Gedächtnis-Forschung: Menschen sind auch nur Computer
Menschen funktionieren wie Computer - zumindest, was das Abspeichern von Erinnerungen angeht. Forscher verfolgten den Weg von Sinneseindrücken auf die "Festplatte" im Oberstübchen - und fanden heraus, dass nur ein ausgeschlafenes Hirn die "Speichern"-Taste findet.
Speichern, vertiefen, verändern - in drei Stufen erinnert sich das menschliche Gehirn
"Unsere Forschung lässt uns genauer verstehen, wie der Mensch Erinnerungen schafft und sie wieder aufruft", sagt Matthew Walker, Referent am Beth Israel Deaconess Medical Center, einer Schwestergesellschaft der Harvard Medical School. Der Wissenschaftler und seine Kollegen haben herausgefunden, wie Menschen Erinnerungen speichern - und sie sogar verändern können. Die Ergebnisse ihrer Studie stellen sie in der aktuellen Ausgabe des Magazins "Nature" vor.
Das menschliche Gehirn funktioniert demnach ähnlich wie ein Rechner. "Eine Erinnerung entsteht wie eine Text-Datei auf einem Computer", erklärt Walker. "Wenn man die Datei nicht speichert, bevor man den Computer ausschaltet, ist sie verloren."
Sechsstündige Wachphase entscheidend
Die Forscher haben vor allem die so genannten "Wie"-Erinnerungen analysiert, die Koordinationsfähigkeiten wie Auto fahren oder das Spielen eines Musikinstruments erlernen lassen. "Das ist genau der Teil der Erinnerungen, den wir oft als selbstverständlich erachten", sagt Walker. "Aber Menschen mit neurologischen Schäden merken unmittelbar, wie wichtig dieser Teil in unserem täglichen Leben ist."
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Therapie-Chancen für psychisch Kranke
Der Schlaf spielt nach den Erkenntnissen der Wissenschaftler eine wichtige Rolle bei der Verfestigung der Erinnerungen im Gedächtnis. Versuchsteilnehmer, die nach einer geruhsamen Nacht am nächsten Tag getestet wurden, konnten sich wesentlich besser an die Zahlenreihen erinnern als noch am Abend zuvor. "Wenn man nicht die ganze Nacht schlafen kann, beraubt man sein Gehirn der Möglichkeit, Sachverhalte zu erlernen", so Walker.
Die dritte und letzte Stufe ist die Erinnerungsphase, welche die Veränderungen möglich macht. "Wir konnten feststellen, dass eine Fähigkeit, die zunächst gespeichert und verfestigt worden war, nun formbar und so in einem neuen Zusammenhang verändert werden konnten." Auf diese Weise könne nach und nach zum Beispiel das Beherrschen eines Instruments verfeinert werden.
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