Keksexperten: Schon Fünfjährige spielen gewinnorientiert

Die größtmögliche Leckerei in Aussicht ließ Kinder zu echten Glücksspielern werden: Wissenschaftler haben ermittelt, dass schon Fünfjährige in der Lage sind, ihre Gewinnchancen richtig einzuschätzen. Die Beute durfte dann direkt verzehrt werden.

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Behalten oder tauschen: Kinder können ihre Chancen gut einschätzen

Paris/San Francisco - Es ging um den Keks. In Tests mit Kindern stellten Wissenschaftler fest: Bereits Fünfjährige verhalten sich bei Gewinnspielen ähnlich wie Erwachsene. Sie entschieden sich profitorientiert und machten gleichzeitig ähnliche Beurteilungsfehler wie die Großen. Das berichten Wissenschaftler aus Frankreich und Großbritannien im Fachjournal "PLOS ONE".

Das Team um Valérie Dufour vom Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS) in Paris stützt seine Ergebnisse auf ein Experiment mit 288 Drei- bis Achtjährigen. Die Forscher stellten den Kindern folgende Aufgabe: Sie bekamen einen Keks und konnten diesen entweder behalten oder gegen eine von sechs Schalen austauschen. In den Schüsseln war jeweils ein Keks, der größer, kleiner oder genauso groß war wie der, den die Kinder anfangs bekommen hatten.

Verschiedene Kekskombinationen

Die Chance, größere Leckereien zu gewinnen, variierten die Forscher von Runde zu Runde mit Hilfe verschiedener Kombinationen in den Schüsseln. Ein Beispiel: In den sechs Schalen befanden sich drei größere, zwei kleinere und ein gleich großes Plätzchen. Vor jedem Durchgang wurde den Probanden erklärt, wie viele "Gewinner-Schalen" mit größeren Keksen es gibt.

Die Wissenschaftler bezogen nicht in die Studie mit ein, ob die Kinder Hunger hatten oder nicht. Allerdings wurde ihnen die Möglichkeit gegeben, ihre Kekse entweder sofort zu essen - oder sie in einer Tüte aufzubewahren und später zu vernaschen.

Anpassung an Gewinne oder Verluste

Die Drei- und Vierjährigen waren dem Experiment zufolge nicht in der Lage, ihre Gewinnchancen richtig abzuwägen. Kinder, die älter als fünf Jahre waren, konnten die Chancen hingegen meist gut abschätzen, schreiben die Forscher. Sie passten ihr Entscheidungen zudem an vorherige Gewinne oder Verluste an.

Diese Kinder suchten bei dem Spiel das Risiko, heißt es in dem Artikel weiter. Gleichzeitig zeigten sie jedoch auch eine Abneigung gegenüber Verlusten: eine Angst, die bei Erwachsenen zu falschen Entscheidungen - mit Blick auf den höchstmöglichen Gewinn - führen könne.

In gefährlichen Situationen könne die Faustregel "lieber sicher sein als etwas bereuen" ("better be safe than sorry") jedoch auch sinnvoll sein, schreiben die Wissenschaftler. Ganz nach dem Motto: Es ist besser, sicher zu sein und zu glauben, dass in der Nähe ein Tiger lauert, als später den "schlechten Ausgang" der Situation zu bereuen.

Dufour und ihre Kollegen vermuten daher, dass diese Faustregel und andere vermeintliche Beurteilungsfehler in riskanten Situationen einen Überlebensnutzen haben - und dass wir dieses Verhalten schon sehr früh lernen.

