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Gebärmutterhalskrebs: Gesundheitsbehörde lässt Impfung erneut prüfen

Erst gab es Jubel, dann Kritik und jetzt Zweifel: Die ursprünglich als hundertprozentiger Schutz gefeierte Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs muss erneut beweisen, wie sinnvoll sie ist.

Die Impfung gegen den durch Humane Papillomaviren (HPV) ausgelösten Gebärmutterhalskrebs für Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren steht erneut zur Debatte. Nach SPIEGEL-Informationen will das höchste Gremium im Gesundheitswesen, der sogenannte Gemeinsame Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen (G-BA) erneut darüber entscheiden, ob die Impfung weiter von den Krankenkassen übernommen werden soll, weil der Nutzen zweifelhaft ist.

Impfung: Streit um Schutz gegen Gebärmutterhalskrebs
DDP

Impfung: Streit um Schutz gegen Gebärmutterhalskrebs

Ursprünglich war die von dem US-Pharmakonzern Merck gentechnisch erzeugte Impfsubstanz Gardasil bei ihrer Vorstellung 2005 als einer der großen medizinischen Durchbrüche der vergangenen Jahre bejubelt worden. Bereits 2006 war eine entsprechende Impfung in Deutschland eingeführt worden, wird seither von Befürwortern ebenso vehement verteidigt wie sie von Kritikern angegriffen wird.

Erst vor wenigen Wochen hatten 13 angesehene Medizinprofessoren einen offenen Brief an den G-BA geschrieben und auf fehlende Daten aus den Studien des Impfstoffherstellers Sanofi Pasteur MSD aufmerksam gemacht. Ihrer Ansicht nach stehen die Studienergebnisse "in deutlichem Widerspruch zu vielen sehr optimistischen Verlautbarungen".

G-BA-Chef Rainer Hess räumt im SPIEGEL ein, 2007 "unter enormem Druck" gestanden zu haben, die Impfung einzuführen. Die Impfung soll das Entstehen von Gebärmutterhalskrebs verhindern. Allerdings gibt es bis heute keine Langzeiterfahrungen mit dem Impfstoff. Ebenso unklar ist, wie viel Schutz die Impfung tatsächlich bietet. Das Problem ist: In den vorhandenen Studien wurde die Wirksamkeit der Impfung nicht gegen Gebärmutterhalskrebs untersucht, sondern nur gegen das Auftreten von Zellveränderungen.

Die angesehene US-Fachzeitschrift "New England Journal of Medicine" kommentierte: "Die schlechte Nachricht ist, dass wir die Wirksamkeit der Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs nicht kennen." Der G-BA hat nach dem Brief der 13 Wissenschaftler das Robert-Koch-Institut zu einer Neubewertung der vorhandenen Studien über den Impfstoff aufgefordert.

"Wenn der Nutzen womöglich so gering ist, muss man natürlich fragen, ob die Kosten noch in einem sinnvollen Verhältnis stehen", sagt Hess dem SPIEGEL. "Nach der Antwort des Robert-Koch-Instituts werden wir noch mal über die HPV-Impfung entscheiden."

mak

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