Genfood wider Willen US-Getreide mit manipulierter DNS durchsetzt

Bis zu zwei Drittel der amerikanischen Mais-, Raps- und Soja-Samen sind mit genmanipuliertem Saatgut verseucht. Amerikanische Wissenschaftler warnen vor unkalkulierbaren Risiken für Menschen.


Gen-Mais: "Pharmaka-Kornflakes zum Frühstück"
DPA

Gen-Mais: "Pharmaka-Kornflakes zum Frühstück"

Die Vermischung traditioneller Samen mit solchen aus dem Genlabor wird von der amerikanischen Biotechnologiebranche gern heruntergespielt: Keine Gefahr, heißt es immer wieder. Eine neue Studie aus den USA kommt zu völlig anderen Ergebnissen. Demnach enthalten die Hälfte der Mais- und Soja-Samen sowie über 80 Prozent der untersuchten Raps-Samen Gene aus manipulierten Pflanzen. Dabei handelt es sich in jedem Fall um eine ungewollte Kontaminierung. Die Zahlen seien nur eine "konservative Schätzung", betonen die Forscher von der regierungskritischen "Union of Concerned Scientists". Sie hatten die Saatgutproben an zwei unabhängige Labore geschickt.

Bislang war man davon ausgegangen, dass höchstens ein Prozent des konventionellen Saatguts durch genetisch veränderte Samen verunreinigt ist. "Die Kontaminierung ist systembedingt", schreiben die Forscher in ihrer Studie. "Wer achtlos die Verunreinigung traditioneller Pflanzenarten mit manipulierten Gensequenzen erlaubt, geht ein großes Wagnis ein."

Besonders sorgenvoll blicken die Wissenschaftler auf genetisch veränderte Pflanzen, die so manipuliert wurden, dass sie Chemikalien oder Medikamente produzieren. "Wenn diese Gene den Weg in gewöhnliches Getreide finden, dann haben wir möglicherweise eines Tages Pharmaka-Kornflakes auf dem Frühstückstisch", sagte die Mikrobiologin Margaret Mellon.

Derzeit testen Pharmakonzerne unter anderem Pflanzen, die wundstillende Substanzen enthalten, die beispielsweise bei Leberzirrhose eingesetzt werden könnten. Auch Antikörper und Impfstoffe gegen Tollwut, Krebs, Cholera und Maul- und Klauenseuche wurden bereits von entsprechend manipulierten Pflanzen erzeugt. Die herkömmliche Produktion von Arzneimitteln wird streng überwacht, um ein Eindringen in Umwelt und Nahrungskette zu verhindern. Für genmanipulierte Pharmapflanzen existieren derartige Kontrollen in den USA bisher nicht.

Greenpeace-Protest: "Die Kontaminierung ist systembedingt"
DPA

Greenpeace-Protest: "Die Kontaminierung ist systembedingt"

"Samen-Kontamination ist die Hintertür zur Nahrungskette", erklärte Mellon. Die Tatsache, dass Saatgut bereits durch Pharmagene verunreinigt sein könnte, sei alarmierend. Bisher gingen die Wissenschaftler davon aus, dass der Gen-Austausch vor allem über Pollen auf dem Feld stattfindet. Die Autoren der Studie vermuten jedoch, dass die Ursache der Vermischung eher Pannen bei Produktion und Transport sind. Normalerweise muss genetisch verändertes Saatgut strikt getrennt von konventionellem verarbeitet und gelagert werden.



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