Geheimnisvolle Mogao-Grotten: In Buddhas heiligen Höhlen

Von Brook Larmer

Sie bergen einen der größten Schätze buddhistischer Kunst: In den Mogao-Grotten bei Dunhuang an der chinesischen Seidenstraße leuchten Tausende Wandmalereien in hellen Farben. Über die Schöpfer rätseln die Forscher bis heute. Ein National-Geographic-Bericht über eine zauberhafte Unterwelt.

Magao-Grotten: Zeitkapsel der Seidenstraße Fotos
Tony Law

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Vor ihm im Sand lagen Skelette. Als wollten sie ihn vor den Gefahren warnen, die jedem drohten, der im Jahr 629 auf der Seidenstraße reiste, der damals weltweit bedeutendsten Route für Waren, Eroberer und Ideen. Der Mönch Xuanzang hatte die Orientierung verloren - und fast seine letzte Kraft. Westlich des chinesischen Reichs peitschten heftige Sandstürme durch die Wüste. Die aufsteigende Hitze gaukelte ihm Trugbilder vor. In seinem Wahn glaubte er, auf fernen Dünen bedrohliche Streitmächte zu erkennen.

Noch größeren Schrecken verbreiteten die mit Schwertern bewaffneten Banditen, die den Karawanen auflauerten, denn diese waren reich beladen: mit Seide und Tee und Keramik auf ihrem Weg nach Westen an die Höfe in Persien und am Mittelmeer. Oder mit Gold, Edelsteinen und Pferden auf dem Weg nach Osten, nach Chang'an (dem heutigen Xi'an), in die Hauptstadt der Tang-Dynastie, damals eine der größten Städte auf Erden. Wie Xuanzang in seinem berühmten Reisebericht schrieb, hatte auch er etwas Wertvolles dabei, das ihn auf seinem Weg vorantrieb: den Buddhismus.

Diese Religion hatte sich über die Seidenstraße bis nach China verbreitet. Ähnlich wie nach ihr der Zoroastrismus und der Manichäismus, beides Lehren persischen Ursprungs - sowie das Christentum und später der Islam. Doch keine Glaubensrichtung gewann einen so starken Einfluss in China wie der Buddhismus, der dort bereits im ersten Jahrhundert nach Christus nachweisbar ist, als beispielsweise um 68 nach Christus das "Kloster der weißen Pferde" - Baima Si - in Luo-yang gegründet wurde. Die Texte, die Xuanzang aus Indien in die Heimat mitbrachte, vertieften das Verständnis für viele Fragen des Buddhismus und sorgten für seine weitere Verbreitung.

Prachtvolle Welt der Farbe und Bewegung

Xuanzang war 16 Jahre lang auf Reisen. Gegen Ende dieser Zeit rastete der Mönch in Dunhuang. In dieser Oase an der Seidenstraße kreuzten sich die Wege vieler Menschen und Kulturen. Deshalb konnten dort die Mogao-Grotten entstehen, eines der großen Wunderwerke der buddhistischen Welt. Etwa 19 Kilometer südöstlich von Dunhuang ragt eine bogenförmige Felswand rund 30 Meter hoch aus den windgepeitschten Dünen. An ihrem Fuß liegt ein von Pappeln gesäumtes Flussbett. Schon um die Mitte des 7. Jahrhunderts war dieser anderthalb Kilometer lange Abhang von Hunderten Grotten durchlöchert. Hier ließen sich Reisende zum Gebet nieder, um sicheres Geleit auf ihrem weiten Weg entlang der gefürchteten Wüste Taklamakan zu erbitten - oder um wie Xuanzang für den erfolgreichen Abschluss ihrer Wanderung zu danken.

In den Grotten aber wird bis heute die einfarbige Leblosigkeit der Wüste durch eine prachtvolle Welt der Farbe und Bewegung abgelöst. Tausende Buddhas in den unterschiedlichsten Schattierungen leuchten überall an den Höhlenwänden, auf ihren Roben glänzt Gold aus fernen Ländern.

