Genforschung Was uns alt aussehen lässt

Nicht jedem steht das Alter klar ins Gesicht geschrieben. Manche wirken viel jünger, als sie sind, andere dagegen älter. Wissenschaftler haben nun ein erstes Gen identifiziert, das dabei ein Rolle spielt.

Hautalterung: Welche Gene sind daran beteiligt?
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Hautalterung: Welche Gene sind daran beteiligt?

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Die Zahl der Tipps, mit denen man sich ein jugendliches Aussehen bewahren soll, ist groß: Thunfisch, Brokkoli und andere "Superstars der Anti-Aging-Küche" essen (frauenzimmer.de), Parfums mit Grapefruit-Duft auftragen (brigitte.de), täglich ein paar Minuten Gesichtsgymnastik (myself.de) und vieles mehr wird dort empfohlen. Dazu kommt ein großer Markt von Cremes und weiteren Pflegeprodukten sowie Nahrungsergänzungsmitteln, die mit Anti-Aging-Effekten werben.

Doch nicht nur der Lebenswandel bestimmt, ob Menschen jünger oder älter aussehen, als sie es tatsächlich sind - wobei es ohnehin mehr als fraglich ist, dass Brokkoli, Grapefruit und Grimassenschneiden wirklich einen sichtbaren Effekt entfalten.

Auch die Veranlagung beeinflusst, wer länger jung aussieht und wer früh altert. Nur: Wie viele Gene sind daran beteiligt - und welche? Und wie steuern sie dem Altern entgegen oder wie fördern sie es?

Ein Forscherteam um Manfred Kayser von der Erasmus University Rotterdam hat in einem ersten Schritt nach DNA-Abschnitten gesucht, die mit dem wahrgenommenen Alter in Zusammenhang stehen. Zu diesem Zweck beurteilten sie bei knapp 2700 älteren Niederländern, ob diese im Gesicht älter oder jünger aussahen als sie tatsächlich waren. Anschließend suchten sie in ihrem Erbgut nach Gen-Varianten, die häufiger bei den jünger beziehungsweise den älter Wirkenden auftauchten.

Menschen wirkten etwa zwei Jahre älter

Im Fachblatt "Current Biology" berichten sie, dass sie beim Gen MC1R fündig wurden. Je nach vorhandener Genvariante wirkten die Menschen im Schnitt bis zu zwei Jahre älter. Diese bestätigte sich in zwei weiteren Studiengruppen, die die Forscher anschließend untersuchten: knapp 600 Teilnehmer der niederländischen "Leiden Longevity Study" sowie mehr als 1100 Teilnehmer der "Twins UK Study".

Bekannt ist, dass MC1R sowohl mit Haar- und Hautfarbe als auch mit der Pigmentierung der Haut in Verbindung steht. Ebenso scheint es bei den ständig in Zellen ablaufenden Erbgutreparaturprozessen eine Rolle zu spielen.

Wer hat's bezahlt?
    Die Studie wurde vom Erasmus University Medical Center Rotterdam, der Netherlands Organization of Scientific Research sowie dem Unternehmen Unilever finanziert.

Wie genau es die Alterung des Gesichts beeinflusst, können die Forscher noch nicht beantworten, sie können nur einiges ausschließen. Denn dass die Teilnehmer mit bestimmten MC1R-Varianten älter aussahen, ließ sich nicht durch Lebensalter, Geschlecht, Hautfarbe, Altersflecken, Falten oder von Sonnenlicht verursachten Schäden erklären, sagt Kayser. Aber es gibt weitere Anzeichen des Alterns im Gesicht: Unter anderem erschlafft die Haut und die Lippen werden schmaler.

Dem Wissenschaftler geht es bei seiner Forschung nicht um bloße Kosmetik: Es wurde bereits früher vermutet, dass Menschen, die im Gesicht älter aussehen, im Schnitt auch kränker sind, so Kayser. Die für jeden sichtbare Alterung im Gesicht hänge wahrscheinlich mit weniger offensichtlichen Alterungsprozessen im Körper zusammen. Darunter sicher welche, die die Gesundheit beeinflussen. Erkenntnisse darüber, welche Gene diese über welche Wege fördern oder bremsen, könnten also - auf lange Sicht - Antworten darauf liefern, wie die Gesundheit durch Alterungsprozesse abbaut.

