Gentechnik 1: Wenn Kartoffeln leuchten

Man nehme eine Qualle und eine Kartoffel, kreuze ihre Erbanlagen, und fertig ist eine Kartoffelpflanze, die dem Bauern zeigt, wenn sie Durst hat.

London - Ein Team von Wissenschaftlern unter der Leitung des Biologen Tony Trewavas hat gentechnische Methoden eingesetzt, um ein weit verbreitetes, vor allem ökologisches Problem in der Landwirtschaft lösen zu können: Viele Landwirte gießen ihre Feldpflanzen zu kräftig und verschwenden so immer knapper werdende Wasserressourcen. Einen Indikator dafür, wann die Pflanzen genug Wasser haben, gab es bisher nicht. Deshalb verfahren die meisten Landwirte immer noch nach der Devise: lieber zu viel als zu wenig. Die Wissenschaftler von der Universität Edinburgh haben deshalb Kartoffeln mit fluoreszierenden Quallen gekreuzt, berichtet die BBC. Die so entwickelten Genkartoffeln leuchten immer dann gelb auf, wenn das Wasser auf dem Feld knapp wird. Das von den Quallen stammende Leucht-Gen wird in den Kartoffellpflanzen durch eine spezielle Säure aktiviert, die entsteht, wenn die Plfanzen bei Wassermangel ihre Zellstrukturen umstellen. Das Gen führt dazu, dass die Kartoffelpflanzen blaues Tageslicht absorbieren und dann gelbes Licht emittieren. Das so entstandene Leuchten kann allerdings nicht vom menschlichen Auge wahrgenommen werden, sondern nur von einem speziellen Detektor, der das gelbe Pflanzenlicht in ein für den Menschen sichtbares grünes Diodenleuchten umwandelt.

"Wir glauben, unser System wird den Bauern eine Ersparnis von 270 Pfund (rund 830 Mark) pro Hektar bringen", sagt Trewavas. Außerdem könne Nitratdünger eingespart werden, der ansonsten durch Überwässerung oftmals ungenutzt weggespült wird.

Die neuen Kartoffeln sollen aber nur als "Kontrollleuchten" zum Einsatz kommen und nicht für die Pommes-Frites-Herstellung. Acht Pflanzen pro Hektar genügen, meint Trewavas, um den Wasserbedarf eines ganzen Kartoffelfelds professionell zu beobachten.

Allerdings werden noch einige Jahre vergehen, bis die neue Gen-Kartoffel in der Landwirtschaft eingesetzt werden kann, sagen die Wissenschaftler. Die Forschungen gehen unterdessen aber weiter. Ihr Ziel ist die Entwicklung von Kartoffeln, die unterschiedlich farbig leuchten können, je nachdem, ob den Pflanzen Wasser oder Nitrat- oder Phosphatdünger fehlt.

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