Geehrte Chemiker: Entdecker von Leuchtprotein gewinnen Nobelpreis

Zwei US-Forscher und ein Japaner teilen sich den Nobelpreis für Chemie. Osamu Shimomura, Martin Chalfie und Roger Tsien haben ein grün fluoreszierendes Eiweiß in einer Qualle entdeckt - und damit die Bioforschung entscheidend vorangebracht.

Der Nobelpreis für Chemie geht in diesem Jahr zu gleichen Teilen an den Japaner Osamu Shimomura und die US-Amerikaner Martin Chalfie und Roger Tsien. Sie haben das grünlich leuchtende Protein einer Qualle zu einem der wichtigsten Werkzeuge der Biologie gemacht, wie die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften am Mittwoch in Stockholm mitteilte. Das leuchtende Protein kann per DNA-Technologie an andere Proteine gekoppelt werden. Auf diese Weise können Forscher die Interaktion und Bewegung der ansonsten unsichtbaren Proteine verfolgen und etwa die Verbreitung von Krebszellen studieren. Die höchste Auszeichnung für Chemiker ist in diesem Jahr mit umgerechnet einer Million Euro (10 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert.

1961 isolierte der Japaner Osamu Shimomura erstmals das sogenannte Grün Fluoreszierende Protein (GFP) in einer Qualle namens Aequorea victoria. Er hatte festgestellt, dass es unter ultraviolettem Licht leuchtet. Martin Chalfie demonstrierte später, wie hilfreich GFP als Leuchtmarker für verschiedene biologische Phänomene ist. In einem seiner ersten Experimente färbte er sechs Zellen eines durchsichtigen Fadenwurms ein. Roger Tsien Tsien schließlich erweiterte mit seiner Forschung die Farbpalette des Proteins, so dass den zu markierenden Proteinen verschiedene Farben zugewiesen werden können. Alle drei Preisträger lehren und forschen in den USA.

Der frisch gekürte Nobelpreisträger Martin Chalfie erfuhr am Mittwoch erst nach der Weltöffentlichkeit von seiner Auszeichnung. Kurz nach Bekanntgabe durch die schwedische Wissenschaftsakademie meldete der Anrufbeantworter des New Yorker Forschers nur noch "der Speicher ist voll!". "Martin Chalfie haben wir telefonisch leider nicht erreicht", berichtete Akademiesekretär Gunnar Öquist in Stockholm. "Wir haben ihm eine E-Mail geschickt, dass er den Nobelpreis bekommen hat."

Information kam per E-Mail

Mit ihrer Entdeckung haben die drei Forscher die Laborforschung revolutioniert: Mit dem Protein GFP ließen sich biologische Prozesse beobachten, die zuvor unsichtbar gewesen seien, wie etwa die Entwicklung von Nervenzellen im Gehirn, begründete das Nobelpreiskomitee seine Entscheidung. Indem Mediziner und Biologen die DNA des Leuchtproteins mit der DNA eines anderen, ansonsten unsichtbaren Proteins verknüpfen, können sie unter dem Mikroskop die Bewegungen, Positionen und das Zusammenspiel der Proteine und Zellen in lebenden Organismen beobachten.

Mit dem Markerprotein lässt sich beispielsweise die Entwicklung der Insulin produzierenden Beta-Zellen in der Bauchspeicheldrüse von Embryonen beobachten. Für die Entwicklung der modernen Biowissenschaften sei diese Technik "zwingend erforderlich" gewesen, erklärte das Nobelkomitee.

Am Montag und Dienstag hatten das Karonlinska-Institut und die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften bereits die Preisträger in den Bereichen Medizin und Physik bekanntgegeben. Der Medizin-Nobelpreis 2008 geht an den deutschen Krebsforscher Harald zur Hausen sowie die beiden französischen Entdecker des Aids-Virus, Luc Montagnier und Françoise Barré-Sinoussi. Zur Hausen hatte herausgefunden, dass Viren Gebärmutterhalskrebs auslösen können, was zur Entwicklung eines Impfstoffs geführt hat.

Der Nobelpreis für Physik wird in diesem Jahr an drei Wissenschaftler aus Japan und den USA für ihre Grundlagenforschung über die kleinsten Bausteinen der Materie vergeben. Eine Hälfte des Preises geht an den aus Japan stammenden US-Wissenschaftler Yoichiro Nambu für die Entdeckung der sogenannten Spontanen Symmetriebrechung. Die andere Hälfte des Preises teilen sich die beiden Japaner Makoto Kobayashi und Toshihide Maskawa, die die Existenz einer dritte Quarkfamilie postuliert hatten. Die Welt verdanke dem Trio ein tieferes Verständnis der Teilchenphysik, erklärte die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften am Dienstag in Stockholm.

Im Jahr 2007 hatte der deutsche Forscher Gerhard Ertl den Nobelpreis für Chemie erhalten. Das Nobel-Komitee bezeichnete Ertls Forschung als wichtig für die chemische Industrie. "Sie kann uns helfen, so unterschiedliche Vorgänge wie das Rosten von Eisen und die Arbeitsweise von Brennstoffzellen oder Katalysatoren in unseren Autos zu verstehen." Oberflächenchemische Katalysatoren seien in vielen industriellen Verfahren ausschlaggebend, unter anderem bei der Herstellung von Kunstdünger.

hda/dpa

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