Die Höhlen wurden zwischen dem 4. und dem 14. Jahrhundert nach Christus angelegt. Die unterirdischen Räume mit ihrer papierdünnen Schicht brillanter Malerei haben Kriege und Raubzüge, Naturgewalten und Verfall überstanden. Heute sind sie eine der weltweit bedeutendsten Schatzkammern buddhistischer Kunst.

Doch ihr Stellenwert übersteigt den eines rein religiösen Monuments. Die Wandmalereien, Skulpturen und Schriftrollen in diesem isolierten Felsmassiv gestatten einen Einblick in jene multikulturelle Gesellschaft, die ein Jahrtausend lang an dieser einst wichtigsten Route vom Fernen Osten in den Westen florierte.

"Unvergleichliche Höhlen"

Die Chinesen nennen den Ort Mogaoku: "Unvergleichliche Höhlen". 492 der fast 800 in den Felsabhang gehauenen Räume sind mit kunstvollen Wandmalereien geschmückt. Sie bedecken eine Fläche von nahezu 46.000 Quadratmetern, etwa die 40-fache Fläche der Fresken der Sixtinischen Kapelle. Außerdem finden sich im Innern der Grotten mehr als 2000 Skulpturen. Einige gehören zu den kunstvollsten Exemplaren ihrer Zeit.

"Die Höhlen sind eine Zeitkapsel der Seidenstraße", sagt Fan Jinshi, die Direktorin der Akademie von Dunhuang. Das Institut überwacht die Erforschung, Konservierung und den Besucherstrom zur Kulturstätte. Die 71-jährige Archäologin ist seit 47 Jahren hier tätig.

Die meisten anderen antiken Stätten der Seidenstraße seien vom Wüstensand verschluckt oder von späteren Herrschern zerstört worden, sagt Fan. Die Mogao-Grotten hingegen hätten größtenteils bis heute überdauert.

Anstelle von Leinwand nutzten die Mönche als Malgrund den Schlamm des Flusses, vermischt mit Stroh: Auf solch schlichtem Material zeichneten sie im Laufe der Jahrhunderte auf, wie sich die chinesische Kunst entwickelte - und wie aus dem Buddhismus ein chinesischer Glaube wurde.

Ein schöpferischer Höhepunkt in Mogao lässt sich auf das 7. und 8. Jahrhundert datieren, als China ein mächtiges, aber auch ein weltoffenes Reich war. Der Handel auf der Seidenstraße florierte, der Buddhismus blühte auf. Die Höhlenkünstler der Tang-Zeit folgten einem selbstbewussten chinesischen Malstil und dekorierten ganze Wände mit buddhistischen Bildergeschichten. Die Farben, die Bewegungen und ihr Naturalismus erweckten die imaginierte Landschaft zu prachtvollem Leben. Später sollte sich das Reich der Mitte nach innen wenden und zur Zeit der Ming-Dynastie im 14. Jahrhundert von der Außenwelt abschotten.

