Gehirntraining: Ego-Shooter fördern blitzschnelle Entscheidungen

Die Spiele mögen manchen verstören, doch Ego-Shooter fördern die Leistung des Gehirns. Die Spieler verarbeiten Sinneseindrücke besonders rasch und können dann blitzschnelle Entscheidungen treffen. Bei Strategie- und Rollenspielen bleibt der Effekt aus, weil sie viel vorhersehbarer sind.

Versuchsperson: Ego-Shooter-Spieler reagieren extrem schnell Zur Großansicht
dapd / University of Rochester / J. Adam Fenster

Versuchsperson: Ego-Shooter-Spieler reagieren extrem schnell

Selbst wenn man nicht auf Ego-Shooter steht - ein mehrwöchiges Trainingslager vor dem Computer könnte auch im Alltag helfen, schnellere Entscheidungen zu treffen. US-Forscher um Daphne Bavelier von der University of Rochester haben jetzt herausgefunden: Spieler von Ego-Shootern und anderen Actionspielen können verschiedene Sinneseindrücke besonders rasch verarbeiten. Basierend darauf können die Spieler dann, so berichten die Forscher im Fachmagazin "Current Biology", blitzschnelle Entscheidungen treffen. Und zwar ohne dass dabei die Geschwindigkeit zulasten der Genauigkeit geht.

Für ihre Versuche ließen die Wissenschaftler mehrere Dutzend Teilnehmer im Alter von 18 bis 25 Jahren antreten, die sich bisher nach eigenen Angaben nicht für Computerspiele interessiert hatten. Die Forscher teilten diese in zwei Gruppen ein. Alle Probanden spielten in den nächsten Wochen insgesamt 50 Stunden verschiedene Computerspiele, die eine Gruppe sogenannte Shooter, die andere Strategie- oder Rollenspiele.

Anschließend ließen die Forscher alle Teilnehmer verschiedene Tests absolvieren: Am Bildschirm oder über Kopfhörer erhielten sie bestimmte Informationen und mussten daraufhin Entscheidungen treffen. Beispielsweise sollten sie entscheiden, ob ein Tonsignal im linken oder im rechten Ohr erklang, oder ob sich ziellos umherwandernde Punkte auf einem Computerbildschirm tendenziell eher nach rechts oder nach links bewegten. Bewertet wurden anschließend sowohl die Anzahl richtiger Antworten als auch die Zeit, die für die Entscheidungsfindung benötigt worden war.

Dauerberechnungen im Kopf

Das Ergebnis war eindeutig: Die Actionspieler hatten genauso viele richtige Antworten wie ihre Strategie- und Rollenspielerkollegen - aber sie waren rund um ein Viertel schneller. Überraschenderweise seien die Verbesserungen durch die Actionspiele selbst bei jenen zu beobachten gewesen, die Actionspiele überhaupt nicht mochten, berichten die Forscher.

Ihre verbesserten Fähigkeiten könnten den Spielern auch im Alltag helfen, erklärt Bavelier: "Das Gehirn berechnet ständig Wahrscheinlichkeiten. Nimmt man beispielsweise beim Autofahren eine Bewegung auf der rechten Seite wahr, schätzt das Hirn ab, ob man auf Kollisionskurs ist und trifft dann die Entscheidung 'bremsen' oder 'nicht bremsen'."

Nach Einschätzung der Wissenschaftler trainieren die Actionspiele somit Basisfähigkeiten, während die meisten herkömmlichen Lernprogramme lediglich einem bestimmten Muster folgen würden. "Dabei misslingt häufig der Transfer des Gelernten" Dies sei der Grund, warum die Hälfte der Klasse durchfalle, wenn ein Test auch nur geringfügig vom Übungstest abweiche.

