Autonarren: Hirn reagiert auf Fahrzeuge wie auf Gesichter

Schau mal, der schöne Oldtimer! Erblicken Autonarren ein Fahrzeug, reagiert ihr Gehirn, als ob es ein Gesicht erkennen würde, haben Forscher herausgefunden. Statt sich auf Details zu konzentrieren, nehmen Liebhaber das Auto als Ganzes wahr.

Hirnforschung: Autos erkennen wie ein Gesicht Fotos
dapd

Hamburg - Sobald ein außergewöhnliches Auto um die Ecke biegt, ist die Aufmerksamkeit mancher Fahrzeugliebhaber gebannt: Um was für einen Typ es sich wohl handelt? Und was für ein Baujahr? Dabei aktiviert das Gehirn der Autonarren offensichtlich eine Region, die auch für das Erkennen von Gesichtern zuständig ist, berichten amerikanische Forscher im Wissenschaftsblatt "PNAS".

Der betroffene Bereich des Gehirns, die sogenannte Fusiform Face Area (FFA), liegt im Schläfenlappen und spielt eine zentrale Rolle beim Erkennen von Gesichtern. Es sei allerdings umstritten, ob die Region auch beim Erblicken von Objekten tätig werde, schreiben die Forscher um Rankin McGugin von der Vanderbilt Universität in Nashville.

Für ihre Studie hatte das Team 25 Männern und Frauen Bilder von Gesichtern und anderen Objekten wie Autos, Flugzeugen und Tieren gezeigt. Die Versuchspersonen mussten zuvor selbst angeben, wie gut sie sich mit Autos auskennen und eine Aufgabe lösen, mit der die Forscher die Einschätzung überprüften.

Therapien entwickeln

Mit einem hochauflösenden Kernspintomographen konnten die Wissenschaftler anschließend beobachten, dass die Fusiform Face Area neben der Gesichtserkennung bei Autoexperten auch beim Betrachten der Autoaufnahmen aktiv wurde. Der Hirnbereich enthielt kleine Flecken, die beim Betrachten von Gesichtern und Autos gleichermaßen auftraten, so die Forscher. "Wir haben das Gebiet so detailgenau abgebildet, dass wir ausschließen können, dass es nur der Gesichtserkennung dient", sagte McGugin einer Mitteilung der Universität zufolge.

Nach Angaben der Forscher könnten ihre Erkenntnisse dabei helfen, Therapien für Menschen zu entwickeln, die Gesichter nur schwer wiedererkennen können. So fand das Team mit seinen Versuchen zum Beispiel heraus, dass Menschen sich normalerweise auf Teile eines Objekts konzentrieren, um es wiederzuerkennen. Sind sie jedoch Experten in einem Bereich, benutzen sie einen ganzheitlicheren Ansatz, der ihnen hilft, Dinge schneller und besser zu identifizieren.

