Hannover - Er besteht aus nahezu reinem Gold und ist mit 24 hochkarätigen Rubinen verziert: Forscher haben den geheimnisvollen Brief aus Burma an den englischen König entschlüsselt. Seit 1756 lag das kostbare Schreiben des burmesischen Königs Alaungphaya an den englischen Herrscher Georg II. im Tresor der Leibniz-Bibliothek in Hannover. Niemand konnte die Schriftzeichen deuten. Nun ist klar: Der asiatische König wollte Handelsbeziehungen nach Europa knüpfen.
Der Brief ist in ein 55 mal 12 Zentimeter großes Goldblech eingraviert. Edelsteine zieren seine schmalen Seiten. Damit wollte Alaungphaya seine Wertschätzung für den hannoveranisch-englischen König ausdrücken, berichten Forscher um den Luxemburger Historiker Jacques Leider, die die Schrift drei Jahre lang erforscht haben.
Als Transportbehältnis für den geheimnisvollen Brief diente ein ausgehöhlter Elefantenstoßzahn, der ebenfalls erhalten ist. Indes: Georg II. konnte mit dem Schreiben offenbar wenig anfangen. Er schickte es in die Königliche Bibliothek nach Hannover. Das war möglicherweise ein Fehler. Denn dem burmesischen König sei es darum gegangen, Handelskooperationen aufzubauen, berichten die Wissenschaftler nun.
1768 begutachtete der dänische König Christian VII. den Brief bei einem Besuch und beschädigte ihn, als er ihn in den Stoßzahn zurückschob. "Das machte die Entzifferung doppelt schwer", berichtet Bibliotheksleiter Georg Ruppelt.
Nach Einschätzung der Experten handelt es sich bei dem Brief um ein in seiner Art einmaliges Stück der Kolonial- und Weltgeschichte. "Es ist eine Sensation, und sie passt hervorragend in unser Bemühen, zu zeigen, welche alten Schätze wir hier haben", sagt Bibliotheksleiter Ruppelt. "Nach unserem Stand ist der Goldene Brief ein Unikat."
Am 18. Januar soll der Kulturschatz in Beisein von Ministerpräsident David McAllister (CDU) präsentiert werden. Im nächsten Jahr wollen Wissenschaftler den Inhalt des Goldenen Briefs auf einer internationalen Fachtagung in Deutschland erörtern.
boj/dpa
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