Geplante Gesetzesänderung Bund gibt Widerstand gegen Klonfleisch auf

Gibt es bald Milch und Fleisch von Klontieren beim Metzger um die Ecke? Die Bundesregierung will den Verkauf einem Zeitungsbericht zufolge künftig erlauben - sofern die Nahrung nicht von Klontieren selbst stammt, sondern von deren direkten Nachkommen.


Frankfurt am Main - Im Streit um den Verkauf von Fleisch und Milch geklonter Tiere deutet sich eine Wende an: In der EU soll er nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" erlaubt werden. Die Bundesregierung habe ihren Widerstand gegen die Neuregelung aufgegeben, meldet die Zeitung unter Berufung auf einen deutschen Diplomaten in Brüssel. Sonst drohe eine "Regelungslücke".

Geräucherte Currywürste: Künftig auch aus Klonfleisch?
DPA

Geräucherte Currywürste: Künftig auch aus Klonfleisch?

Beim Agrarministerrat, der an diesem Montag in Luxemburg tagt, steht demnach eine Änderung der EU-Verordnung für neuartige Lebensmittel auf der Tagesordnung. Darin sei die Freigabe für den Verkauf von Fleisch und von Milch von direkten Nachkommen geklonter Tiere enthalten.

Eine von der EU-Kommission eingesetzte Ethikgruppe für Wissenschaft und neue Technologien war zuvor zu dem Schluss gekommen, es gebe keine überzeugenden Argumente für die Nahrungsmittelerzeugung mit Hilfe geklonter Tiere.

In den USA dürfen Milch und Fleisch von geklonten Tieren schon länger in die Läden kommen. Die Washingtoner Behörde für Lebensmittelaufsicht (FDA) hatte nach sechsjähriger Prüfung die Erlaubnis für den Verkauf der umstrittenen Produkte für den menschlichen Verzehr gegeben. Eine ausführliche Risikoabschätzung habe ergeben, dass Lebensmittel aus geklonten Rindern, Schweinen und Ziegen keine Gefahr für den Menschen darstellten, erklärte die FDA.

Nicht mal eine Kennzeichnungspflicht sei nötig, da sich die betreffenden Produkte "nicht von jenen unterscheiden, die aus konventionell gezüchteten Tieren hergestellt" würden.

Verbraucherschützer hatten die Entscheidung der Behörde scharf kritisiert. Der Experte Michael Hansen von der Organisation Consumers' Union sagte, die Studien der FDA stützten sich auf zu kleine Stichproben. "Es sind noch zu viele Fragen offen", sagte Hansen.

Joe Mendelson vom Center for Food Safety wies darauf hin, dass die Mehrheit der US-Verbraucher Produkte aus geklonten Tieren ablehnten. "Die Öffentlichkeit verlangt mehr Informationen, ehe Klone in die Nahrungsmittelkette kommen." Die Verunsicherung der Verbraucher lasse auch mögliche Schäden für den Export von US-Nahrungsmitteln erwarten.

Kritiker in den USA bezeichnen geklonte Nahrungsmittel in Anspielung auf Frankenstein als "Frankenfoods" und warnen vor nicht abschätzbaren Folgen für die Gesundheit. Experten zufolge dürfte es indes noch Jahre dauern, bis wirklich Milch und Fleisch von geklonten Tieren in die Kühltheken der Läden kommen.

Klonen ist ein aufwendiges und teures Verfahren. Die FDA geht in ihrer Studie davon aus, dass das Klonverfahren vor allem zur Herstellung wertvoller Zuchttiere verwendet würde. Nicht diese Tiere selbst, sondern vor allem die Produkte ihrer dann konventionell gezeugten Nachkommen würden in den Handel gelangen, erklärte die FDA.

Klontiere werden mit der Technik des sogenannten somatischen Zellkerntransfers hergestellt. Dabei wird einem ausgewachsenen Tier eine Körperzelle entnommen, der Zellkern isoliert und in die entkernte Eizelle eines weiblichen Tieres übertragen. Der sich daraus entwickelnde Embryo wird anschließend einer Leihmutter eingesetzt, die das geklonte Tier austrägt. Erbmaterial des einen und einzigen Elterntieres wird dupliziert.

ssu/hda/dpa-AFX/ddp



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