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Herkunft der Europäer: Wir sind alle ein bisschen Amerika

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Oktoberfestbesucher (2012): Europäer stammen von drei Populationen ab

Die Europäer sind ein buntes Völkchen. Im Erbgut tragen sie Spuren von mindestens zwei großen Ahnen-Populationen. Nun haben Forscher noch einen dritten Ast im Stammbaum entdeckt - eine Verbindung nach Amerika.

Gestatten: unser neuer Vorfahr. Zu Beginn der Jungsteinzeit lebte er im Norden Eurasiens. Ein kleiner Anteil seiner Gene steckt heute in fast jedem Europäer, egal ob Schwede, Spanier, Engländer oder Ungar. Und diese Gene verbinden uns sogar mit den Ureinwohnern Amerikas.

Die Entdeckung unseres nordeurasischen Ahnen verdanken wir einem internationalen Forscherteam von der Universität Tübingen und der Harvard Medical School. Die Forscher hatten das Erbgut von Ur-Europäern mit dem heute lebender Menschen verglichen.

Die meisten der heutigen Europäer stammen demnach von mindestens drei verschiedenen Populationen ab: von Jägern und Sammlern, den ersten Bauern auf dem Kontinent und von einer Population aus dem Norden Eurasiens. Über die Ergebnisse des Genvergleichs berichten die Forscher im Fachblatt "Nature".

Bisher kannten Wissenschaftler nur zwei dieser Stammbaum-Äste. Der erste sind die ursprünglichen Jäger und Sammler Westeuropas. Den Zweiten bilden die frühen Bauern aus dem Nahen Osten, die vor etwa 7.500 Jahren nach Europa einwanderten. Nun kommt mit den Nordeurasiern ein dritter dazu, der sich zudem als genetischer Link zu den Ureinwohnern Amerikas entpuppt.

"Große Überraschung"

Grundlage der Studie bildete das Erbgut von neun Ur-Europäern. Die Knochen stammten von einer etwa 7000 Jahre alten Bäuerin, deren Überreste in Deutschland gefunden worden waren sowie von acht etwa 8000 Jahre alten Jägern und Sammlern aus Luxemburg und Schweden. Dann verglichen die Forscher diese Gendaten mit jenen von 2345 Menschen aus der ganzen Welt.

"Die Mischung aus drei Ahnenpopulationen war eine große Überraschung", sagt David Reich von der Harvard Medical School in einer Pressemitteilung. "Wir hatten bereits früher eine alte genetische Verbindung zwischen heutigen Europäern und ursprünglichen Amerikanern gefunden", ergänzt Nick Patterson vom Broad Institute in Boston. "Diese Komponente war aber erstaunlicherweise weder beim Jäger aus Luxemburg noch bei den ersten europäischen Bauern zu finden."

Die dritte Gruppe habe Mitteleuropa erst nach den frühen Bauern erreicht, erklärt Johannes Krause von der Universität Tübingen. "Wir sind noch nicht sicher, wann die nordeurasischen Gene nach Zentral-Europa kamen. Auf alle Fälle aber nach den ersten Bauern."

Wie eng Europäer miteinander verwandt sind, hatte sich auch schon in früheren Studien gezeigt. Eine Analyse des Erbguts von mehr als 2000 Menschen im Jahr 2013 ergab, dass fast jeder Bewohner des Kontinents mit fast jedem anderen viele Vorfahren teilt, wenn man nur tausend Jahre zurückgeht.

Nun wissen wir: Die allermeisten von uns haben Ahnen aus allen drei großen Abstammungsgruppen - Nordeuropäer allerdings mehr Jäger und Sammler, Südeuropäer mehr Bauern. Aller Wahrscheinlichkeit nach stammen von den Jägern und Sammlern die blauen Augen und dunkleren Hauttöne, von den Bauern hingegen die braunen Augen und die hellere Haut.

Erbgut der Nordeurasiern tragen wir zwar im Verhältnis nur wenig in uns - es macht kaum mehr als zwanzig Prozent des Genoms aus. Dafür aber haben die Gene dieser Population sich flächendeckend über ganz Europa bis in den Kaukasus und den Nahen Osten hinein ausgebreitet.

