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Gesundheitsstudie: Experten fordern totales Rauchverbot für US-Militär

Qualmen im Kampfeinsatz - darauf sollen US-Soldaten künftig verzichten. Eine aktuelle, von Pentagon und Veteranenverbänden lancierte Studie fordert das Aus für Glimmstengel beim Militär. Hochrangige Offiziere warnen vor den Folgen.

Washington - Das US-Militär hat einen weiteren heimtückischen Feind, zumindest wenn es nach einer Studie geht, die das Pentagon und das Department of Veterans Affairs in Auftrag gegeben haben. Es geht ums Rauchen, dass es die militärische Schlagkraft schwäche und langfristig schwere gesundheitliche Schäden zur Folge habe.

US-Soldat mit Zigarette: Droht der Entzug?
Getty Images

US-Soldat mit Zigarette: Droht der Entzug?

Die Einsicht ist nicht neu, aufregend ist aber, dass das Verteidigungsministerium die Empfehlung der Experten prüfen lässt. Die lautet: absolutes Rauchverbot für alle Uniformträger, auf allen Militärgeländen, im In- und Ausland, selbst während des Kampfeinsatzes.

Genau da liege jedoch das Problem, findet Russel Honore. Der US-General außer Dienst erklärte dem Nachrichtensender CNN, Soldaten im Krieg müsse man paffen lassen. "Wenn man müde ist und Tage durchgehalten hat mit einem Minimum an Schlaf und unregelmäßiger Ernährung, dann kann ein Tabakkick entscheidend sein."

Außerdem sei der Zeitpunkt für ein generelles Rauchverbot falsch gewählt, wenn man sich die hohe Selbstmordrate unter Soldaten anschaue. "Für einige ist das Rauchen leider die einzige Art, Stress abzubauen", zitiert CNN einen Offizier. "Wenn das wegfällt, was macht man dann?"

Das Problem ist teilweise hausgemacht: Auf der einen Seite erklärte das Pentagon schon vor Jahren Militärgebäude zur rauchfreien Zone. Andererseits sind Tabakwaren dank niedriger Steuern weiterhin günstig in Militäreinrichtungen zu kaufen. Die Gewinne - zwischen 80 und 90 Millionen Dollar - gehen laut der Studie allerdings in Erholungs- und Familienprogramme auf den Militärstützpunkten.

Viel höher ist jedoch die Belastung durchs Nikotin: Bis zu sechs Milliarden Dollar gebe das Department of Veterans zur Bekämpfung von durch Rauchen verursachten Krankheiten aus.

Deutschen Soldaten droht bislang kein Entzug, gesünder leben aber auch sie nicht. Erst vergangenes Jahr hatte der Wehrbeauftragte des Bundestags, Reinhold Robbe, einen Bericht zur Fitness des Militärs vorgelegt. Danach waren 40 Prozent der Soldaten übergewichtig, jeder fünfte mache keinen Sport, mehr als die Hälfte gab an, regelmäßig zu rauchen.

Robbes Fazit: "Beunruhigend."

dan

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