Gefährdete Frauen: Rauchen vervierfacht Risiko für Aorta-Erweiterung

Eine Aussackung der Hauptschlagader ist gefährlich: Reißt sie, verblutet der Patient. Männer sind zwar häufiger betroffen, aber Frauen sterben öfter daran. Jetzt haben Ärzte entdeckt, dass Rauchen das Risiko erhöht, Hormone aber davor schützen können.

Es sieht aus wie ein kleiner Sack innerhalb einer Schlauchwand: Bei einem Aneurysma beult sich die Wand eines Gefäßes aus, durch den hohen Druck und das fließende Blut wird sie immer dünner - die Arterie droht zu reißen. Passiert das in der Hauptschlagader, verblutet der Betroffene innerlich, wenn ein Chirurg nicht sofort das Loch stopft. Obwohl Männer häufiger Aortenaneurysmen haben, sind 40 Prozent derjenigen, die an einer solchen Ruptur sterben, weiblich.

Große Aussackung einer Arterie: Diese Grafik zeigt, wie Platinspiralen in das Aneurysma vorgeschoben werden, um es zu verschließen.
Boston Scientific

Große Aussackung einer Arterie: Diese Grafik zeigt, wie Platinspiralen in das Aneurysma vorgeschoben werden, um es zu verschließen.

Das Risiko der Frauen für ein Aortenaneurysma ist dann besonders groß, wenn sie rauchen, berichten Forscher vom VA Medical Center in Minneapolis (US-Bundesstaat Minnesota). Sie haben in einer langfristig angelegten Beobachtungsstudie die Risikofaktoren für eine Aussackung der Hauptschlagader bei über 160.000 Frauen untersucht, die am Programm Women's Health Initiative teilnahmen. Nach einem durchschnittlichen Beobachtungszeitraum von knapp acht Jahren werteten die Wissenschaftler um Frank Lederle ihre Daten aus, die sie jetzt im Fachmagazin "British Medical Journal" veröffentlichten.

Ihre Analysen ergaben, dass 184 der Frauen zwischen 50 und 79 Jahren ein Aneurysma in der Hauptschlagader entwickelten. Ein Teil von ihnen wurde rechtzeitig operiert, bei anderen riss die Aorta, 14 Frauen starben dadurch. Vor allem Zigarettenkonsum ist den Ergebnissen zufolge ein wichtiger Risikofaktor: Egal ob die Frauen früher oder zum Zeitpunkt der Untersuchung geraucht hatten, die Gefahr für ein Aortenaneurysma stieg deutlich an - auf ein viermal größeres Risiko.

Auch eine Hormonersatztherapie beeinflusste das Risiko - allerdings positiv. Im Gegensatz zu bisherigen Studien ergab Lederles Analyse, dass ersetzte Hormone die Frauen eher vor einem Aneurysma schützten. Auch Diabetikerinnen haben offenbar ein geringeres Risiko für ein Aortenaneurysma. Das hatten vorangehende Studien bei Männern bereits nahegelegt. Litten die Probandinnen jedoch unter Bluthochdruck, waren ihr Cholesterinspiegel zu hoch und ihre Arterien verkalkt, stieg die Gefahr für ein Aneurysma. Warum diese Faktoren offenbar das Risiko steigern, wissen die Wissenschaftler nicht.

Die Aussackungen können im Prinzip in allen Arterien vorkommen. In der Hauptschlagader liegen sie besonders häufig unterhalb der Nierenarterien. Vor allem im Kopf sind die Aneurysmen gefährlich: Platzt eine Arterie an der Hirnbasis, kommt es zu einer sogenannten Subarachnoidalblutung. Diese ist in bis zu 70 Prozent der Fälle tödlich.

hei

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Mensch
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite