Spektakuläres Genprojekt Die wundersame Geschichte des Hans Jonathan

Er stammte aus der Karibik und landete ausgerechnet in Island: Vor mehr als 200 Jahren floh der Sklave Hans Jonathan in die Freiheit. Nun haben Forscher sein Erbgut rekonstruiert - ganz ohne sterbliche Überreste.

National Library of Iceland

Aus Reykjavík berichtet


Niemand weiß, wo genau Hans Jonathan seine letzte Ruhe gefunden hat. Wohl irgendwo bei Djúpivogur an den Ostfjorden Islands liegen seine Überreste in eisiger Erde. Trotzdem haben Wissenschaftler dem ersten dunkelhäutigen Bewohner der Insel seine Identität zurückgeben können. Durch eine faszinierende Kooperation von Geistes- und Naturwissenschaften lässt sich so die Geschichte eines außergewöhnlichen Menschen erzählen.

Auf einer Zuckerrohrplantage auf der Karibikinsel St. Croix geboren, als Sohn einer aus Afrika stammenden Mutter und eines weißen Vaters, war Hans im Jahr 1792 als Sklave nach Kopenhagen gebracht worden. Doch er wollte nicht auf ewig seiner "Besitzerin" Henrietta Catharina Schimmelmann dienen. Also kämpfte er in der dänischen Marine gegen britische Invasoren, strengte einen Prozess gegen Schimmelmann an, verlor diesen - und floh anschließend nach Island.

Hans wurde zum ersten Einwanderer mit afrikanischen Wurzeln auf der Insel. Hier war er zum ersten Mal in seinem Leben wirklich frei, immerhin 25 Jahre lang. Und weil der einstige Sklave auf Island eine Frau fand, weil das Paar Eltern zweier Kinder wurde, lässt sich sein Erbgut bis heute in der Bevölkerung nachweisen. In einem einmaligen Projekt haben Forscher die DNA des karibischen Immigranten teilweise rekonstruiert - und zwar lediglich aus den Erbgutinformationen seiner Nachfahren.

Von Hans Jonathan selbst gibt es kein Bild. Dieses hier zeigt Enkel Björn Eiríksson. Er soll seinem Großvater extrem ähnlich gesehen haben, berichtet die Familie.
privat

Von Hans Jonathan selbst gibt es kein Bild. Dieses hier zeigt Enkel Björn Eiríksson. Er soll seinem Großvater extrem ähnlich gesehen haben, berichtet die Familie.

Die virtuelle DNA-Analyse ist ein weltweites Novum. Führender Kopf hinter dem Projekt ist Kári Stefánsson. Der streitbare Neuroforscher leitet seit Mitte der Neunziger das Unternehmen Decode. Die Firma hat in einem - vor allem aus Datenschutzgründen lange umstrittenen - Großprojekt das Genmaterial von rund 60 Prozent aller Isländer ausgewertet. Zusätzlich hat das Unternehmen Berge von medizinischen Daten und Diagnosen zusammengetragen.

Die Informationen sind in einer gigantischen Datenbank gespeichert, die immer weiter wächst. Sie soll bei der Suche nach genetischen Ursachen schwerer Erkrankungen helfen - und bei der Entwicklung von Therapien. Kári und seine Leute haben aber nicht nur Zugriff auf DNA-Informationen und medizinische Daten. Sie haben auch Islands alte Ahnenbücher und Kirchenunterlagen digitalisieren lassen und zum Islendingabok, dem "Buch der Isländer" zusammengefügt. Das erlaubt ihnen den perfekten Blick in Vergangenheit und Zukunft.

Der Datenschatz ist weltweit einmalig, auch wenn es inzwischen vergleichbare Projekte in anderen Ländern gibt. Das Besondere im Fall von Island: Über Jahrhunderte hat es vergleichsweise wenige Einwanderer gegeben - und so kaum Zufluss von Genmaterial. Genau deswegen lassen sich auch die Spuren von Hans so gut verfolgen.

Reiterinnen auf Island (Archivbild)
REUTERS

Reiterinnen auf Island (Archivbild)

Genforscher Kári hat sich zu einem Interview bereit erklärt, doch das Gespräch in seinem weitläufigen Büro beginnt zunächst eher holperig. Der Wissenschaftler bleibt zur Begrüßung hinter seinem halbrunden Schreibtisch sitzen. "Glauben Sie im Ernst, dass ich für einen deutschen Journalisten aufstehen würde?" Kári hat die kritischen, teils 20 Jahre alten Artikel über ihn in "Welt", "taz" und SPIEGEL nicht vergessen. Wie lange man für das Gespräch heute Zeit habe? "Bis ich gelangweilt bin", so der Forscher.

Immerhin, es werden am Ende anderthalb Stunden. In denen sich der Forscher sogar als charmanter Erzähler entpuppt. Etwa, wenn er davon berichtet, wie ihn Geschichten seines Vaters schon als Kind mit dem Mythos Hans Jonathan vertraut gemacht haben. "Er hat von ihm als interessantem und wichtigem Mann berichtet, als jemandem, der sehr geschätzt wurde." Deswegen habe er, Kári, nun Hans Jonathans Erbgut rekonstruieren wollen.

Fotostrecke

6  Bilder
Hans Jonathan: Ein Ex-Sklave auf Island

Auch Selbstironie beherrscht der Gen-Guru, etwa wenn er bedauernd berichtet, selbst nicht zu den Nachfahren des Flüchtlings aus der Karibik zu gehören. Er habe das selbstverständlich überprüft. "Unglücklicherweise bin ich nur eine sehr gewöhnliche Version eines Isländers."

Káris Vater stammte aber immerhin aus Djúpivogur, aus genau dem Ort, in dem der Flüchtling aus der Karibik vor rund 200 Jahren erst Angestellter im dänischen Handelsposten wird, dann Vizechef und schließlich sogar dessen Leiter. In der Gegend trifft Hans auch die Bauerntochter Katrin Antoniusdottir. Beide heiraten im Winter 1820. Ihr erstes Kind, Sohn Ludvik Stefan, kommt am 26. Mai 1821 auf die Welt, die Tochter Hansina Regina am 4. August 1824.

Djúpivogur auf einem Stich aus dem Jahr 1820
National Archives, Reykjavik

Djúpivogur auf einem Stich aus dem Jahr 1820

Die beiden sind die Ahnen der rund 800 Isländer, die Kári und seine Leute in ihrer Datenbank als Nachfahren identifiziert haben. Aus den Genproben von 182 von ihnen haben die Forscher schließlich Hans' Genom teilweise rekonstruiert. Selbstverständlich trägt keiner der Nachfahren das Erbgut des Ex-Sklaven komplett in sich - aber eben jeweils einen winzigen Teil. Und diese Variationen ließen sich zusammensetzen wie die Teile eines riesigen Puzzles.

Im Januar haben Kári und Kollegen im Fachmagazin "Nature Genetics" darüber berichtet. "Technisch gesehen war das keine besonders komplizierte Arbeit", sagt der Forscher lapidar. Durch Kombination der ihnen zur Verfügung stehenden Informationen ist es den Wissenschaftlern jedenfalls gelungen, 38 Prozent der mütterlichen DNA von Hans zu rekonstruieren - also 19 Prozent seines gesamten Erbguts.

Aus historischen Aufzeichnungen ist nur wenig bekannt über Hans' Mutter Emilia Regina. Lediglich das Geburtsjahr 1760 und der Ort, die damals als dänische Kolonie geführte Karibikinsel St. Croix, lassen sich belegen. Die Genanalysen zeigen nun, dass die Vorfahren der Frau in Benin, Nigeria oder Kamerun gelebt haben müssen.

Womöglich lassen sich ihre Spuren auf diese Weise weiterverfolgen - zum Beispiel durch die Analyse der Ladelisten von Sklavenschiffen. Hier kommt Gísli Pálsson ins Spiel. Der Anthropologe an der Universität Reykjavík hat sein Büro in Sichtweite der Genlabors von Decode, wo auch seine Tochter arbeitet. Doch Gísli befasst sich mit den Aspekten von Hans' Geschichte, die sich nicht auf den ersten Blick aus den Genomdaten ablesen lassen.

Der Wissenschaftler hat staubige Archive in Kopenhagen durchwühlt, hat sich alte Erzählungen im Osten Islands angehört, ist auf die karibischen Zuckerrohrplantagen von St. Croix gereist - und hat so die Lebensgeschichte des wundersamen Immigranten aufgeschrieben. "The Man Who Stole Himself" heißt die englische Fassung seines Buches.

ANZEIGE
Gisli Palsson:
The Man Who Stole Himself

The Slave Odyssey of Hans Jonathan

The University of Chicago Press; 264 Seiten; ab 22 Euro

"Hans Jonathan ist der erste Mensch auf der Welt, für den zwei Arten von Biografien geschrieben wurden, eine auf Basis von Geschichten, wie ich sie zusammengetragen habe, und eine mit Hilfe der Entschlüsselung seines Genoms. Das ist ziemlich originell." Und noch etwas sei besonders, sagt Gísli. Denn hier werde ausnahmsweise nicht von einem einflussreichen, gut situierten weißen Mann berichtet, wie es in Biografien sonst so oft der Fall sei - sondern von einem Unterprivilegierten und Marginalisierten.

In Kurzform geht die Geschichte so: Hans wird im Jahr 1784 auf der Plantage La Reine auf St. Croix geboren. Gísli geht anhand verschiedener Indizien davon aus, dass es sich bei Hans' Vater um einen Sekretär namens Hans Gram handelt. Doch zweifelsfrei belegen lässt sich das nicht. Einige der Nachfahren etwa haben andere Theorien. Sie spekulieren über den "Besitzer" Ludvig Ernst von Schimmelmann oder einen nicht eindeutig zu bestimmenden Vertreter des Adelsgeschlechtes der von Moltkes.

Verlorener Gerichtsprozess

Als Hans vier Jahre alt ist, ziehen die Schimmelmanns jedenfalls zurück nach Dänemark. Das Land war damals eine kleine, aber erfolgreiche Kolonialmacht. Die Erträge von Sklavenhandel und Zuckerrohrplantagen ließen die Hauptstadt Kopenhagen erblühen.

Haussklavin Emilia begleitet die Familie. Ihren Sohn muss sie zunächst zurücklassen, er darf vier Jahre später aber nachkommen. In Kopenhagen erhält Hans eine gute Ausbildung, lernt sogar Violine zu spielen. Doch spätestens nach dem Tod Schimmelmanns verschlechtert sich das Verhältnis zu seiner "Besitzerin" massiv.

Hans will seine Freiheit als Soldat gewinnen. Doch die Witwe lässt nicht locker. Der Sklave sei ihr Eigentum, argumentiert sie immer wieder. Schließlich landet der Fall vor Gericht - und Hans verliert den Prozess. Sklaverei ist zwar zu diesem Zeitpunkt in Dänemark schon illegal. Weil die Schimmelmanns den Sklaven aber in der Karibik rechtmäßig besessen hätten, dürften sie ihn auch dorthin wieder zurückbringen und veräußern, so das Urteil der Richter.

Hans bleibt nur die Flucht, seine Violine nimmt er mit. Wie genau er nach Island kommt, hat Gísli nicht herausfinden können. Aber klar scheint: Die Menschen im Osten der Insel heißen den Fremdling willkommen. "Er war ehrlich, hatte einen wachen Verstand, war clever, sprach mehrere Sprachen und seine Handschrift war elegant." Hans heiratet die Bauerntochter Katrin Antoniusdottir, beide bekommen einen Sohn und eine Tochter. Über irgendwelchen Streit gebe es keine Belege.

Hans Jonathans Unterschrift auf Unterlagen des Handelspostens Djúpivogur
National Archives, Reykjavik

Hans Jonathans Unterschrift auf Unterlagen des Handelspostens Djúpivogur

Rassismus habe es natürlich auch auf Island gegeben, sagt Gísli, aber das sei viel später gewesen, etwa im 20. Jahrhundert, als nach dem Krieg US-Soldaten auf der Insel stationiert wurden. Vor 200 Jahren habe der erste Dunkelhäutige dagegen keine Probleme wegen seiner Hautfarbe gehabt. Als Hans im Jahr 1827 mit nur 43 Jahren - vermutlich an einer Gehirnblutung - stirbt, verfügt er über einen "exzellenten Ruf".

