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Gedächtnistests: Menschenaffe schlägt Mensch

Schimpansen können sich Zahlenreihen schneller und präziser merken als Menschen. Japanische Verhaltensforscher haben in Gedächtnistests junge Affen gegen Studenten antreten lassen. Das Ergebnis war eindeutig.

Von wegen blöder Affe. In Gedächtnistests, bei denen sich Schimpansen und Studenten Zahlenreihen merken mussten, waren junge Schimpansen überlegen, wie Sana Inoue und Tetsuro Matsuzawa von der Universität von Kyoto nachgewiesen haben. Vor allem waren sie eindeutig schneller als ihre menschlichen Verwandten.

Den menschlichen und tierischen Probanden wurden an einem Bildschirm Zahlenmuster gezeigt. Junge Schimpansen konnten sich nach dem Ausblenden der Zahlen besser an deren Anordnung erinnern als die Studenten einer japanischen Universität. Offensichtlich haben die Affen ein besseres Kurzzeitgedächtnis, folgern die Wissenschaftler. Ihrer Meinung nach zeigten die Ergebnisse, dass Menschen mit ihren kognitiven Fähigkeiten den Tieren nicht generell überlegen seien, schreiben Inoue und Matsuzawa im Fachmagazin "Current Biology".

Die Wissenschaftler brachten sechs Schimpansen - drei Schimpansenmüttern und ihren Jungen - aus dem Primatenzentrum der Universität von Kyoto zunächst bei, die arabischen Ziffern von eins bis neun zu erkennen und in aufsteigender Reihenfolge zu sortieren. Dann zeigten die Forscher den Probanden auf einem Bildschirm die neun Ziffern, die in einem beliebigen Raster auf dem Monitor verteilt waren. Als sie die erste Ziffer berührten, wurden die restlichen durch kleine weiße Vierecke verdeckt. Nun mussten die menschlichen und tierischen Probanden die Vierecke in der durch die Zahlen vorgegebenen Reihenfolge antippen (siehe Video). Die drei Schimpansenjungen waren dabei schneller als die Studenten. Nicht aber die Schimpansenmütter.

Bei dieser Übung schnitt ein junger Schimpanse namens Ayumu am besten ab. Er war zwar kaum akkurater als die teilnehmenden Studenten, aber deutlich schneller. Ayumu wurde deshalb zu einem zweiten Test herangezogen, bei dem fünf Zahlen auf weißen Quadraten kurz aufleuchteten und wieder verschwanden. Die Aufgabe bestand abermals darin, die Felder in der korrekten Ziffernfolge zu berühren.

Hier zeigte sich ein bemerkenswerter Unterschied in der Schnelligkeit. Leuchteten die Zahlen sieben Zehntel-Sekunden lang auf, lagen Ayumu und seine studentischen Gegner mit einer Trefferquote von 80 Prozent gleichauf. Je kürzer die Zahlen dann aber gezeigt wurden, desto stärker fiel die Erfolgsquote der Studenten ab - sogar bis auf die Hälfte. Ayumus Trefferquote aber blieb konstant, egal wie kurz die Zahlen nur aufleuchteten.

Bei den Affen habe sich eine Art fotografisches Gedächtnis gezeigt, erläutert Matsuzawa die Ergebnisse. Vermutlich gebe es hier eine kognitive Fähigkeit, die der Mensch im Laufe der Evolution verloren habe, um andere Fähigkeiten wie die Sprache zu erlernen, erklärt Matsuzawa. Vielleicht war es aber auch eine Frage des Alters, denn ältere Schimpansen wie Ayumus Mutter schnitten schlechter ab als die Studenten. Die Fähigkeit, Bilder in allen Details kurzzeitig im Gedächtnis zu behalten, wird immer wieder auch bei Kindern beobachtet, verliert sich jedoch meist mit zunehmendem Alter.

Der nächste logische Schritt wäre, Ayumu am Computer gegen kleine Kinder antreten zu lassen.

lub/ddp/AP

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