"Obwohl die Studie nur einen deutlichen Zusammenhang mit MC1R nachweisen konnte, sind an den Alterungsprozessen sicher eine Vielzahl von Genen beteiligt", sagt Kayer. " Wir sehen in unseren Daten, dass es weitere Gene gibt. Die Studiengröße reichte nur nicht aus, diese sicher zu identifizieren."

Finanziert wurde die Arbeit unter anderem von Unilever, Mitarbeiter des Unternehmens waren zudem direkt an der Forschung beteiligt. Das begründe sich am Interesse Unilevers am Thema Anti-Aging, sagt Kayser. Von der Entwicklung von Produkten, die auf der nun gewonnenen Erkenntnis aufbauen, ist man aus seiner Sicht jedoch noch weit entfernt.

Als nächstes ginge es darum, weitere Gene zu entdecken, die äußerlich sichtbare Alterungsprozesse beeinflussen und herauszufinden, was sie eigentlich im Körper genau bewirken.

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insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
Spiegelleserin57 28.04.2016
1. wo liegt das Problem??
Falten wird jeder früher oder später bekommen, ein ganz natürlicher Vorgang. Man sollte schon zu diesem Vorgang stehen und nicht in den Jugendwahn verfallen. Es liegt an jedem selbst wie seine Haut beschaffen ist, auch Nikotin und Alkohol lassen die Haut vorzeitig altern. Dass Unilever ein Sponsor ist wundert mich nicht da seine Töchter sich doch mit Mode und Kosmetik beschäftigen. Wer ausreichendes Selbstbewußtsein hat hat auch keine Probleme mit faltiger Haut, eben ein ganz antürliches Phänomen.
sonnenbadner 28.04.2016
2. Problem Sterben?
Das Problem am Altern, zu guter letzt Sterben liegt darin, dass anschließend das Leben beendet ist. Der Mensch in seinem (gesunden) Bestreben dieses Leben jedoch möglichst lange führen möchte. Das ist jedoch keine Neuigkeit. Neu ist, dass man lang oder mittelfristig aktiv (!) dagegen vorgehen kann. Schicksalsschläge als Regel? Es gibt zu viele Menschen die nun mal Zufälle nach Möglichkeit ausschließen möchten. Früher hat man auf den Blitz gewartet um Feuer machen zu können. Es ist nur logisch, dass wir jetzt den Tod warten lassen möchten. Eine solche Verschiebung der Machtverhältnisse nennt man Fortschritt.... So schlimm? wenn es nicht Unilever zahlt, machts jmd anderes.
short-circuit 28.04.2016
3. altbekannt
Dieses Gen ist schon seit längsten Zeiten bekannt und wird im Allgemeinen das "am Stock Gen" genannt.......
zila 28.04.2016
4.
Zitat von Spiegelleserin57Falten wird jeder früher oder später bekommen, ein ganz natürlicher Vorgang. Man sollte schon zu diesem Vorgang stehen und nicht in den Jugendwahn verfallen. Es liegt an jedem selbst wie seine Haut beschaffen ist, auch Nikotin und Alkohol lassen die Haut vorzeitig altern. Dass Unilever ein Sponsor ist wundert mich nicht da seine Töchter sich doch mit Mode und Kosmetik beschäftigen. Wer ausreichendes Selbstbewußtsein hat hat auch keine Probleme mit faltiger Haut, eben ein ganz antürliches Phänomen.
Das klingt eher nach einer lahmen Entschuldigung, sich gehen zu lassen. Falten und Selbstbewusstsein, naja, man kann sich auch was einreden. Es gibt ausgezeichnete kosmetische Produkte und mit kleineren Eingriffen kann man grosse Effekte erzielen. Fragen sie mal Leute, die 10 Jahre juenger geschaetzt werden, ob das jetzt nur an den Genen liegt oder ob die sich vernuenftig ernaehren, regelmaessig schlafen, etwas Sport treiben und vielleicht auch mal Sonnenschutz und Hautmittel benutzen?
karlbe 28.04.2016
5. Nach wie vor...
die einfachste, günstigtse und zugleich die wissenschaftlich am besten belegte Methode, den Alterungsprozess zu verzögern: Diät halten. Und, neueren Studien zufolge, Fruchtzucker möglichst vermeiden. Dass in dem Artikel u.a. Thunfisch als mögliches Wundermittel gegen Hautalterung angeführt wird, kann wohl getrost als widerlegt gelten. Thunfisch dürfte das am stärksten belastete Lebensmittel überhaupt sein, erst zuletzt wieder festgestellt, siehe hier http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-20080-2016-04-18.html
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