Geheimes Minenfeld Drei deutsche U-Boote vor britischer Küste gefunden

Taucher haben vor der Küste Englands die Wracks von drei deutschen U-Booten aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt. Die Boote waren in ein geheimes Minenfeld der Briten geraten.


Vor der britischen Küste, gut elf Kilometer von Newquay im südwestlichen Zipfel Englands entfernt, haben Taucher die drei deutschen U-Boote entdeckt – und zugleich Licht auf eine britische Operation geworfen, die 60 Jahre lang geheim blieb.

Deutsches U-Boot im Zweiten Weltkrieg: Drei Wracks vor der Küste Englands gefunden
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Deutsches U-Boot im Zweiten Weltkrieg: Drei Wracks vor der Küste Englands gefunden

"Erst kürzlich hat die Regierung die Existenz dieses Tiefsee-Minenfelds offenbart", sagte Marine-Historiker Eric Grove der britischen Zeitung "Daily Mirror". Daraufhin machten sich Taucher auf die Suche. Angst, selbst Opfer des Minenfeldes zu werden, brauchten sie nicht zu haben - es ist längst stillgelegt. Und tatsächlich fanden sie drei stark beschädigten Opfer der geheimen Abwehr: die U-Boote U-325, U-400 und U-1021.

Damit hatten die Taucher und Historiker nicht gerechnet, denn von keinem der U-Boote war bekannt, dass sie an dieser Stelle gesunken waren. Man habe zunächst nur gewusst, dass sie zwischen Ende 1944 und Anfang 1945 verschwunden sind, sagte Grove. Zusammen mit Kollegen hat er anhand von freigegebenen Kriegsdokumenten den Fall rekonstruiert.

Minenfeld mit Lücke war eine Falle

"Die U-Boot-Besatzungen waren angehalten, in Küstengewässern zu patrouillieren und die Flotte der Alliierten zur Strecke zu bringen", sagte Grove. Ein deutscher U-Boot-Kommandant habe dann eine Lücke in dem Minenfeld entdeckt, das Versorgungsschiffe schützen sollte, die nach Cardiff und Bristol unterwegs waren. Er habe die Entdeckung nach Deutschland gefunkt, doch der britische Geheimdienst habe den Funkspruch abgefangen.

Daraufhin stopften die Briten die Lücke mit Minen in größerer Tiefe. Die Versorgungsschiffe blieben unversehrt, die U-Boote aber liefen in die Falle: U-325, U-400 und U-1021 wurden zerstört. Die Besatzung sei dem Untergang geweiht gewesen, sagte U-Boot-Fahnder Innes McCartney. "Als wir bei diesen Booten tauchten, sahen wir, dass der ganze Bug weggesprengt war."

Historiker McCartney hat schließlich sogar die Witwe eines der Kommandanten in Deutschland aufgespürt und ihr gesagt, dass das Wrack gefunden worden sei. Die Frau habe ein Wechselbad der Gefühle durchlebt, berichtet der Forscher. "Die beiden waren zwei Verliebte, haben geheiratet und Kinder bekommen – und dann verschwand er. Sein Schicksal war ein Rätsel", so McCartney. Schließlich doch noch herauszufinden, wo er abgeblieben war, habe die Frau sehr ergriffen.

Erst vor wenigen Tagen sorgte ein anderes deutsches U-Boot aus der Nazi-Zeit für Aufsehen: die U-864. Das hatte Hitler auf geheime Mission geschickt, die Briten versenkten das deutsche U-Boot – mitsamt rund 65 Tonnen Quecksilber. Weil diese giftige Ladung Fische und Menschen bedroht, plant Norwegen nun einen Unterwasser-Sarkophag für das Wrack.

fba



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