Umfrage in USA Forscher denken anders als Bürger

Eine Studie in den USA zeigt, wie unterschiedlich Experten und Bürger Gefahren und Nutzen von Wissenschaft einschätzen. Besonders groß sind die Differenzen bei den Themen Gentechnik, Tierversuche und Pestizide.

Demonstration in Washington (2010): Forscher und Bürger streiten über Klimawandel, Gentechnik und Evolution
DPA

Demonstration in Washington (2010): Forscher und Bürger streiten über Klimawandel, Gentechnik und Evolution


Im Schnitt acht von zehn Menschen sind der Auffassung, dass wissenschaftliche Errungenschaften unser Leben verbessert haben. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage des Pew Research Center in Washington unter 2000 US-Bürgern und 3700 Mitgliedern der American Association for the Advancement of Science (AAAS), der weltweit größten Wissenschaftlerorganisation.

Laut Umfrage sehen viele Menschen den Einfluss der Wissenschaft auf Gesundheit, Nahrungsmittelqualität und Umwelt positiv. Im Schnitt sieben von zehn gaben an, dass sich staatliche Investitionen in die Entwicklung neuer Technologien aus ihrer Sicht in der Regel langfristig auszahlen. Bei gezielten Nachfragen zeigte sich jedoch, wie unterschiedlich Risiko und Nutzen der Forschung dann doch eingeschätzt werden.

Große Meinungsunterschiede bei Gentechnik und Klimawandel

Beim Thema Gentechnik geht die Meinung zwischen Forschern und Öffentlichkeit am deutlichsten auseinander. Die Frage, ob es sicher sei, gentechnisch veränderte Lebensmittel zu essen, beantworteten im Schnitt 88 Prozent der Forscher mit Ja, in der Allgemeinbevölkerung waren es nur 37 Prozent der Befragten - eine Differenz von 51 Prozentpunkten.

Auch beim Klimawandel sind sich amerikanische Bevölkerung und Wissenschaftler uneins. Im Schnitt halten ihn 87 Prozent der Forscher für maßgeblich vom Menschen verursacht. Glaubt man der Umfrage, sieht das nur die Hälfte der Bevölkerung so - eine Diskrepanz von 37 Prozentpunkten.

Ebenfalls oben auf der Rangliste der umstrittensten Themen stehen Tierversuche, der Einsatz von Pestiziden und die Evolution. Konkret wollten die Meinungsforscher wissen, ob die Befragten den Einsatz von Tieren für Forschungszwecke befürworten, sie mit Pestiziden behandelte Lebensmittel für sicher halten und, ob sich der Mensch mit der Zeit evolutionär weiterentwickelt hat. Es fällt auf, dass die Forscher bei den Themen Hochsee-Bohrungen und Fracking offenbar skeptischer sind, als die Allgemeinbevölkerung.

"Die Meinungslücke darf nicht zu einer unüberwindbaren Kluft heranwachsen", warnt Alan Leshner, Geschäftsführer der AAAS im hauseigenen Fachmagazin "Science". Es gebe zahlreiche Möglichkeiten, die aktuelle Situation zu verbessern. So müssten Forscher ihre Erkenntnisse beispielsweise verständlich gegenüber Journalisten kommunizieren.

Eine weitere Maßnahme könnte sein, die Ausbildung in den USA zu verbessern. Hier sind sich Wissenschaftler und Öffentlichkeit nämlich einig: Nur 16 Prozent der AAAS-Forscher und 29 Prozent der Bevölkerung halten die Schulbildung in den Bereichen Wissenschaft, Technologie, Ingenieurwesen und Mathe für überdurchschnittlich oder besser. Drei Viertel der Forscher sind laut Umfrage der Meinung, dass mangelnde Bildung einer der Hauptgründe für das begrenzte Wissen der Bevölkerung ist.

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels waren die Balken bei den Fragen "Hochsee-Bohrungen sinnvoll", "Astronauten nötig" und "Fracking sinnvoll" vertauscht. Wir haben das korrigiert und bitten, den Fehler zu entschuldigen.

jme



© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.