Hans' Nachfahren freuen sich darüber bis heute. Eine von ihnen ist Hrefna Birna Björnsdóttir, Hans war ihr Ur-Ur-Ur-Großvater. Die Lehrerin hat zum Treffen im Kaffihús Vesturbæjar zum Beleg einen Ausdruck ihres Stammbaums aus dem Islendingabok mitgebracht.

Das sei nicht ungewöhnlich bei der großen Begeisterung für Ahnenforschung in ihrem Land, sagt sie: "Die erste Frage unter Isländern ist immer: 'Wo kommst du her?' oder 'Wer ist dein Vater?'. Man versucht immer, gemeinsame Vorfahren zu finden." Sie selbst könne ihre Wurzeln ein gutes Dutzend Generationen zurückverfolgen, bis zu den frühen Siedlern.

Hans Jonathans Ur-Ur-Ur-Enkelin Hrefna Birna Björnsdóttir
SPIEGEL ONLINE

Hans Jonathans Ur-Ur-Ur-Enkelin Hrefna Birna Björnsdóttir

Dass unter ihren Vorfahren auch der erste Mensch mit dunkler Hautfarbe auf Island gewesen sei, habe sie mit fünf oder sechs Jahren zum ersten Mal gehört. Eine große Rolle gespielt habe die Sache aber erst einmal nicht. "Ich habe lange nicht daran gedacht - nur die Schwestern meines Vaters haben manchmal darüber gesprochen. Sie waren sehr stolz", sagt Hrefna Birna.

Sie selbst habe sich dann dank Gíslis Buch wieder mit ihrer Verwandtschaft zu Hans Jonathan zu befassen begonnen - und sei fasziniert. An Káris Genexperment habe sie aber nicht teilgenommen, auch in der Decode-Datenbank suche man sie vergebens. "Ich traue einem Privatunternehmen da nicht."

Auch das Genom ihrer Kinder sei weder untersucht noch gespeichert, sagt Hrefna Birna. Doch auch so seien ihr Sohn und ihre Tochter begeistert über die Verwandtschaft mit Hans Jonathan, die sich mit dem Stammbaum ja gut belegen lasse. "Meine Kinder finden, dass das cool ist. Etwas, auf das sie stolz sind."

Und so existiert Hans Jonathan bis heute in den Menschen von Island fort. Seine Familie trifft sich inzwischen regelmäßig und hat sogar einen Gedenkstein für ihn und seine Frau aufgestellt. Wie hatte es Genforscher Kári beim Interview in seinem Büro doch gesagt? "Vielleicht ist die Idee einer Reinkarnation gar nicht so absurd. Wir leben schließlich weiter im Erbgut unserer Nachfahren."

Der Anthropologe Gísli kann sich übrigens vorstellen, in Zukunft mit dem Genforscher zusammenzuarbeiten. Gerade versucht er, aus dem Grab eines Gram-Sohnes in den USA eine Genprobe zu bekommen. Diese will er anschließend am besten in Island untersuchen lassen - um Hans' Vater zu finden.



