Genmanipulierte Nahrung EU will Zwangstest für Reis aus USA

Eine gütliche Einigung konnte nicht erreicht werden: Wie soll man verhindern, dass US-Genreis in europäische Kochtöpfe gelangt? Jetzt setzt die EU-Kommission auf Zwangstests. Wenn auch die Experten zustimmen, werden alle Langkornreis-Lieferungen aus den USA überprüft.


Brüssel - Zum Schutz vor neuen Genreis-Importen hat die EU-Kommission Pflichttests für alle Langkornreis-Lieferungen aus den USA beschlossen. Die Kosten für die Tests müsse der Exporteur tragen, teilte die Kommission am Donnerstag in Brüssel mit. Das Vorgehen ist eine Reaktion auf US-Reislieferungen nach Europa, die mit nicht zugelassenem Genreis vom Typ LL601 verunreinigt waren. In den USA waren diese als nicht genmanipuliert eingestuft worden.

Reis: Tests bei der Einfuhr in die EU sollen verpflichtend sein
DDP

Reis: Tests bei der Einfuhr in die EU sollen verpflichtend sein

Es bleibe dabei, dass die Lieferungen vor Ort in den USA eingestuft werden müssten, hieß es weiter. Bei der Einfuhr in die EU würden ab jetzt jedoch zusätzlich kontrolliert: Aus allen Ladungen sollen Proben entnommen und getestet werden. Die EU-Kommission hatte solchen Tests bereits am 4. Oktober zugestimmt. Zunächst hatte sie eine Frist von zwei Wochen eingeräumt, um mit den USA einvernehmliche Standards für Tests und Probenentnahme festzulegen - zu dieser Einigung war es aber nicht gekommen.

"Die Entscheidung folgt nach einem Mangel an Übereinkommen seitens der US-Behörden", erklärte die EU-Kommission. Sollte ihr Vorschlag vom ständigen EU-Ausschuss für die Nahrungskette angenommen werden, müssten künftig alle Reisimporte aus den Vereinigten Staaten in EU-Häfen kontrolliert werden, teilte die Kommission in Brüssel am Donnerstag mit.

Zwangstest würde auch zweite Genreis-Sorte finden

"Dieser Test wird auch jüngsten Funden französischer Behörden Rechnung tragen", teilte die Kommission mit. In Frankreich hatten Untersuchungen Spuren einer zweiten - ebenfalls nicht in der EU zugelassenen - Sorte von Genreis ans Tageslicht gebracht. Sie trägt den Namen LLRice62.

Das EU-Expertengremium kommt am nächsten Montag zusammen. In der EU sind Anbau, Verkauf und Vermarktung von gentechnisch verändertem Reis nicht genehmigt. Genetisch modifizierte (GM) Organismen ohne Genehmigung in Verkehr zu bringen, ist in Europa verboten.

In Deutschland und mindestens acht weiteren EU-Ländern ist in den vergangenen Wochen nicht zugelassener genmanipulierter Reis aus den USA aufgetaucht. Nach vorläufiger Einschätzung der Behörden besteht jedoch keine Gesundheitsgefahr. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hatte zudem behauptet, eigene Untersuchungen hätten auch Spuren der Genreis-Sorte Bt61 aus China in Produkten gefunden. In Deutschland soll es sich dabei um China-Nudeln gehandelt haben, welche die Tester in Asia-Supermärkten gekauft hätten.

stx/AFP/rtr



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