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Gesundheitsstudie: Zahl der dicken Mädchen in Deutschland steigt rasant

Deutschlands Jugend wächst in die Breite. Insbesondere die Mädchen haben gewaltig zugelegt: Der Anteil der Fettleibigen unter den 15-Jährigen hat sich binnen fünf Jahren verdoppelt, wie eine OECD-Studie ergab. Ein kleiner Trost: Die Forscher loben Deutschlands Gesundheitssystem.

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DPA

Dicke Mädchen: In Deutschland hat sich der Anteil verdoppelt

Berlin - 2001 waren 5,5 Prozent der 15-jährigen Mädchen in Deutschland fettleibig. 2006 hatte sich der Anteil auf elf Prozent verdoppelt. Das geht aus einer Gesundheitsstudie hervor, die die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Dienstag veröffentlicht hat.

Damit ist der Anteil so schnell gestiegen wie in keinem anderen OECD-Land - nicht einmal in den USA. Allerdings betrug dort der Anteil fettleibiger 15-jähriger Mädchen im Jahr 2006 sogar 26 Prozent, fünf Jahre zuvor waren es noch 15 Prozent. Ein wenig besser sieht es bei den deutschen Jungen aus: Hier stieg der Anteil der Fettleibigen zwischen 2001 und 2006 von 13,7 auf 16 Prozent. Damit liegt Deutschland bei den Mädchen knapp über dem OECD-Durchschnitt von 10,1 Prozent, bei den Jungen (17,2 Prozent) darunter.

Die Organisation macht vor allem die ungesunde Lebensweise für den drastischen Trend verantwortlich: Die Jugendlichen in Deutschland bewegen sich vergleichsweise wenig und essen nur selten Obst, führt die OECD-Studie an. Außerdem habe der Anteil der rauchenden Frauen in den vergangenen Jahren zugenommen: Bei 15-jährigen Mädchen etwa liege Deutschland mit einem Raucherinnenanteil von 22 Prozent nach Österreich und Tschechien an dritter Stelle in der OECD.

Doch es gibt auch gute Nachrichten: Die OECD bescheinigt Deutschland ein leistungsfähiges Gesundheitssystem, das eine Versorgung für nahezu die gesamte Bevölkerung gewährleiste. Allerdings gebe Deutschland der Studie zufolge im Vergleich zu anderen Ländern, die eine ähnlich breite Versorgung bieten, verhältnismäßig viel Geld aus. Wichtige Kostenfaktoren seien "viele Krankenhausbetten, hohe Ausgaben für Medikamente, relativ hohe Ärztehonorare und überdurchschnittlich hohe Verwaltungskosten". In der Krankenpflege seien - auch aufgrund der dort eher mäßigen Bezahlung - Engpässe zu befürchten.

Außerdem hat Deutschland nach Angaben der Studie mit 1,5 Allgemeinmedizinern je 1000 Einwohner eine deutlich höhere Ärztedichte als die OECD-Länder im Schnitt (0,9 Allgemeinmediziner je 1000 Einwohner). Mit 7,5 Arztbesuchen pro Jahr und Einwohner gehen die Menschen in Deutschland etwas häufiger zum Arzt als im OECD-Mittel (6,8 Arztbesuche pro Einwohner und Jahr). Allerdings hat in hierzulande die Zahl der Arztbesuche so schnell zugenommen wie in fast keinem anderen OECD-Land.

Lebenserwartung: Platz 14

Im Jahr 2007 gab Deutschland laut OECD 10,4 Prozent seiner Wirtschaftsleistung für die Gesundheitsversorgung aus. Dies war nach den USA, Frankreich und der Schweiz der höchste Wert. Die kaufkraftbereinigten Ausgaben pro Kopf liegen hierzulande um 20 Prozent über dem OECD-Schnitt. "In vielen OECD-Ländern sind die Menschen gesünder, leben länger und das bei geringeren Kosten", so die OECD. So liege die deutsche Bevölkerung bei der Lebenserwartung nur auf Platz 14. Hier führen Japan, die Schweiz und Australien. Bei Herzinfarkt und unterschiedlichen Krebsleiden liegt die Todesrate mal knapp über, mal unter dem OECD-Schnitt. Auch die Kindersterblichkeit ist etwa so hoch wie im Mittel.

