Gefährliche Turbulenzen Experten messen A380-Luftwirbel

Der Airbus A380 ist ein Koloss unter den Passagierjets - und kann mit gewaltigen Luftverwirbelungen andere Flugzeuge in Gefahr bringen. Experten haben die sogenannten Wirbelschleppen jetzt bei Testflügen mit einem A380 und einer Boeing 747 erforscht.


Oberpfaffenhofen - Hunderte Schaulustige haben am heutigen Mittwoch in Oberpfaffenhofen einen Testflug der zwei größten Passagierflugzeuge der Welt beobachtet. Der neue Airbus A380 und der Jumbojet Boeing 747 zogen Schleifen über dem Sonderflughafen, um die Auswirkungen der sogenannten Wirbelschleppen hinter den Flugzeugen zu messen.

A380 beim Testflug über Oberpfaffenhofen: Gratis-Spektakel für Hunderte Zuschauer
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A380 beim Testflug über Oberpfaffenhofen: Gratis-Spektakel für Hunderte Zuschauer

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat im Auftrag von Airbus getestet, welcher Jet größere und gefährlichere Turbulenzen im Luftraum erzeugt. Davon hängt ab, wie weit andere Flugzeuge bei Starts und Landungen Abstand von den Giganten der Lüfte halten müssen, um nicht in Schwierigkeiten zu geraten. Für den späteren Einsatz der A380 sind die Messungen von großer Bedeutung.

Die Wirbelschleppen entwickeln sich spiralförmig hinter den Tragflächen. Die Stärke der Wirbel und ihre mögliche Gefahr für andere Flugzeuge ist von mehreren Faktoren abhängig: So wirken sich Windrichtung und Geschwindigkeit des Flugzeuges, aber auch aerodynamische Details der Tragfläche auf die Intensität der Wirbelschleppen aus.

Was die Turbulenzen anrichten können, wurde vor knapp fünf Jahren auf tragische Weise in den USA deutlich. Am 12. November 2001 stürzte ein Airbus A300-600 kurz nach dem Start über dem New Yorker Stadtteil Queens ab und riss 265 Menschen in den Tod. Die Untersuchung zur Unglücksursache endete drei Jahre später mit dem Ergebnis, dass der Airbus in die Wirbelschleppe eines vorausfliegenden Jumbojets geraten war. Der Kopilot habe daraufhin heftig auf die Ruderpedale getreten, so dass das Seitenruder abgerissen und die Maschine abgestürzt sei.

Messungen per Laser

Die Messungen in Oberpfaffenhofen wurden vom DLR-Institut für Physik der Atmosphäre vorgenommen. Die Experten setzten an der Landebahn des Sonderflughafens spezielle Lasergeräte ein, um die Luftwirbel am Computer sichtbar zu machen, erläuterte DLR-Sprecherin Michaela Kircher. "Das DLR besitzt für diese Messungen eine weltweit einzigartige Kompetenz." Ergebnisse gibt es nach Angaben der beteiligten Wissenschaftler noch nicht. Man müsse zunächst die Auswertung der umfangreichen Daten abwarten.

Die Boeing 747 nahm für Vergleichsmessungen an den Testflügen teil. Der A380 hat eine Spannweite von 79,6 Metern, die Tragflächen der Boeing 747 messen 64,5 Meter. Ein voll beladener A380 bringt rund 560 Tonnen auf die Waage. Die maximale Startmasse der neuesten Boeing 747-Version beträgt rund 400 Tonnen. Die Dimensionen dieser beiden Jets werden nur noch von einem riesigen Frachter übertroffen: Die Tragflächen der Antonov An-225 messen 88 Meter.

Der Airbus A380 mit 555 Sitzen soll Ende dieses Jahres bei Singapore Airlines erstmals in Liniendienst gehen. Bisher sind mehr als 150 Flugzeuge des Typs verbindlich bestellt. Mit dem Passagierjet will der europäische Hersteller das Monopol des Boeing Jumbo-Jets 747 brechen, der sich seit mehr als 35 Jahren gut verkauft.

Die Zuschauer der Testflüge in Oberpfaffenhofen genossen die Gratis-Show: Zum Teil donnerten die Jets in einer Höhe von nur 100 Metern über den Flughafen. Der Airbus war im französischen Toulouse gestartet, die Boeing im Dienste der Lufthansa kam aus Frankfurt am Main. Oberpfaffenhofen war nach Angaben der DLR als Testgebiet ausgewählt worden, weil hier die notwendigen ruhigen Wetterbedingungen am wahrscheinlichsten seien.

mbe/dpa/ddp



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