Gehirn Schlafmangel beeinträchtigt die Entscheidungsfähigkeit

Wer unter Schlafmangel leidet, tut sich schwer, spontan aus dem Bauch heraus zu entscheiden. Dies haben Forscher bei Tests mit unausgeschlafenen Kadetten beobachtet. Das Gehirn Übernächtigter wechselt die Strategie beim Entscheidungsprozess, folgern die Wissenschaftler.

Schlaflosigkeit: die Leistungsfähigkeit des Gehirns nimmt ab
DDP

Schlaflosigkeit: die Leistungsfähigkeit des Gehirns nimmt ab


Austin - Wer im Berufsleben schnelle und spontane Entscheidungen treffen muss, sollte lieber ausgeschlafen sein, glauben Todd Maddoxx und seine Kollegen von der Texas University. Denn Schlafmangel, so berichten die Forscher in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins " Sleep", beeinträchtigt die Fähigkeit des Gehirns, sich schnell und aus dem Bauch heraus für etwas zu entscheiden.

Der Grund dafür sei ein Wechsel der Strategie, die das Gehirn für Entscheidungsprozesse verwende: Es greife nicht mehr zur optimalen, schnellen Variante, sondern verlasse sich auf eine langsamere Taktik. Doch die sei bei schnellen Entscheidungen deutlich fehleranfälliger. Unter Umständen könne es aber möglich sein, dieses Umschalten durch Training zu verhindern, schreiben die Forscher.

Schlafentzug für die Wissenschaft

49 Kadetten einer Militärakademie nahmen an den Experimenten der Forscher teil. Sie sollten ohne weitere Anweisungen oder Informationen Karten sortieren, die sich in Anzahl, Form und Farbe unterschieden. Ziel der Aufgabe war es, allein anhand des Feedbacks, also einem "Richtig" oder "Falsch", die Kriterien herauszufinden, nach denen die Karten geordnet werden sollten. Alle Probanden führten den Test zweimal innerhalb von 24 Stunden durch. 21 der Testteilnehmer durften zwischen den beiden Sitzungen nicht schlafen, den anderen 28 war es erlaubt, sich nach Belieben auszuschlafen.

Das Ergebnis: Die ausgeruhten Probanden verbesserten ihre Trefferquote in der zweiten Runde von 74 auf über 78 Prozent. Die Leistung der Schlafmangel-Gruppe ging dagegen im Schnitt um knapp 2,5 Prozent zurück. Interessanterweise ließen nicht alle müden Probanden gleich stark nach, berichten die Forscher: Besonders ausgeprägt war der Einbruch bei denjenigen, die die Aufgabe beim zweiten Test auf eine andere Art und Weise lösten als beim ersten. Während sie nämlich zuerst wie alle anderen viele Informationen gleichzeitig miteinander verrechnet und so recht schnell die Lösung gefunden hatten, versuchten sie in der zweiten Runde zu viel über das Problem nachzudenken und auf diese Weise eine Regel für die Ergebnisse zu finden.

Aus den Versuchen lasse sich zum einen schließen, dass Menschen, die sich ohnehin eher auf Regeln verlassen, durch Schlafmangel stärker beeinträchtigt werden als andere, so die Forscher. Zum anderen zeigen sie einen interessanten Einblick in die Arbeit des Gehirns: Um die schnelle Strategie anwenden zu können, unterdrückt es offenbar aktiv andere Herangehensweisen - und diese Blockade kann nicht mehr aufrecht erhalten werden, wenn Schlafmangel die vorhandenen Ressourcen aufzehrt.

Als nächstes muss nun untersucht werden, ob sich der Leistungsabfall durch das Umschalten der Strategien bewusst verhindern lässt, beispielsweise mit Hilfe eines gezielten Verhaltenstrainings etwa für Ärzte, Feuerwehrmänner oder Katastrophenhelfer. Erst vor kurzem hatten Wissenschaftler auch einen Zusammenhang zwischen dem Botenstoff Dopamin und der Entscheidungsfreudigkeit hergestellt.

cib/ddp

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