Trotz eines erheblichen Rückgangs in den vergangenen Jahren hat Deutschland im Verhältnis zur Bevölkerung sehr viele Krankenhausbetten. Auf 1000 Einwohner kommen laut OECD 5,7 Betten - bezogen auf die Bevölkerung ist dies nach Österreich und Frankreich die höchste Zahl. Im OECD-Schnitt sind es 3,8 Betten. Das deutlich dünner besiedelte und damit schwerer zu versorgende Schweden komme mit 2,1 Krankenhausbetten je 1000 Einwohner aus. Nach den Japanern seien die Menschen in Deutschland diejenigen, die sich am längsten im Krankenhaus aufhalten. Bei der Zahl der Einweisungen liegt Deutschland auf Platz drei.

cib/AP/dpa

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Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen
Übergewicht
Zur Definition von Übergewicht wird der sogenannte Körpermassen-Index (BMI) herangezogen. Durch das Wachstum und die Pubertätsentwicklung sowie den damit verbundenen Änderungen der Körperzusammensetzung unterliegt der BMI alters- und geschlechtsspezifischen Veränderungen. Ein BMI von 25-29,9 gilt als Indiz für Übergewicht.
Adipositas
Das Krankheitsbild der Adipositas ist gekennzeichnet durch einen erhöhten Körperfettanteil, der krankhafte Auswirkungen haben kann. Menschen mit einem BMI von mehr als 30 gelten als adipös.
Body-mass-Index (BMI)
Der BMI ist definiert als Körpergewicht (kg) dividiert durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat. Normalgewichtige haben einen BMI zwischen 18,5 und 24,9. Ab einem BMI von 25 gelten Personen als übergewichtig. Ab einem BMI von mehr als 30 oder weniger als 18,5 gilt der Betroffene als behandlungsbedürftig.
Häufigkeit
Die "Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland" (KiGGS) hat herausgefunden, dass 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland übergewichtig sind. Bei rund 6,3 Prozent der Kinder und Jugendlichen liegt eine Adipositas vor. Bei den Drei- bis Sechsjährigen liegt der Anteil der Übergewichtigen bei neun Prozent, mehr als 15 Prozent der Sieben- bis Zehnjährigen sowie 17 Prozent der 14- bis 17-Jährigen leiden unter Übergewicht. Eine Adipositas haben laut KiGGS 2,9 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen, 6,4 Prozent der Sieben- bis Zehnjährigen sowie 8,5 Prozent der 14- bis 17-Jährigen. Der Anteil der übergewichtigen Kinder und Jugendlichen ist im Vergleich zu den Referenzdaten aus den Jahren 1985-1999 um 50 Prozent gestiegen. Die Häufigkeit der Adipositas hat sich demnach sogar verdoppelt. Eine deutliche Zunahme der Erkrankungen ist seit Beginn der achtziger Jahre zu verzeichnen.
Folgeerkrankungen
Unterschieden werden können medizinische und psychiatrische beziehungsweise psychologische Folgeerkrankungen. Etwa ein Drittel aller übergewichtigen Kinder leiden unter Bluthochdruck. Hinzu kommen Fettstoffwechselstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie ein erhöhtes Risiko einer Diabetes mellitus Typ 2 (Altersdiabetes) Erkrankung. Bei den seelischen Erkrankungen ist es schwierig, Ursachen und Folgen der Adipositas zu unterscheiden. Zu diesen Erkrankungen gehören Depressionen, Angststörungen sowie Essstörungen.
Risikofaktoren
Laut der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin gibt es vor allem zwei Risikofaktoren einer Erkrankung im Kindes- und Jugendalter. Sowohl eine familiäre Belastung (Übergewicht der Eltern) als auch eine bestimmte ethnische Zugehörigkeit und ein niedriger sozialer Status (gemessen an Einkommen und Schulbildung der Eltern) gelten als Risikofaktoren.


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