Die Untersuchung des Erbguts erlaubt noch weitere Einblicke in das Leben unserer Vorfahren: So fanden die Forscher sowohl bei Jägern und Sammlern als auch bei den ersten Bauern eine hohe Anzahl des Amylase-Gens. Das weist darauf hin, dass sich die Menschen vermutlich bereits an eine stärkereiche Ernährung angepasst hatten.

mit Material von dpa

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insgesamt 20 Beiträge
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1. Vollkommen irreführender Titel
boingdil 18.09.2014
Aussage ist ja, dass wir Gene von gemeinsamen Vorfahren mit den amerikanischen Ureinwohnern haben. Das macht uns ggf. etwas asiatischer (denn nordeurasisch ist ein Euphemismus für sibirisch), aber nicht amerikanisch. Denn wir haben keine Gene aus Amerika bekommen - bzw. nur in homöopathischen Dosen in der Neuzeit. Ein gemeinsamer Vorfahr ist etwas anderes als voneinander abstammen. Setzten, sechs.
2.
Antidarwinist 18.09.2014
---Zitat--- Aller Wahrscheinlichkeit nach stammen von den Jägern und Sammlern die blauen Augen und dunkleren Hauttöne, von den Bauern hingegen die braunen Augen und die hellere Haut. ---Zitatende--- Wie soll das denn gehen?
3. Mein Gott
zappotin 18.09.2014
was wird denn noch alles geschrieben und versucht um uns den Ami (wieder) schmackhaft zu machen...
4.
,,o..o,, 18.09.2014
Haben dann nicht die Ureinwohner Amerikas, deren direktere Nachkommen heute fast ausgerottet nur noch in Reservaten leben, Europa entdeckt?
5.
Tiananmen 18.09.2014
Zitat von boingdilAussage ist ja, dass wir Gene von gemeinsamen Vorfahren mit den amerikanischen Ureinwohnern haben. Das macht uns ggf. etwas asiatischer (denn nordeurasisch ist ein Euphemismus für sibirisch), aber nicht amerikanisch. Denn wir haben keine Gene aus Amerika bekommen - bzw. nur in homöopathischen Dosen in der Neuzeit. Ein gemeinsamer Vorfahr ist etwas anderes als voneinander abstammen. Setzten, sechs.
Das ist typisch für Beiträge von Frau Franz. Sie bringt gern Kausalitätsketten durcheinander. Spätestens seit der Entdeckung von Denisova konnte vermutet werden, dass auch dieser neue östliche Zweig der Menschheit Rückstände in unserem Genom hinterlassen hat. Eine Rückwanderung von Ostasiaten, die jemals in Amerika ansässig waren, kann man wohl ausschließen. Wie heißt es in dem alten Rückwandererlied: "Sie konnten zusammen nicht kommen, das Wasser war viel zu tief..." ;- )
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Forscher erschaffen künstliche DNA-Alternativen

Das Erbgut
Genom
Das Genom bezeichnet das gesamte Erbgut eines Organismus. Außer bei einigen Viren besteht es immer aus DNA (Desoxyribonukleinsäure). Das Genom beinhaltet den Bauplan für die Produktion sämtlicher Proteine (Eiweißmoleküle), die ein Organismus zum Leben benötigt. Ein Gen ist ein Sequenzabschnitt auf dem Genom und beinhaltet die Erbinformation für ein Protein. Die einzelnen Bausteine der DNA sind vier verschiedene Basen: A, C, T und G.
Messenger-RNA (mRNA)
Die mRNA ist eine Art Genabschrift oder Blaupause der DNA. Nur die mRNA kann von den Proteinfabriken der Zellen, den sogenannten Ribosomen gelesen werden. Sie gibt ihnen vor, in welcher Reihenfolge Aminosäuren - die Bausteine von Proteinen - für das jeweilige Protein zu verknüpfen sind.
Codon
Ein Codon ist eine Folge von drei Bausteinen (Nukleotiden oder Basen) der DNA und analog auch der mRNA. Ein Codon steht für eine bestimmte Aminosäure oder als Stoppsignal, welches das Ende einer Bauanweisung für ein Protein kennzeichnet.
Genetischer Code
Der genetische Code ist die Zuordnung der Basen-Dreiergruppen und der Aminosäuren. Da vier verschiedene Basen zur Auswahl stehen, umfasst der genetische Code insgesamt 64 Codons. Für die meisten Aminosäuren gibt es daher mehr als ein Codon. So stehen beispielsweise die Codons CAG und CAA für die gleiche Aminosäure, die Glutaminsäure.
Transfer-RNA (tRNA)
Die tRNAs übernehmen eine Adapterfunktion beim Bau der Proteine: Jede tRNA hat auf der einen Seite jeweils ein sogenanntes Anticodon, das passend zum Codon auf der mRNA ist. Auf der anderen Seite ist sie mit der zugehörigen Aminosäure beladen. Auf diese Weise wird der genetische Code auf der mRNA abgelesen und in die entsprechende Aminosäurekette zum Protein verwandelt. Dieser Prozess geschieht in den Ribosomen.
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Erbgut: 20 Gene, die Gesichtszüge zu beschreiben

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