Gefährlicher Erreger Bakterienduell im Körper macht manche Menschen immun

Klinikärzte fürchten den fiesen Erreger: Infiziert man sich mit Staphylococcus aureus, drohen lebensgefährliche Lungenentzündungen oder Blutvergiftungen. Doch es gibt Menschen, die dagegen immun sind - in ihnen tobt ein Kampf zweier Keime.

CDC / Matthew J. Arduino

Der Feind heißt Staphylococcus aureus. Normalerweise ist er ein harmloser Bewohner der menschlichen Schleimhäute und der Haut. Jeder dritte Mensch trägt den Keim. Gelingt es dem Bakterium aber, sich übermäßig zu vermehren, oder gelangt es gar ins Körperinnere, kann es gefährlich werden: Lungenentzündungen, Harnwegsinfekte, Hautabzesse, Meningitis, äußere Ohrentzündung - die Palette der Infektionen, die das Bakterium auslösen kann, ist breit.

Manchmal kann es sogar lebensbedrohlich werden; vor allem Klinikärzte fürchten den Erreger. Denn in den vergangenen Jahren ist die Anzahl antibiotikaresistenter Stämme des Erregers stark gestiegen, viele Infektionen können daher nicht mehr mit den vorhandenen Mitteln bekämpft werden. Besonders bei immungeschwächten Menschen stellt eine Infektion mit Staphylococcus aureus ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko dar.

Manche Menschen aber sind immun gegen eine Besiedlung durch den gefürchteten Erreger - warum, das war bisher unbekannt. Jetzt hat ein japanisches Forscherteam das Rätsel gelöst, wie es im Fachmagazin "Nature" berichtet.

Immune Personen, das haben die Wissenschaftler herausgefunden, tragen einen ebenbürtigen Gegner in sich: Staphylococcus epidermidis. Staphylococcus aureus siedelt sich bevorzugt in der Nase an, doch dort hat das Bakterium Staphylococcus epidermidis die Vorherrschaft über das Organ. Diese gutartigen Bakterien bilden eine Verteidigungslinie gegen den gefährlichen Krankheitserreger und senken somit das Risiko für Lungenentzündungen oder Blutvergiftungen, schreiben Tadayuki Iwase von der Jikei University School of Medicine in Tokio.

Demnach ist die wirksame Waffe von Staphylococcus epidermidis ein Enzym, das Staphylococcus aureus abtötet und somit eine erfolgreiche Kolonialisierung des Keimes verhindert. Bei der Untersuchung von 88 Freiwilligen fanden die Wissenschaftler heraus, dass diejenigen Probanden, die einen bestimmten Stamm von Staphylococcus epidermidis beherbergten, resistent gegen eine Kolonialisierung durch Staphylococcus aureus waren. In weiteren Versuchen konnten die Forscher das Enzym identifizieren.

Innerhalb der Nasenhöhle versuchen Staphylococcus-aureus-Keime, Biofilme zu bilden, also dünne Schleimschichten, die den Bakterien Schutz bieten. Das von Iwase entdeckte Enzym - eine sogenannte Serin-Protease - kann sowohl die Produktion dieser Biofilme verhindern, als auch bereits vorhandene zerstören. Zudem ist es in der Lage, das körpereigene Immunsystem anzuregen und dieses für den Kampf gegen Staphylococcus aureus zu mobilisieren.

Diese neu entdeckten Eigenschaften unterscheiden sich nach Angaben der Forscher grundlegend von allen bisher bekannten Mechanismen, die Bakterien benutzen, um sich gegenseitig das Leben schwerzumachen. Die neuen Erkenntnisse seien eine wichtige Grundlage, um effektive Therapien gegen Staphylococcus aureus zu entwickeln.

