Gefährliche Chemikalie Bisphenol A könnte Erektionsprobleme bewirken

Dass die Chemikalie Bisphenol A für Föten und Kinder gefährlich sein kann, ist bekannt. Nun gibt es erstmals Hinweise darauf, dass der Kunststoffzusatz auch bei Erwachsenen zu Problemen führen könnte - bei sehr hoher Belastung drohen möglicherweise Erektions- und Ejakulationsprobleme.

Paar beim Liebesspiel (Symbolbild): "Einfluss auf das männliche Fortpflanzungssystem"
Corbis

Paar beim Liebesspiel (Symbolbild): "Einfluss auf das männliche Fortpflanzungssystem"


Washington - Bisphenol A, kurz BPA, ist ein Zusatzstoff der Kunststoffindustrie und sorgte schon mehrfach für Schlagzeilen. Vor einigen Tagen hatten mehrere Hersteller Babyflaschen aus dem Verkauf genommen, bei denen Umweltschützer vom BUND den Stoff nachgewiesen hatten. Bisphenol A steht im Verdacht, bei Föten, Säuglingen und Kleinkindern Schäden bei der Gehirnentwicklung zu verursachen.

Doch die Chemikalie, die hormonähnlich wirkt, kann möglicherweise auch Erwachsenen gesundheitliche Probleme bereiten - zumindest bei sehr intensivem Kontakt. Eine aktuelle Studie bringt Bisphenol A mit Erektions- und Ejakulationsproblemen bei Männern in Verbindung. Forscher aus den USA und China hatten 634 Arbeiter in China untersucht. Ein Teil von ihnen arbeitete in einer Fabrik, in der Bisphenol A in großen Mengen in der Produktion eingesetzt wird. Der andere Teil war in anderen Fabriken tätig.

Bei der Gruppe mit BPA-Kontakt waren Erektionsprobleme viermal so häufig wie bei den anderen Arbeitern, berichten die Forscher im Fachmagazin "Human Reproduction". Die Häufigkeit von Ejakulationsproblemen war in dieser Gruppe sogar um das Siebenfache erhöht. Allerdings lagen die Dosen an Bisphenol A, denen die betroffenen Arbeiter ausgesetzt waren, laut den Forschern um das 50-Fache über dem Durchschnittswert bei US-Bürgern. Die Forscher hatten die Raumluft und den Urin ihrer Probanden untersucht.

Laut den Wissenschaftlern handele es sich um die erste Studie zu den Auswirkungen von Bisphenol A auf die Fortpflanzungsfähigkeit beim Menschen. Daher müsste in weiteren Untersuchungen die Belastung mit geringeren Konzentrationen untersucht werden. Nur so könne man "den Einfluss auf das männliche Fortpflanzungssystem in der Bevölkerung besser einschätzen", erklärte De-Kun Li. Er ist Co-Autor der Studie und arbeitet für den Krankenversicherer Kaiser Permanente im US-Bundesstaat Kalifornien tätig. "Diese Studie wirft die Frage auf, bis zu welcher Konzentration BPA ungefährlich ist."

2008 hatte eine Untersuchung des staatlichen US-Gesundheitsinstitut NIH gezeigt, dass BPA schwere Auswirkungen auf die Entwicklung des Gehirns bei Föten und Neugeborenen haben kann. Im vergangenen März verpflichteten sich daraufhin in den USA sechs große Hersteller von Babyschnullern, kein BPA mehr zu verwenden. Außerdem wurde ein Gesetzesentwurf eingebracht, der in den USA die Nutzung von BPA bei allen Arten von Lebensmittelbehältern verbieten soll. Der Stoff wird aber auch in anderen Bereichen genutzt, unter anderem bei Zahnersatz.

Die Studienergebnisse für mögliche Belastungen bei Erwachsenen sind nicht eindeutig. Viele Tests wurden an Labortieren durchgeführt, die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf den Menschen gilt als schwierig. Die Europäische Lebensmittelbehörde (EFSA) war zu dem Schluss gekommen, dass bei weniger als 50 Mikrogramm Bisphenol A pro Kilogramm Körpergewicht und Tag keine Gefahr droht. Es sei nicht wahrscheinlich, dass der Normalbürger mehr aufnehme. Die Chemikalie gilt auch nicht als "sehr bedenklicher Stoff" im Sinne der EU-Chemikalienverordnung Reach. Deswegen muss sie auch nicht speziell zugelassen werden.

chs/AFP



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