insgesamt 14 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
kurzanbinden 08.04.2018
1. Inselvolk
Inselvolk hat den Ruf komisch und unaufgeschlosen zu sein. wohl eher Quatsch. wenn überhaupt sind sie nur vorsichtig. die Isländer Geschichten lassen diese immer sehr symphatisch rüberkommen. wenn die insel nicht schon qualvoll überlaufen wäre von Touristen wäre ich da auch schon Mal hin. so lassen ich ihnen ein klein bisschen Ruhe.
sarkasmis 08.04.2018
2.
So ganz sauber ist die Story vom "Unterprivilegierten" nicht. Der Mann hat immerhin eine gute Ausbildung bekommen und eine gute soziale Stellung erworben, auch wenn er manch Unbill im Leben ertragen musste. Im Übrigen finde ich es sehr ironisch, wenn jemand auf seinen Vorfahr stolz ist, nur weil dieser einen fremden Ursprung hat. Sonst wird uns doch auch immer erzählt, wie lächerlich es sei auf seine "Rasse", Ethnie oder Nation stolz zu sein, weil dahinter keine eigene Leistung stehe. Aber vermutlich kann man immer noch stolzer darauf sein, von Hans Jonathan abzustammen als von dem flüchtigen Mörder Erik dem Roten ;-)
Kasob 08.04.2018
3. Seltsam
Alle berichten wie Stolz sie sind das ihr Vorfahr schwarz war. Warum und weshalb wird nicht erwähnt. Mir persönlich ist es vollkommen egal welche Hautfarbe, Religion etc meine Vorfahren hatten. Sollten wir nicht eher auf die guten Taten stolz sein als auf Äußerlichkeiten.
permissiveactionlink 08.04.2018
4. 38 Prozent
Es ist ausgesprochen unwahrscheinlich, aus den Genen seiner Nachkommen das gesamte Genom eines Vaters (oder Elters) zu bestimmen, wenn die Eltern lediglich zwei Kinder hatten, klar. In den Keimzellen eines Menschen beträgt die Wahrscheinlichkeit für die Verteilung der väterlichen und mütterlichen Chromosomen 1/(2^23), also 1,2*10^-7. Hinzu kommen weitere Ereignisse der genetischen Rekombination durch Austausch von Chromosomenbereichen homologer (also vergleichbarer väterlicher und mütterlicher) Chromosomen : Crossing over. Die Wahrscheinlichkeit, dass bei zwei Kindern alle Chromosomen des Vaters weitergegeben werden, ist also sehr gering. Kopfzerbrechen bereitet mir aber das Resultat von 38 Prozent mütterlicher Gene : Da weder genetische Vergleichsproben des Vaters bzw. der Mutter von Hans existieren, lässt sich bei seinen 44 Autosomen nicht feststellen, welche davon ursprünglich von seiner Mutter, und welche von seinem Vater stammen. Bei den Gonosomen (x- bzw.y-Chromosom) sieht die Sache anders aus : Der Sohn von Hans hatte sein y-Chromosom natürlich garantiert von Hans und sein x-Chromosom ganz sicher von Hans Ehefrau. Und Hans Tochter besaß noch ein zweites x-Chromosom, welches dann von Hans bzw. von Hans Mutter stammen muss. Die Gonosomen sind zudem bei ihrem genetischen Informationsinhalt und ihrer Form völlig verschieden, so dass Crossing over hier auszuschließen ist.
curiosus_ 08.04.2018
5. Das scheint zutiefst...
Zitat von KasobAlle berichten wie Stolz sie sind das ihr Vorfahr schwarz war. Warum und weshalb wird nicht erwähnt. Mir persönlich ist es vollkommen egal welche Hautfarbe, Religion etc meine Vorfahren hatten. Sollten wir nicht eher auf die guten Taten stolz sein als auf Äußerlichkeiten.
...menschlich zu sein, also evolutionär verankert. Gestern kam auf arte eine Doku zu Konfuzius, 551 v. Chr. bis 479 v. Chr. Es gibt heute 2 Mio. Nachfahren die als direkte Nachkommen des Meisters gelten. Und, jedenfalls laut Arte, alle stolz darauf sind. Das lässt sich auch evolutionsbiologisch erklären: Ein wesentlicher Aspekt ist die Konkurrenz bei der sich der Erfolgreichste durchsetzt ("Survival of the Fittest"). Also z.B. der Homo Sapiens ggü. dem Neandertaler oder dem Denisova-Menschen. Und das muss keinesfalls gewaltsam passieren, vermutlich geht das in den meisten Fällen (bei naher genetischer Verwandtschaft wie zw. den gleichzeitig lebenden Menschenarten) rein über die Höhe der Vermehrungsrate. Und dafür wiederum (für die Partnerwahl) ist es natürlich auch wichtig ob jemand stolz auf seine Vorfahren (mit denen er das spezifische Erbgut teilt) ist oder nicht. Wobei sich das "Erbgut teilen" durchaus nicht nur auf die Genetik, sondern auch auf die kulturelle Vererbung beziehen kann. Und wenn die Mehrheit auf "die guten Taten stolz" ist, dann wird dieses Merkmal sich sowohl kulturell (über "Kinder im Geiste") als auch, sofern es eine genetische Komponente dazu gibt, über die vermehrungsrate durchsetzen. Der Dreh- und Angelpunkt ist die Reproduktionsrate. Das gilt heute noch genau so wie seit beginn des Lebens vor ca. 4 Mrd. Jahren.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.