cib/ddp



insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
unente, 20.05.2010
1. "überraschende" Erkenntnis
Zitat von sysopKlinikärzte fürchten den fiesen Erreger: Infiziert man sich mit Staphylococcus aureus, drohen lebensgefährliche Lungenentzündungen oder Blutvergiftungen. Doch es gibt Menschen, die dagegen immun sind - in ihnen tobt ein Kampf zweier Keime. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,695849,00.html
Die Evolution geht eben auch am "modernen Menschen" nicht vorbei - der Mensch bleibt Teil der Natur!
pulegon 20.05.2010
2. Hä?
Zitat von sysopKlinikärzte fürchten den fiesen Erreger: Infiziert man sich mit Staphylococcus aureus, drohen lebensgefährliche Lungenentzündungen oder Blutvergiftungen. Doch es gibt Menschen, die dagegen immun sind - in ihnen tobt ein Kampf zweier Keime. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,695849,00.html
Klingt toll denken ich und klicke auf den Link (http://www.nature.com/nature/journal/v465/n7296/full/nature09074.html) im Text. Ah okay. Das Bakterien sich um Lebensraum prügeln ist nichts neues. Hier tun sie es, indem das eine Bakterium den Biofilm des Anderen kaputt macht und dabei durchlässiger für die Immunantwort des Körpers. Ah.. die eigentliche Nachricht ist, das da evtl. ein neuer Interaktionsmechanismus eine Rolle spielt, der schon die reine Ansiedlung des Anderen verhindert. Toll denke ich mir. Man weiß noch nicht wie genau, aber man kann einen mehrfachresistenten Keim mit einem Anderen den Gahr ausmachen. Überlegung: Mit A gegen B und mit Antibiotika dann gegen A. Gucke mal just for fun, was Wikipedia dazu sagt (http://de.wikipedia.org/wiki/Staphylococcus_epidermidis) und denke mir joar doch nicht so toll. Was bleibt: Schöne Nachricht für die Wissenschaft und alle die sich dafür interessieren. Für den nächsten Klinikaufenthalt innerhalb der nächsten Jahre keine Relevanz.
chromatine 20.05.2010
3. Staphylococcus
Zitat von pulegonKlingt toll denken ich und klicke auf den Link (http://www.nature.com/nature/journal/v465/n7296/full/nature09074.html) im Text. Ah okay. Das Bakterien sich um Lebensraum prügeln ist nichts neues. Hier tun sie es, indem das eine Bakterium den Biofilm des Anderen kaputt macht und dabei durchlässiger für die Immunantwort des Körpers. Ah.. die eigentliche Nachricht ist, das da evtl. ein neuer Interaktionsmechanismus eine Rolle spielt, der schon die reine Ansiedlung des Anderen verhindert. Toll denke ich mir. Man weiß noch nicht wie genau, aber man kann einen mehrfachresistenten Keim mit einem Anderen den Gahr ausmachen. Überlegung: Mit A gegen B und mit Antibiotika dann gegen A. Gucke mal just for fun, was Wikipedia dazu sagt (http://de.wikipedia.org/wiki/Staphylococcus_epidermidis) und denke mir joar doch nicht so toll. Was bleibt: Schöne Nachricht für die Wissenschaft und alle die sich dafür interessieren. Für den nächsten Klinikaufenthalt innerhalb der nächsten Jahre keine Relevanz.
Natürlich ist auch dieser andere Staphylokokkus gefährlich für die Gesundheit, wenn er in die Blutbahn eindringt oder woanders IN den Körper gelangt (=Infektion). Auf der Körperoberfläche hingegen sind beide recht harmlos, solange sie dort bleiben. Trotzdem würde man nur ein Risiko gegen ein anderes eintauschen, da haben Sie schon Recht. Allerdings geben Sie zu schnell auf bzw. denken die Sache nicht weiter. Man hat nicht etwa vor, einen Patienten mit dem einen Bakterium zu infizieren um ein anderes zu bekämpfen. Das wäre auch ziemlich fahrlässig. Vielversprechend wäre hingegen, dieses