Suchtforschung: Genvariante macht anfällig für Alkohol

Die Gene beeinflussen, ob jemand zu Trinkgelagen neigt oder nicht - das untermauert eine aktuelle Studie. Die entdeckte Risiko-Variante haben die Forscher allerdings nur bei männlichen Jugendlichen genauer untersucht.

Jugendlicher vorm Spirituosenregal (Archivbild): Suchtrisiko zum Teil vererbtZur Großansicht
dapd

Jugendlicher vorm Spirituosenregal (Archivbild): Suchtrisiko zum Teil vererbt

Warum können manche Menschen in Maßen Alkohol trinken, während andere ihn in großen Mengen konsumieren - und schlimmstenfalls in den Alkoholismus abrutschen? Die Gründe dafür sind sicher vielfältig; eine Rolle spielt dabei neueren Untersuchungen zufolge auch die Vererbung. 2011 berichteten Forscher über mehrere Genvarianten, die mit einem höheren Alkoholkonsum verknüpft sind. Allerdings hatte sich ein Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und der Veränderung im Gen "RASGRF-2" nur bei Männern gezeigt, wie die Wissenschaftler 2011 schrieben.

Das Wirken einer Genvariante haben Forscher jetzt genauer untersucht. Im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" berichten sie , dass sich der Verdacht in Bezug auf "RASGRF-2" durch weitere Untersuchungen erhärtet hat.

"RASGRF-2" beeinflusst unter anderem die Ausschüttung des Botenstoffes Dopamin in einer Hirnregion. Dieser Prozess ist Teil des sogenannten Belohnungssystems. Menschen mit dieser speziellen Variante des "RASGRF-2"-Gens gebe Alkohol ein tieferes Gefühl der Befriedigung, erklärt der an der Studie beteiligte Forscher Gunter Schumann vom King's College in London. "Das führt dazu, dass sie stärker dazu neigen, viel zu trinken."

Zum einen testeten die Forscher die Wirkung von "RASGRF-2" bei Mäusen. Verfügten die Tiere über keine funktionsfähige Variante des Gens, so interessierten sie sich deutlich weniger für Alkohol, zeigten die Experimente.

Besonders aufgeregt, wenn eine Belohnung lockt

Zum anderen zogen die Wissenschaftler Daten aus einer größeren europäischen Untersuchung zum Verhalten von Jugendlichen, der "Imagen"-Studie, heran. Mehr als 660 14-jährige Jungen hatten sich einem Hirnscan unterzogen, wobei sie Aufgaben lösen sollten und Belohnungen erwarteten. Die 14-Jährigen hätten noch gar nicht oder erst sehr selten Alkohol getrunken. Bei den Jungen mit der verdächtigen "RASGRF-2" zeigte sich eine stärkere Reaktion - eine größere Ausschüttung von Dopamin -, während sie eine Belohnung erwarteten, heißt es in der Studie. Das Feedback auf die tatsächliche Belohnung fiel aber nicht anders aus als beim Rest der Getesteten.

Zwei Jahre später, als die Jugendlichen 16 Jahre alt waren, hatten die mit der "RASGRF-2"-Variante im Schnitt bereits öfter Alkohol getrunken als die anderen. Da der 2011 beobachtete Zusammenhang zwischen der Genvariante und Alkoholkonsum nur bei Männern auffällig gewesen war, haben die Forscher keine Daten von Mädchen gesammelt.

Nach Ansicht der Forscher ist es wahrscheinlich, dass weitere Gene, die die Dopamin-Ausschüttung beeinflussen, ebenfalls mit einem Hang zum Trinken verknüpft sind. Sie hoffen, dass das Wissen über die genauen Mechanismen dabei helfen kann, die Jugendprävention zu verbessern sowie neue Therapien gegen Alkoholismus zu entwickeln. Gleichzeitig ist klar, dass Genvarianten allein nicht bestimmen, ob jemand zum Trinker wird oder nicht. Mögliche Lösungen des Problems müssen daher auch an anderer Stelle greifen - etwa bei der gesellschaftlichen Einstellung zum Alkohol.

wbr

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  • Dienstag, 04.12.2012 – 16:12 Uhr
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Therapie bei Alkoholsucht
Das erste Ziel der Therapie ist, den alkoholkranken Patienten vor einer akuten Vergiftung oder dem Tod im Rausch zu schützen. Anschließend soll sein Alkoholkonsum eingeschränkt werden, um ihm schließlich ein Leben ganz ohne Alkohol zu ermöglichen.

Um diese Ziele zu erreichen, ist es grundlegend, die Alkoholabhängigen so früh wie möglich zu behandeln. Sobald das Problem erkannt ist, sollten die Patienten vor allem Hilfe zur Selbsthilfe erhalten. Wenn möglich erfolgt die Therapie ambulant und dort, wo der Abhängige wohnt. Reicht das nicht, werden die Patienten in spezialisierten Zentren stationär behandelt.

Mit dem Ende einer von Ärzten oder Psychotherapeuten begleiteten Behandlung ist die Alkoholabhängigkeit nicht geheilt - wer einmal getrunken hat, muss lebenslänglich an seiner Abstinenz arbeiten.





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