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Gefährdete Jugendliche: Rauchen und Übergewicht verkürzen das Leben gleichermaßen

Übergewicht und Rauchen erhöhen bei Jugendlichen gleichermaßen die Gefahr für einen frühzeitigen Tod. Wer fettleibig ist und täglich viel qualmt, hat sogar ein fünffach erhöhtes Risiko, früh zu sterben.

Es sind vor allem junge Menschen, die gefährdet sind: Wer schon als Kind zu dick ist, und als Jugendlicher zusätzlich noch raucht, schadet seiner Gesundheit besonders stark: Die Arterien verkalken, der Blutdruck steigt, Diabetes droht. Die Herz-Kreislauf-Krankheiten und Stoffwechselstörungen sind nicht nur teuer für das Gesundheitssystem, sie verkürzen auch das Leben der Betroffenen. Dabei sind dicke Fettpolster rund um den Bauch ebenso gefährlich wie Rauchen, berichten jetzt schwedische Forscher online vorab in der Fachzeitschrift "British Medical Journal".

Die Wissenschaftler um Martin Neovius vom Karolinska-Institut bei Stockholm haben Daten von mehr als 45.000 Männern im Alter von 16 bis 20 Jahren ausgewertet, die sich 1969 und 1970 einer Wehrpflichtuntersuchung unterziehen mussten. Dabei waren unter anderem Körpergewicht, Größe und die Anzahl der konsumierten Zigaretten pro Tag dokumentiert worden. Diese Daten verglichen die Forscher jetzt mit den Angaben aus dem schwedischen Todesursachenregister bis zum Jahr 2007. Demnach waren knapp 2900 Männer aus der Studienpopulation bereits gestorben.

Die Wissenschaftler teilten die Männer anhand ihres Body-Mass-Index in unterschiedliche Gruppen ein: Untergewicht (BMI unter 18,5), Normalgewicht (BMI 18,5 bis 24,9), Übergewicht (BMI 25 bis 29,9) und Fettleibigkeit (BMI über 30). Das Risiko der Männer, frühzeitig zu sterben, stieg mit dem Ausmaß ihrer zusätzlichen Pfunde: Die Gefahr für einen übergewichtigen Mann war um ein Drittel erhöht, die eines adipösen (fettleibigen) sogar um das Doppelte.

Ebenso groß wie die Gefahr für Übergewichtige, frühzeitig zu sterben, war auch das Risiko der Raucher für einen vorzeitigen Tod: Jene Männer, die mehr als zehn Zigaretten täglich rauchten, hatten ein doppelt so großes Risiko wie die Vergleichsgruppe, die kein Nikotin konsumierte. Die größte Gefahr bestand jedoch für die Gruppe der stark rauchenden Fettleibigen: Ihr Risiko, frühzeitig zu sterben, war verfünffacht. Dennoch bedingten sich die beiden Faktoren nach Angaben der Autoren nicht gegenseitig.

Die Zahl der Übergewichtigen steigt nicht nur in Schweden stetig - derzeit sind die Deutschen die dicksten Europäer. Bei der krankhaften Fettleibigkeit führen die Griechen die Liste an. In Ländern wie den USA gilt Adipositas mittlerweile als eines der größten Gesundheitsrisiken überhaupt, sie ist für Millionen Todesfälle weltweit verantwortlich. In den USA wurden die finanziellen Folgen der Fettleibigkeit kürzlich auf 90 Milliarden Dollar beziffert.

Beim Rauchen lässt sich hingegen ein gegenläufiger Trend beobachten: Der Anteil der 12- bis 17-jährigen Raucher ging einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) aus dem Frühjahr 2007 zufolge im Vergleich zum Jahr 2001 von 28 Prozent auf immerhin 18 Prozent zurück.

Dennoch halten Neovius und sein Team die Gefahren durch Nikotin und fettes, süßes Essen für durchaus aktuell. Im "British Medical Journal" schreiben sie: "Übergewicht, Fettleibigkeit und Rauchen bei Jugendlichen sind sehr wichtige Angriffspunkte für Initiativen des Gesundheitssystems."

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Dicke Welt: Übergewicht und Fettleibigkeit


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