irb/dpa

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insgesamt 10 Beiträge
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1. alte news
rsp1 04.10.2012
hab ich vor 15 jahren schon in der fahrschule gelernt, dass Kinder die meisten Autos als freundlich lächelnde Gesichter wahrnehmen und deshalb den "Respekt" davor erst lernen müssen...
2. Gesichter
dannliesdochmalwas 04.10.2012
Schon als Kind hatte ich immer den Eindruck, dass der Kofferaumdeckel-Abschluss (!) des Opel Rekord P1 (1960) mich freundlich anlächelte, während der hier in der Bildstrecke gezeigte Kapitän von vorn eher grimmig wirkte. Diese "Gesichtserkennung" hindert mich auch sehr zuverlässig daran, eins der z.Zt. verkauften Audi-Modelle mit dem schrecklichen Maul sympathisch zu finden (und alle, die das jetzt nachahmen).
3. Na sowas!
noalk 04.10.2012
Autos haben vorne und hinten "Gesichter". Das ist aber leider keine neue Erkenntnis. Fragen Sie mal die Autodesigner. Zu diesem Thema gibt's schon Diplomarbeiten und Dissertationen.
4. Böser Blick
horstmoik 04.10.2012
Deshalb habe auch die Tuner den "bösen Blick" erfunden: Reiner Kinderschutz! ;-)
5. Gesichtserkennung nicht Frauen-Fachgebiet?
neue_mitte 04.10.2012
Zitat von sysopGetty ImagesSchau mal, der schöne Oldtimer! Erblicken Autonarren ein Fahrzeug, reagiert ihr Gehirn, als ob es ein Gesicht erkennen würde, haben Forscher herausgefunden. Statt sich auf Details zu konzentrieren, nehmen Liebhaber das Auto als Ganzes wahr. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/gehirn-von-autoliebhabern-reagiert-auf-fahrzeuge-wie-auf-gesichter-a-859412.html
Das irritiert mich doch etwas. Ist die Wahrnehmung von Gesichtern nicht eine Spezialität von Frauen? Wieso haben sie dann erstens wenig Interesse an Autos und zweitens können die Typen kaum auseinanderhalten? Während Männer im Allgemeinen doch recht zielsicher alle draussen herumfahrenden Autos benennen können. Und wenn wenigstens nicht konkret, dann aber wenigsten einen Ford von einem Opel unterscheiden.
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Gehirn: Steuerzentrale des Körpers
Als Gehirn bezeichnet man den im Kopf gelegenen Abschnitt des Nervensystems, der die zentrale Steuerungszentrale des Körpers bildet. Bei höher entwickelten Tieren bildet das Gehirn zusammen mit dem Rückenmark das Zentralnervensystem. In ihm sind die Sinneszentren und übergeordnete Schaltzentren (Koordinations- und Assoziationszentren) zusammengefasst. Es ist für die Ausbildung komplizierter Handlungsabläufe, für die Fähigkeit des Gedächtnisses und für die Ausprägung von Denken, Gefühlen, Bewusstsein und Intelligenz verantwortlich.
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Das menschliche Gehirn und auch das Gehirn vieler Tiere ist in drei Hauptteile gegliedert: Vorderhirn, Mittelhirn und Rautenhirn. Schon bei niederen Wirbeltieren entstehen aus dem Vorderhirn (Prosencephalon) das der Nase zugeordnete Endhirn (Großhirn) und das den Augen zugeordnete Zwischenhirn. Das Mittelhirn (Mesencephalon) bleibt ungegliedert erhalten. Das Rautenhirn (Rhombencephalon) gliedert sich weiter auf in das Hinterhirn mit dem Kleinhirn und der Brücke sowie in das verlängerte Mark, das den Übergang zum Rückenmark bildet. Mit zunehmender Höherentwicklung vergrößern sich die Teile und differenzieren sich weiter.
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Speziell für das menschliche Gehirn ist die Größe und Komplexität des Großhirns. Die Faltung seiner Oberfläche bewirkt eine enorme Oberflächenvergrößerung, so dass es die übrigen Hirnteile überwölbt. Das Großhirn ist das Zentrum für unsere geistigen und seelischen Fähigkeiten und damit für die komplexesten Gehirnleistungen. Es besteht aus zwei Hälften (Hemisphären), die durch ein dickes Bündel Nervenfasern, den sogenannten Balken, miteinander verbunden sind.
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Die äußere Schicht des Großhirns wird als Großhirnrinde (Cortex cerebri, kurz Cortex) bezeichnet. Sie ist nur etwa zwei bis fünf Millimeter dick und enthält die erstaunliche Menge von 10 bis 14 Milliarden Nervenzellen. Wenn Gehirne in Formalin haltbar gemacht werden, sieht die Großhirnrinde grau aus. Sie wird deshalb auch als graue Substanz bezeichnet und umgangssprachlich spricht man oft von "grauen Zellen". Der übrige Teil des Großhirns besteht aus Nervenfasern, welche die Nervenzellen mit anderen Hirnteilen verbinden. Dieser Teil wird auch als weiße Substanz bezeichnet.