Erbgut von Embryonen Was britische Gen-Forscher jetzt dürfen - und was nicht

Ein britisches Forscherteam darf künftig gezielt die Gene menschlicher Embryonen verändern. Um welche Versuche geht es? Was ist erlaubt? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Aus vier Zellen bestehender Embryo (Illustration): Welche Gene steuern die frühe Entwicklung?
Corbis

Aus vier Zellen bestehender Embryo (Illustration): Welche Gene steuern die frühe Entwicklung?


Es ist und bleibt ein Tabu, menschliches Erbgut zu manipulieren, um Babys so zu designen, wie Eltern sie sich wünschen. Allerdings hat die zuständige britische Behörde HFEA (Human Fertilisation and Embryology Authority) es jetzt einer Forschergruppe erlaubt, gezielt Gene menschlicher Embryonen zu verändern. Sobald die Wissenschaftler auch die Genehmigung einer Ethikkommission haben, können die Experimente beginnen.

Ob das Forschungsprojekt noch kippen könnte, falls die Ethikkommission ihre Zusage verweigert, konnte das Francis Crick Institute auf Nachfrage nicht beantworten. Die Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Thema.

Worum geht es bei den Experimenten?

Kathy Niakan vom Francis Crick Institute hat den Antrag gestellt, dem nun stattgegeben wurde: Ihr Team darf zu Forschungszwecken das Erbgut menschlicher Embryonen verändern. Niakan geht es um die Frage, welche Gene bei der frühen Entwicklung des Embryos eine entscheidende Rolle spielen. Sie will den Einfluss verschiedener Erbgutanlagen in den ersten fünf bis sieben Tagen nach der Befruchtung untersuchen. Also von der befruchteten Eizelle ausgehend bis zur sogenannten Blastozyste: In diesem Stadium besteht der Embryo nur aus einigen Dutzend bis einigen Hundert Zellen. Auf lange Sicht, hofft Niakan, können die bei ihren Experimenten gewonnenen Erkenntnisse neue Ansätze liefern, unfruchtbaren Paaren zu helfen.

Was dürfen die Forscher, was nicht?

Die Wissenschaftler haben von der HFEA die Erlaubnis erhalten, neue Erbgut verändernde Techniken bei menschlichen Embryonen im Labor anzuwenden. Die so veränderten Embryonen dürfen keiner Frau eingepflanzt werden.

Mit welcher Technik arbeiten sie?

Gezielte Eingriffe ins Erbgut waren lange Zeit nur sehr schwer zu bewerkstelligen. Eine Methode namens CRISPR-Cas9, kurz Crispr, hat das Verfahren revolutioniert. Es erlaubt, sehr präzise ins Genom einzugreifen, und ist gleichzeitig relativ günstig sowie einfach anzuwenden. Forscher nutzen dafür bestimmte Enzyme, die im Erbgut an eine bestimmte Stelle gelotst werden können. Dort kann dann ein Abschnitt herausgeschnitten oder ein anderer eingefügt werden.

Haben andere Forscher schon mittels Crispr menschliche Embryonen verändert?

Im April 2015 berichteten chinesische Forscher, sie hätten 86 Embryonen mittels Crispr manipuliert, die in einer Fruchtbarkeitsklinik als nicht überlebensfähig aussortiert worden sein sollen. Sie beobachteten in den Embryonen allerdings auch eine größere Anzahl von nicht gewünschten genetischen Veränderungen.

Ändert sich durch die Entscheidung etwas für Forscher in Deutschland?

Nein. Die Erlaubnis der HFEA gilt für die britischen Forscher, die in Großbritannien einen Antrag eingereicht hatten. Deutsche Gesetze und Regularien ändern sich dadurch nicht.

Ist das der erste Schritt hin zum maßgeschneiderten Menschen?

Das ist die große Sorge von Kritikern. Im Dezember haben führende Forscher die Empfehlung veröffentlicht, vorerst auf Eingriffe in die menschliche Keimbahn zu verzichten, deren Ziel es ist, ein Kind und damit auch dessen Nachkommen, genetisch zu verändern. In der Stellungnahme heißt es auch: Grundlagenforschung wird gebraucht und sollte weitergehen. Versuche, wie sie Niakan plant, fallen in diesen Bereich.

Theoretisch könnte Crispr aber auch genutzt werden, um das Erbgut eines Embryos zu verändern, der dann einer Frau eingepflanzt wird. Praktisch ist das - nicht nur in Deutschland - verboten.

wbr



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insgesamt 16 Beiträge
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mapcollect 01.02.2016
1. Wichtige Forschung
Viele Krankheiten wie z.B. Krebs werden sich nur durch Gentechnologie kurativ heilen lassen. Diese Gebiet ist viel zu wichtig um es anderen Forschungsnationen mit weniger Skrupel zu überlassen.
BeSchn 01.02.2016
2. Menschliches Erbgut verändern?
Es wird geschehen, wenn nicht heute, dann morgen. Das ist auch gut so. Warum soll man eine schwere Erbkrankheit nicht verhindern, wenn man es kann? Was haben unsere Ethikbefürworter davon, wenn es Krankheiten gibt? Ist dass gut für das moralische Gewissen? Wie mit allen menschlichen Errungenschaften kann man auch damit Schlimmes anstellen, klar. Das war schon mit Messern so. Es ist aber kein Grund darauf zu verzichten. Die Gesellschaft muss auch bei Gentechnologie sinnvolle Gesetze und Regeln finden - das ist die Aufgabe!
dergutmensch 01.02.2016
3. Ein tanz auf der Rasierklinge
Solange pazifistisch damit umgegangen wird eine super sache :)
Frokuss 01.02.2016
4.
einerseits verstehe ich die Genmanipulation bei Vererbaren Krankheiten... anderer Seits fehlt dann nicht mehr viel zum Kathalogkind. und davon halte ich nichts. wir brauchen die genetische Vielschichtigkeit
ruhrly51 01.02.2016
5. Erbgut
Wie der Name schon sagt : Erbgut ! Das haben wir alle schon seit jahrtausenden in uns und steuert uns. Doch wenn es unsere Entwicklung ermöglicht Krankheiten und Fehler (Mongolie z.B.) zu reparieren ... wo ist da das Problem ???? Krebs, Augenfehler, Herzkrankheiten sind oft vererbt. Wenn man das in den Griff bekommt, bevor der Mensch das Licht der Welt erblickt, ist das eine willkommde Sache. Und entlastet uns von Gesundheitskosten. Außerdem haben diese Menschen ein menschenwürdiges Dasein in ihrem Leben. Doch habe ich auch verstanden, das, alles was möglich ist, negativ zu benutzen. Und wenn es dann erlaubt ist ... es gibt Bösewichte, die sich das zueigen machen. So könnte man Menschen zu speziellen Robotern machen. Ich wette: Daran wird gearbeitet ! Man sollte den UNGEBORENEN MENSCHEN ein gesundes und beschwerdenfreies Leben ermöglichen !
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