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Gentechnik: Verbotene Leuchtfische in Deutschland aufgetaucht

Erstmals haben Behörden in Deutschland genetisch veränderte Zierfische sichergestellt. Die Leuchtfische sollten in einem Kieler Fachgeschäft verkauft werden. Weil Vertrieb und Zucht in Europa nicht erlaubt sind, drohen dem Händler bis 50.000 Euro Bußgeld und sogar Haft.

Unter dem Namen "Glofish" werden sie in den USA seit Jahren verkauft: kleine Zierfische, die im Dunkeln leuchten. Zum empfohlenen Preis von fünf Dollar kann man sich einen der Fische fürs heimische Aquarium kaufen - er fluoresziert dank einer Genmanipulation wahlweise rot, grün oder orange.

Jetzt sind die europaweit verbotenen Tiere erstmals in Deutschland aufgetaucht. Sie seien zunächst in einem Fachgeschäft bei Kiel sichergestellt worden, bestätigte das schleswig-holsteinische Landwirtschaftsministerium in Kiel. Außerdem hätten Händler auf der Kieler Zierfischbörse versucht, die Leuchtfische anzubieten, sagte Ministeriumssprecher Christian Seyfert. Die Veranstalter hätten dem Anbieter aber Hausverbot erteilt und das Veterinäramt informiert.

Die genveränderten Zebrabärblinge seien über Polen eingeführt worden und stammten vermutlich aus Asien, sagte Seyfert. Man prüfe die Handelswege und habe alle anderen Bundesländer informiert. In Europa sind Vertrieb und Zucht der nicht zugelassenen genveränderten Aquariumsfische verboten. Es drohen Bußgelder bis 50.000 Euro und Haftstrafen bis zu fünf Jahren. Der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) warnt intensiv davor, die Fische zu verbreiten oder nachzuzüchten.

Wissenschaftler aus Singapur hatten die Fische ursprünglich produziert, um Umweltverschmutzung aufzuspüren: Sind Giftstoffe im Wasser, leuchten die Meeresbewohner in bis zu fünf unterschiedlichen Farben. Das Forscherteam um Gong Zhiyuan hatte die Eier von Zebrafischen mit einem Gen versehen, das einer Seeanemonen-Art eine rote Farbe verleiht.

"Fluoreszenz wahrscheinlich ein Nachteil"

Die US-Firma Yorktown Technologies erkannte bereits früh die Chance, die "Glühfische" im großen Stil zu Geld zu machen - und sicherte sich die exklusiven US-Vermarktungsrechte. Ein Risiko, dass die Genfische in die freie Wildbahn entweichen könnten, sah die Firma nicht: "Glofish" sei keine Gefahr für die Umwelt, da er in nichttropischen Gewässern gar nicht überleben könne.

Der Forscher Zhiyuan erklärte, fluoreszierende Fische hätten keinen Fortpflanzungsvorteil gegenüber wild lebenden Fischen derselben Spezies. "Ihre Fluoreszenz bringt wahrscheinlich sogar Nachteile mit sich."

Nach Ansicht von Hans-Jörg Buhk, dem Leiter der Abteilung Gentechnik im Bundesamt für Verbraucherschutz in Berlin, scheint die Genveränderung beim Zebrabärbling ohne Risiko. "Man muss aber zu Beginn Einhalt gebieten", sagte Buhk. "Sonst hat das einen Türöffner-Effekt, der nicht mehr zu stoppen ist. Die Entwicklung ist gar nicht abzusehen."

US-Umweltgruppen forderten bereits 2003, als der Fisch noch nicht angeboten wurde, die US-Nahrungs- und Arzneimittelbehörde FDA auf, sofort einzuschreiten und den "Glofish"-Verkauf zu verhindern. Der Protest blieb zumindest in den USA erfolglos. Mittlerweile werden die Fische sogar über das Internet vermarktet.

hda/dpa

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Leuchtfische: Fluoreszenz in Rot, Grün oder Orange

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