen spielt.

In den meisten Fällen einer Infektion kann das Immunsystem die Papillomviren bekämpfen, und es kommt zu keiner Erkrankung oder höchstens zu Warzen. Da aber auch Krebs entstehen kann, hatte die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut im Frühjahr 2007 eine allgemeine Impfempfehlung für Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren ausgesprochen. Im November vergangenen Jahres hatte ein gutes Dutzend Impfkritiker ein Manifest gegen die Impfung veröffentlicht, darauf hatte das RKI mit einer Stellungnahme reagiert, auch das Paul-Ehrlich-Institut als Zulassungsbehörde meldete sich zu Wort. Der Chef der Impfkommission der Bundesregierung, Friedrich Hofmann, hatte die Impfstrategie im Interview mit SPIEGEL ONLINE verteidigt.

Der Gemeinsame Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen (G-BA) hat allerdings angekündigt, die Wirksamkeit der Impfung noch einmal prüfen zu lassen. Die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs soll gegen die Viren HPV-16 und HPV-18 wirken. Sie sind die Ursache von 70 Prozent aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs. In Deutschland erkranken jährlich mehr als 6000 Frauen an Gebärmutterhalskrebs, 1700 sterben daran.

G-BA-Chef Rainer Hess räumte vor wenigen Wochen im SPIEGEL ein, 2007 "unter enormem Druck" gestanden zu haben, die Impfung einzuführen. Bis heute gibt es keine Langzeiterfahrungen mit dem Impfstoff. Ebenso unklar ist, wie viel Schutz die Impfung tatsächlich bietet. Das Problem ist: In den vorhandenen Studien wurde die Wirksamkeit der Impfung nicht gegen Gebärmutterhalskrebs untersucht, sondern nur gegen das Auftreten von Zellveränderungen.

chs/dpa

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insgesamt 13 Beiträge
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1. Sie sollten mal die Sendungen im Öffentlich rechtlichen zu dem Virusthema sehen
GM64 18.05.2009
Da gibt es Leute die behaupten, dass die Spritze eher gefährlich ist, als gesund, und ich vertraue da eher unseren Öffentlich Rechtlichen Medien. Die Mediziner wollen nur mal wieder Kohlen eintreiben. Ich habe im Fernsehen Mädchen gesehen die von der Spritze sehr krank geworden sind. Auch die Zecken Impfung ist ein Schwindel. Die Wahrscheinlichkeit krank zu werden ist sehr gering, aber die Spritze ist nicht ungefährlich. Der größte Skandal ist aber, dass der Virusentdecker einen Nobelpreis bekommen hat. D.h. die Verblödung/Korruption reicht bis in die höchsten Gremien.
2. Viren- igitt- die sollten
1lauto 18.05.2009
schon vor jeder Koppulation ausgeschlossen werden, dann können die Kinder es auch nicht bekommen- weil es keine mehr gibt!
3. Von lecker Abgasen & Partikeln und sowas.
Galaxia, 18.05.2009
Pollution Can Change Your DNA in 3 Days, Study Suggests http://news.nationalgeographic.com/news/2009/05/090517-pollution-changes-dna.html
4. ZEIT-Artikel zum Thema
muctr 18.05.2009
Guten Tag! Bevor hier zum n-ten Mal eine Impfdiskussion bar jeder Fakten und Vernunft geführt wird, empfehle ich die Lektüre dieses sehr informativen und m.E. auch neutralen ZEIT-Artikels samt der Kommentare (von denen manche richtig gut sind): http://www.zeit.de/2009/21/M-HPV-Impfung Nach dieser Lektüre werde ich meine Tochter auf jeden Fall impfen lassen, wenn sie 12 ist. Beste Grüße muctr
5. gutes Timing
aug apfel, 18.05.2009
was für ein Zufall, dass gerade jetzt, wo der Sinn der besagten Impfung auf höchster offizieller Ebene in Frage gestellt wird, wieder so eine Studie auftaucht, die "höchst alarmierende " Resultate hervorbringt...Diese >Impfung ist Geldmacherei pur, und die schleimige mütterlich-fürsorgliche TV Werbung dafür sagt eigentlich schon genug. Gutes Rezept: Erst mal kräftig Angst machen und dann das Heilmittel dagegen verkaufen - gehört eigenmlich verboten. Und da wundert sich die Pharmalobby über ihren schlechten Ruf und die "bösartigen Verschwörunstheorien"...
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