Genfer Erfindermesse Kopfschutz schießt aus dem Rucksack

Ein schwäbischer Rentner hat einen revolutionären Helm entwickelt, der Freizeitsportler ebenso schützen kann wie Epileptiker. Nun sucht er nach einem Partner, um seine Entwicklung zu vermarkten. Bislang vergeblich.

Von , Genf


SPIEGEL-ONLINE-Autor Christoph Seidler mit Falthelm: Kopfschutz aus dem Sack
Christoph Seidler

SPIEGEL-ONLINE-Autor Christoph Seidler mit Falthelm: Kopfschutz aus dem Sack

Früher war Eugen Fleisch Entwickler bei Mercedes und hat sich mit dem Design von Überrollbügeln beschäftigt. Jetzt ist er Rentner. Und auch jetzt beschäftigt er sich mit Überrollbügeln - in gewisser Weise jedenfalls. Der grauhaarige Pensionär aus Rottenburg am Neckar hat einen revolutionären und inzwischen patentierten Schutzhelm entwickelt, der das Prinzip des Überrollbügels am Menschen anwendet.

Die Entwicklung, die Fleisch am Wochenende auf der Genfer Erfindermesse vorstellte, ist ein kompliziertes Stück Technik. Im Grunde ist der Helm gar kein Helm, sondern ein Rucksack, in dessen Innern der in fünf Jahren Arbeit entwickelte Kopfschutz steckt. Er ist gefaltet und kommt nur bei Gefahr zum Vorschein.

"Es geht um passive Sicherheit", erklärt der schwäbische Erfinder im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Wenn die Sensoren im Rucksack eine abrupte Lageänderung registrieren, wird der Mechanismus ausgelöst". Dann schießt in Sekundenbruchteilen eine Konstruktion aus gepolsterten Alustäben aus dem Rucksack, die den Kopf bei einem Fall abschirmt - Kinnschutz inklusive. Ein Gurtstraffer sorgt dafür, dass der Helm-Rucksack in brenzligen Situationen nicht vom Rücken rutscht. Die Energie für Sensoren und Gurtstraffer liefert eine kleine 9-Volt-Batterie, die - auch daran hat Fleisch gedacht - rechtzeitig meldet, dass sie ausgetauscht werden muss.

Fotostrecke

8  Bilder
Genfer Erfindermesse: Die Geistesblitze der Tüftler

Gedacht sei sein Helm zum Beispiel für Sportler, sagt Fleisch: Reiter, Radfahrer, Inlineskater und Skifahrer könnten sich damit schützen. Der Vorteil: Im Gegensatz zu normalen Helmen verspricht die neue Erfindung einen Schutz des ganzen Kopfes, also auch von Kiefer und Zähnen; außerdem ist das Risiko von Halswirbelsäulenverletzungen deutlich geringer, weil auch dieser Bereich bei einem Sturz abgeschirmt wird.

Praktisch ist der Kopfschutz vor allem für die, die eigentlich keinen Helm tragen wollen, auf eine gewisse Sicherheit aber dennoch nicht verzichten wollen. Neben eitlen Skatern oder Radlern könnten das auch Epilepsie-Patienten sein, die einen diskreten, aber wirksamen Kopfschutz suchen. Denn neben dem Helm lässt sich im Rucksack auch noch einiges an Nutzlast unterbringen.

Mit seinem Falt-Helm hat es Fleisch schon zu bescheidener Popularität gebracht. Mehrere Zeitungen haben sein Foto gedruckt, auch das Fernsehen war schon auf seinem Stand auf der Erfindermesse. Doch Partner für die Entwicklung sucht der Tüftler bislang vergeblich - und das, obwohl er nach eigenen Angaben ein TÜV-Zertifikat in Aussicht hat. "Ein Patent ist viel leichter zu finden als zu vermarkten", sagt Fleisch und klingt dabei etwas zerknirscht.

Vielleicht kann der Tüftler potentielle Investoren mit einem weiteren Vorteil seiner Konstruktion überzeugen. Denn der Falthelm ist - im Gegensatz zu Airbags im Auto - beliebig oft wieder verwendbar. Einmal ausgelöst, lässt sich der Kopfschutz im Handumdrehen wieder im Rucksack verstauen, wo er (hoffentlich lange) auf seinen nächsten Einsatz wartet.



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.