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Genanalyse: Neandertaler lebten sogar in Sibirien

Die Neandertaler sind offenbar viel weiter Richtung Osten vorgedrungen als bisher angenommen: Die Verwandten des frühen Menschen lebten auch in Sibirien, wie aus einer Studie Leipziger Max-Planck-Forscher hervorgeht.

Bisher galt Teshik-Tash in Usbekistan als der östlichste Fundort von Neandertalerknochen. Dort waren in den dreißiger Jahren die Überreste eines etwa neunjährigen Neandertalerjungen entdeckt worden. Doch die nahen Verwandten des frühen Menschen, die vor etwa 28.000 Jahren ausgestorben sind, haben sich noch ein ganzes Stück weiter nach Osten vorgewagt. Das schließen Svante Pääbo und seine Kollegen vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig aus Analysen fossiler Knochen aus Okladnikov in Südsibirien.

Homo neanderthalensis (Nachbildung aus Neanderthal Museum Mettmann): Sibirien erobert
DDP

Homo neanderthalensis (Nachbildung aus Neanderthal Museum Mettmann): Sibirien erobert

Die neuen Erkenntnisse über den Lebensraum der Neandertaler entstammen keinen neuen Knochenfunden, sondern sind das Resultat neuer Untersuchungsmethoden. Pääbo und seine Kollegen hatten DNA-Proben von Knochen aus den Altai-Bergen im Süden Sibiriens mit DNA-Proben aus Europa und aus Usbekistan verglichen. Dafür entnahmen sie nur winzige Stücke (rund 0,2 Gramm schwer) aus den kostbaren Fossilien, um sie nicht zu beschädigen.

Sie untersuchten die sogenannte mitochondriale DNA - Erbinformationen aus jenen Zellteilen, die für die Energieversorgung zuständig sind. Diese Zellbestandteile besitzen eigene Erbgutmoleküle und werden nur von der Mutter auf ihre Kinder weitervererbt. Damit eignen sie sich besonders gut, um den Grad der Verwandtschaft zwischen verschiedenen Menschen zu bestimmen.

Zwar fanden die Wissenschaftler sowohl in den Knochen aus Usbekistan als auch in denen aus Sibirien DNA-Anteile moderner Menschen. Das sei aber bei fast allen fossilen Knochen der Fall, erklären die Forscher. Entscheidend sei, dass einige Bereiche der Proben eindeutig mit dem Erbgut der Neandertaler aus Europa übereinstimmten.

Die Mitochondrien-DNA der sibirischen und europäischen Neandertaler war dabei so ähnlich, dass sie noch nicht lange räumlich getrennt gelebt haben können, schreiben die Wissenschaftler im Magazin "Nature" (Online-Vorabveröffentlichung). Allerdings war der Junge aus Teshik-Tash wohl noch näher verwandt mit den europäischen Neandertalern als die Frühmenschen aus Sibirien.

Mit seinen Erkenntnissen bestätigt Pääbo die Theorie, dass die Neandertaler in einer Wärmeperiode vor rund 125.000 Jahren die russische Ebene besiedelten. Ob die Neandertaler noch weiter nach Osten vordrangen, möglicherweise bis in die Mongolei oder nach China, müsse nun durch weitere Untersuchungen fossiler Knochen herausgefunden werden.

hda/ddp/AFP

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