Eine Einschränkung gibt es allerdings: Der Trainingseffekt tritt ausschließlich bei Actionspielen auf. Wer stundenlang Strategie- oder Rollenspiele zockt, verbessert seine Fähigkeiten nicht. Der Grund: Ego-Shooter, bei denen der Spieler ein Gelände erkunden und auf überraschend auftauchende Feinde reagieren muss, seien unvorhersehbar, meinen die Forscher. Daher müsse der Spieler hier alle seine Sinne schärfen.

cib/dapd

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 61 Beiträge
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1. Toll...
fatherted98 14.09.2010
Zitat von sysopDie Spiele mögen manchen verstören, doch Ego-Shooter fördern die Leistung des Gehirns. Die Spieler verarbeiten Sinneseindrücke besonders rasch und können dann blitzschnelle Entscheidungen treffen. Bei Strategie- und Rollenspielen bleibt der Effekt aus, weil sie viel vorhersehbarer sind. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,717274,00.html
Toll...also die Jungs die monatelang vor dem PC hocken und dort Aliens oder sonst was killen, können also schneller aufs Knöpfchen drücken als andere die draussen Fussball spielen und sich auch mal ein Buch zu Hand nimmt...ist ja Wahnsinn...hoffentlich finden die dann auch einen Job mit 2-3 Knöpfchen auf die sie drücken können um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
2. Stille Post
Th1drek 14.09.2010
Zitat von sysopDie Spiele mögen manchen verstören, doch Ego-Shooter fördern die Leistung des Gehirns. Die Spieler verarbeiten Sinneseindrücke besonders rasch und können dann blitzschnelle Entscheidungen treffen. Bei Strategie- und Rollenspielen bleibt der Effekt aus, weil sie viel vorhersehbarer sind. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,717274,00.html
Das ist mal wieder der typische Stille-Post-Effekt der Presse verbunden mit thematischer Unkenntnis. Die zweite Versuchsgruppe hat eben nicht "Strategie- oder Rollenspiele" gespielt, sondern ganz konkret das eher gemächliche Simulationsspiel "Die Sims 2". Ich behaupte einfach mal, dass viele (Echtzeit-)Strategiespiele und auch Rollenspiele, vorallem aber erstere, dem Stressfaktor, dem die Spieler ausgesetzt sind, bei Shootern in nichts nachstehen.
3. Was...
pseudokater 14.09.2010
... ist daran jetzt neu? Jeder der sich auch nur Ansatzweise mit Shootern beschäftigt hat kennt das. Strategie verbessert die Logik, Shooter die Reaktion. Dafür braucht man nicht mal eine wissenschaftliche Untersuchung, das ist gesunder Menschenverstand.
4. ^^^^^^^
Gibsonman 14.09.2010
Zitat von sysopDie Spiele mögen manchen verstören, doch Ego-Shooter fördern die Leistung des Gehirns. Die Spieler verarbeiten Sinneseindrücke besonders rasch und können dann blitzschnelle Entscheidungen treffen. Bei Strategie- und Rollenspielen bleibt der Effekt aus, weil sie viel vorhersehbarer sind. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,717274,00.html
Dann wird es also Zeit, dass diese nette Freizeitbeschäftigung endlich als Fortbildung durchgeht ;) Wer weiß, vielleicht könnten Chirurgen dadurch CME-Puntkte bekommen .... Aber Spaß beiseite: den Effekt glaube ich gerne, Reaktion ist in solchen Spielen halt alles und solange das Zocken nicht Überhand nimmt ist das sicher ein nettes Training. Man sollte halt nur nicht die Reaktionen aus GTA im Straßenverkehr anwenden :)
5. ^^^^^^^
Gibsonman 14.09.2010
Zitat von fatherted98Toll...also die Jungs die monatelang vor dem PC hocken und dort Aliens oder sonst was killen, können also schneller aufs Knöpfchen drücken als andere die draussen Fussball spielen und sich auch mal ein Buch zu Hand nimmt...ist ja Wahnsinn...hoffentlich finden die dann auch einen Job mit 2-3 Knöpfchen auf die sie drücken können um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
Setzen sechs ... Darum ging es doch gar nicht. Es war lediglich ein Vergleich zwischen verschiedenen Genres, ein Vergleich Sport - Egoshooter fand nicht statt. Weiterhin wurde als Beispiel der Straßenverkeht genannt und nicht "ein Job mit 2-3 Knöpfchen drücken". Also, erst lesen, dann denken, dann posten ... bitte für den nächsten Post bedenken, danke!
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