spezielle Enzym rekombinant herzustellen (sollte im Laborhaustier E. coli ohne Probleme möglich sein, da es ja auch ein Bakterium ist). Dieses Enzym könnte man dann prophylaktisch bei Risikopatienten auf die Nasenschleimhaut aufbringen, um die dortigen Staphylokokken abzutöten und einer Infektion vorzubeugen. Oder im akuten Fall einer Infektion je nach Beständigkeit der Protease auch als Injektion verwenden. Vorher muss natürlich die Wirkung, die Verträglichkeit usw. durch zahlreiche Studien erwiesen werden, also haben Sie doch irgendwie Recht - Die nächsten 10 Jahre wird das für einen Klinikaufenthalt noch keine Relevanz haben. So lange dauert es nämlich mindestens bis zur Markreife eines Medikaments.
pulegon 20.05.2010
4. Stimmt schon
Zitat von chromatineNatürlich ist auch dieser andere Staphylokokkus gefährlich für die Gesundheit, wenn er in die Blutbahn eindringt oder woanders IN den Körper gelangt (=Infektion). Auf der Körperoberfläche hingegen sind beide recht harmlos, solange sie dort bleiben. Trotzdem würde man nur ein Risiko gegen ein anderes eintauschen, da haben Sie schon Recht. Allerdings geben Sie zu schnell auf bzw. denken die Sache nicht weiter. Man hat nicht etwa vor, einen Patienten mit dem einen Bakterium zu infizieren um ein anderes zu bekämpfen. Das wäre auch ziemlich fahrlässig. Vielversprechend wäre hingegen, dieses spezielle Enzym rekombinant herzustellen (sollte im Laborhaustier E. coli ohne Probleme möglich sein, da es ja auch ein Bakterium ist). Dieses Enzym könnte man dann prophylaktisch bei Risikopatienten auf die Nasenschleimhaut aufbringen, um die dortigen Staphylokokken abzutöten und einer Infektion vorzubeugen. Oder im akuten Fall einer Infektion je nach Beständigkeit der Protease auch als Injektion verwenden. Vorher muss natürlich die Wirkung, die Verträglichkeit usw. durch zahlreiche Studien erwiesen werden, also haben Sie doch irgendwie Recht - Die nächsten 10 Jahre wird das für einen Klinikaufenthalt noch keine Relevanz haben. So lange dauert es nämlich mindestens bis zur Markreife eines Medikaments.
Primär ging es mir auch um Kritik an dem Text, bzw. wie er die Forschung darstellt. Es wird so dargestellt, als wäre aureus böse und epidermis gut und das ist nunmal zu schwarz-weiß dargestellt. Natürlich wäre das Enzym zur Behandlung sicher eine Idee, wobei hier ja auch noch niemand sagen kann,wie stabil das Enzym im Körper ist. Bisher hat man ja lediglich die Nasenschleimhaut 'beobachtet'.
mavoe 20.05.2010
5. Bakterien
Zitat von sysopKlinikärzte fürchten den fiesen Erreger: Infiziert man sich mit Staphylococcus aureus, drohen lebensgefährliche Lungenentzündungen oder Blutvergiftungen. Doch es gibt Menschen, die dagegen immun sind - in ihnen tobt ein Kampf zweier Keime. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,695849,00.html
Hohoh. Das einzig wirklich bedauerliche ist, dass viele Menschen keinen Zugang haben zu Medikationen gegen fehlfunktionierende Bakterien im Körper haben, welcher eigentlich von der Evolution nur geschaffen wurde, um ein Primabiotop für Bakterien zu schaffen. Raten Sie mal, wieviel Bakterien der menschliche Körper IMMER enthält. Ich hatte in meinem Leben eigentlich nur Probleme mit Viren, manchmal, und dann einmal ein richtiges Problem. DAS waren aber keine Bakterien, sondern kleine Sch*ßviecher welche durch Insektenstiche verbreitet werden. Malaria. Passiert in Afrika. Und dann mal in Indien, verursacht durch andere Viecher, im Trinkwasser, Schneckenlarven...
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