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1. Mogao, nicht Magao
Wild Goose 26.06.2010
Der Name der Gotten lautet Mogao, nicht Magao! http://de.wikipedia.org/wiki/Mogao-Grotten
2. Verglichen mit Bagan in Myanmar ist das nicht viel
blob123y 26.06.2010
jedoch hintertreiben die Amis und Englaender dies alles aus politischen Gruenden, denen ist Kultur total egal wenns bloss ihren politischen Gedudel genehm ist. Bagan wurde auf Druck dieser Typen bis heute von der Unesco nicht als Weltkulturerbe anerkannt. Obwohl hinter den Aegyptischen Pyramiden nichts kommt ausser Bagan und dann die anderen. Jedoch die alten und die neuen Kolonialherren sagen nur dann ja wenn die Anderen den Kotau machen und das macht das Militaerregiem dort nicht, wenigstens ein Land auf dieser Welt die den Amis und Englaender einen Tritt ins Hinterteil gibt.
3. Naja...
Dumme Fragen 26.06.2010
Zitat von blob123yjedoch hintertreiben die Amis und Englaender dies alles aus politischen Gruenden, denen ist Kultur total egal wenns bloss ihren politischen Gedudel genehm ist. Bagan wurde auf Druck dieser Typen bis heute von der Unesco nicht als Weltkulturerbe anerkannt. Obwohl hinter den Aegyptischen Pyramiden nichts kommt ausser Bagan und dann die anderen. Jedoch die alten und die neuen Kolonialherren sagen nur dann ja wenn die Anderen den Kotau machen und das macht das Militaerregiem dort nicht, wenigstens ein Land auf dieser Welt die den Amis und Englaender einen Tritt ins Hinterteil gibt.
Als die Taliban die Buddha-Statuen in Afghanistan in die Luft gesprengt hatten, sind die Amis dort (mit einer Latenz von einigen Jahren) einmarschiert...
4. Nach Christus...
Pastor_David 27.06.2010
Warum nur kann sich der/die Artikelschreiber/in nicht neutral ausdrücken? Die Katholische Kirche mag "nach Christus" schreiben, aber mir war nicht bekannt, dass SPON ein Organ des "einzig wahren Glaubens" ist! Es gibt keinerlei Beweis für die Existenz eines "Jesus Christus" in Form eines Menschen oder menschgewordenen Gottes. Es gibt eine Menge Hinweise darauf, dass es sich um eine Personifizierung eines Pilzes handelt - sowie Buddha auch. Damit wäre es ziemlich unsinnig von "nach Christus" zu sprechen, denn der wächst ja jedes Jahr wieder im Herbst... Das ist aber ein zu komplexes Thema für das forum, sicher ist nur, dass es eine neutrale Ausdruckweise gibt: "Das Jahr X nach unserer Zeitrechnung" X n.u.Z und die sollte man nutzen, falls man kein Abgesannter des nach einem Fliegenpilz aussehenden Papstes ist. Viel Freude beim Sinnieren
5. Kulturerbe
schna´sel, 27.06.2010
Zitat von sysopSie bergen einen der größten Schätze buddhistischer Kunst: In den Magao-Grotten bei Dunhuang an der chinesischen Seidenstrasse leuchten Tausende Wandmalereien in hellen Farben. Über die Schöpfer rätseln die Forscher bis heute. Ein National-Geographic-Bericht über eine zauberhafte Unterwelt. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,700171,00.html
Ähnlich, wie im Westen der christliche Glaube zur Theologie der Staatskirchen verkopft und verkommen ist, haben auch die Chinesen ein Verhältnis zu dieser ihrer ererbten Kultur, das deren Bedeutung in keiner Weise gerecht wird. Sie erhalten es als museales Kulturgut, maximal um damit touristische Bedürfnisse zu befriedigen. Die wahre Bedeutung, die diese Kultur für ihre Welt gehabt hat und heute noch hat ist ihnen suspekt. Weil sie allen Prinzipen nach denen Macht ausgeübt wird zuwider läuft. Trotzdem ist sie das das Fundament auf dem sich die Hochkulturen, sowohl in Asien als auch in Europa entwickelt haben. Dieses Fundament scheint in China leider kaum mehr als Folklore zu sein. Auf eine ähnlich perverse Art, wie Weihnachten und Ostern hier zu etwas verkommen ist das sich nahtlos in andere Events gesellschaftlich ökonomischen Interesses, wie Fußball WM oder olympische Spiele einordnet. Das ist der eigentliche Verlust an Kultur, weil in diesem Wissen und in seiner praxisnahmen Anwendung innerhalb der Gesellschaft die Kraft gelegen hat aus der unsere Zivilisation in ihrer heutigen Form entstanden ist. Und nur dort liegt die Quelle der Kraft die nötig wäre um sie effktiv weiter zu verändern, ethisch zu entwicklen und der Dauerkrise, mit der wir uns täglich konfrontiert sehen konstruktiv zu begegnen.
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