Gestörte Aufmerksamkeit Multitasking ist ineffizient

E-Mail, SMS, Telefon - heutzutage ist man vielen Medien ausgesetzt. Mehrere Aufgaben gleichzeitig zu erledigen, wird immer mehr zum Standard. Dieses Multitasking aber ist ineffizient, haben Wissenschaftler nun gezeigt. Man ist schneller abgelenkt und kann unwichtige Informationen schlechter wegfiltern.


Viele Menschen sind in ihrem Alltag einer Flut von Informationen ausgesetzt. Damit der Überblick dabei nicht verloren geht, bearbeiten Menschen oft viele Dinge gleichzeitig - vor allem jüngere Menschen.

Diese sogenannten medialen Multitasker sind jedoch im Vergleich zu Menschen, die sich auf eine Aufgabe konzentrieren, ineffizienter und laufen Gefahr, sich zu verzetteln. Sie können ihre Aufmerksamkeit schlechter von einer Aufgabe auf eine andere übertragen. Sie können unnütze oder unwichtige Informationen schlechter ausblenden als Menschen, die für gewöhnlich mit nur einem Medium gleichzeitig arbeiten, berichten Forscher um Eyal Ophir von der Universität in Stanford im Fachmagazin " Proceedings of the National Academy of Sciences".

Das Multitasking, bei dem Mediennutzer mehrere Informationsquellen verarbeiten und sich in kurzer Zeit durch bunt gemischte Quellen wie Podcasts, Videos, Texte und Grafiken klicken, wird als Arbeitsweise immer wichtiger. Es führt aber zum Verlust der Fähigkeit, sich überhaupt noch auf das Wesentliche konzentrieren zu können, berichtet das Forscherteam.

Die Wissenschaftler untersuchten, inwieweit diese Art der Mediennutzung die Fähigkeit, sich auf eine Sache zu konzentrieren beeinflusst. Sie ließen Studienteilnehmer Fragebögen ausfüllen, um ihre Art der Mediennutzung beurteilen zu können. Die Probanden, die am weitesten vom Durchschnitt entfernt waren, untersuchten die Forscher dann in speziellen Experimenten eingehender. Sie verglichen also Menschen, die sehr oft viele Medien gleichzeitig nutzen, mit solchen, die meist nur mit einem Medium arbeiteten.

Bei Störung benötigen Multitasker mehr Zeit für eine Aufgabe

Das Ergebnis: Die Multitasker konnten zwar besser mehrere Medien gleichzeitig bearbeiten. Unwichtige Informationen, die für die Fragestellung irrelevant waren, konnten sie jedoch schlechter wegfiltern. Sie benötigten mehr Zeit, eine Aufgabe zu lösen, wenn zwischendurch störende Signale eingeblendet wurden. Sie waren zudem sehr leicht abzulenken und schenkten Dingen Beachtung, die für die Aufgabe, die sie lösen sollten, eigentlich unwichtig waren. Wenn die Probanden nicht gestört oder abgelenkt wurden, lösten beide Gruppen die Aufgaben gleich gut. Die Multitasker konnten auch schlechter zwischen Aufgaben hin und her wechseln. Ein Teil ihrer Aufmerksamkeit blieb offenbar jedesmal an der alten Aufgabe hängen, berichten die Forscher.

Noch ist unklar, ob der Aufmerksamkeitsverlust eine Folge des Multitaskings ist. So könnte es auch sein, dass Menschen, die sich generell schlecht auf eine Aufgabe alleine konzentrieren können, zum Multitasking neigen. Nach Ansicht der Forscher muss dies zunächst geklärt werden, um die Konsequenzen des Multitaskings abzuschätzen.

Klar ist, dass die Art der Informationsverarbeitung und Aufmerksamkeitskontrolle bei Multitaskern eine andere ist. Sie tendieren zum Auskundschaften möglichst vieler Quellen, wobei keine davon erschöpfend bearbeitet wird. Wenn dies die Folge individueller Unterschiede ist, wird sich ein Großteil der Menschen nur schlecht ans Multitasking anpassen können, schreiben die Forscher. Denn ihr Gehirn funktioniere nicht dementsprechend.

lub/ddp

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