nik/dpa

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insgesamt 11 Beiträge
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1.
Frieden ist alles 10.01.2013
Zitat von sysopCorbisDie größtmögliche Leckerei in Aussicht, ließ Kinder zu echten Glücksspielern werden: Wissenschaftler haben ermittelt, dass schon Fünfjährige in der Lage sind, ihre Gewinnchancen richtig einzuschätzen. Die Beute durfte dann direkt verzehrt werden. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/gewinnspiele-schon-fuenfjaehrige-verhalten-sich-clever-a-876864.html
Für mich ist es immer wieder aufs neue erschreckend und bedrückend zu erleben welche Sichtweise Menschen im Bezug auf Kinder haben können. Ich glaube nicht daran das Kinder mit einem Konkurrenzverhalten geboren werden.Es entwickelt sich erst durch Erfahrungen.So ist es für mich auch nicht verwunderlich das 3 bis 4jährige keine Gewinnorientierung verstehen können.Ich halte diese Art der Orientierung für eine Folge von Erfahrungen.Ein Mensch der darauf vertraut das seine Bedürfnisse erfüllt werden,wird sich aus meiner Sicht anders verhalten.Vertrauen ist für mich dabei ein Schlüsselwort,denn gerade dies wird häufig durch Erziehungsmethoden beeinträchtigt.Immer wieder erlebe ich es das Eltern ihre Kinder als "böse" oder "egoistisch" bezeichnen und glauben dem mit autoritärem Verhalten begegnen zu müssen.Erst wenn so mit kindlichen Bedürfnissen umgegangen wird,entsteht aus meiner Sicht das der Kampf darum möglichst viel zu bekommen und dabei auch wenig Interesse am anderen zu zeigen.
2. Das geht auf den Keks
NewHuman 10.01.2013
Und wieder so eine Studie von "Verhaltensökonomen", die die Welt nicht braucht. Wer die Studie gelesen hat, weiß, dass das Hauptergebnis folgendes ist: Schon 5-jährige behalten lieber den Keks in der Hand, wenn die Wahrscheinlichkeit hoch ist, nach dem Keks-Roulette mit einem kleineren Keks nach Hause zu gehen. Die Kinder wollen also nicht so gerne etwas verlieren, wenn sie nicht müssen. Diese "Risikoaversion" spielt auch bei Erwachsenen eine große Rolle. Ökonomen haben dafür nicht viel Verständnis (den Leuten könnte dadurch ja ein eventuell möglicher, größerer Profit entgehen) und bezeichnen ein solches Verhalten als "Beurteilungsfehler". Das allerdings ist wiederum sehr bezeichnend für die Menschensicht der Ökonomen. Es ist tatsächlich immer noch so, dass die Verhaltensökonomie von dem Ansatz ausgeht, dass Menschen Kosten und Nutzen abwägen und letztlich immer den Weg des größten Gewinns oder Nutzens wählen. Mit Inbrunst werden dann Abweichungen oder "Anomalien" mit dem Etikett "Beurteilungsfehler" versehen. Es tut mir wirklich leid, aber als Psychologe geht es mir inzwischen extrem auf den Keks, mit welcher Dreistigkeit sich Verhaltensökonomen in den Medien breit machen können und langsam, schleichend und sicher eine "Deutungshoheit" darüber erlangen, wie Menschen zu betrachten und erklären sind. Es ist für mich völlig unverständlich, warum den sehr spannenden und erhellenden Ergebnissen der modernen wissenschaftlichen Psychologie hier nicht allermindestens der gleiche Raum zugestanden wird. Da geht es dann nicht um den Menschen in ökonomischen Entscheidungssituationen (wie bei der "Verhaltensökonomie"), sondern um den ganzen Menschen in seiner Vielschichtigkeit.
3. Nun, was war wohl das Ziel des Experiments?
karl-heinz kahnt 10.01.2013
Ziel erreicht. War eigentlich etwas anderes zu erwarten? Ganz sicher nicht. - Wie heißt es doch so treffend: Die Antwort - liegt immer schon in der Frage...
4.
silverhair 11.01.2013
Zitat von NewHumanUnd wieder so eine Studie von "Verhaltensökonomen", die die Welt nicht braucht. Wer die Studie gelesen hat, weiß, dass das Hauptergebnis folgendes ist: Schon 5-jährige behalten lieber den Keks in der Hand, wenn die Wahrscheinlichkeit hoch ist, nach dem Keks-Roulette mit einem kleineren Keks nach Hause zu gehen. Die Kinder wollen also nicht so gerne etwas verlieren, wenn sie nicht müssen. Diese "Risikoaversion" spielt auch bei Erwachsenen eine große Rolle. Ökonomen haben dafür nicht viel Verständnis (den Leuten könnte dadurch ja ein eventuell möglicher, größerer Profit entgehen) und bezeichnen ein solches Verhalten als "Beurteilungsfehler". Das allerdings ist wiederum sehr bezeichnend für die Menschensicht der Ökonomen. Es ist tatsächlich immer noch so, dass die Verhaltensökonomie von dem Ansatz ausgeht, dass Menschen Kosten und Nutzen abwägen und letztlich immer den Weg des größten Gewinns oder Nutzens wählen. Mit Inbrunst werden dann Abweichungen oder "Anomalien" mit dem Etikett "Beurteilungsfehler" versehen. Es tut mir wirklich leid, aber als Psychologe geht es mir inzwischen extrem auf den Keks, mit welcher Dreistigkeit sich Verhaltensökonomen in den Medien breit machen können und langsam, schleichend und sicher eine "Deutungshoheit" darüber erlangen, wie Menschen zu betrachten und erklären sind. Es ist für mich völlig unverständlich, warum den sehr spannenden und erhellenden Ergebnissen der modernen wissenschaftlichen Psychologie hier nicht allermindestens der gleiche Raum zugestanden wird. Da geht es dann nicht um den Menschen in ökonomischen Entscheidungssituationen (wie bei der "Verhaltensökonomie"), sondern um den ganzen Menschen in seiner Vielschichtigkeit.
Auch wenn ihre Kritik ein wenig berechtigt ist - das Ergebnis dieses Experiments war einfach - es war kein Experiment was die Kinder testete - sondern die Intelligenz der sog. Forscher! In Fakt wird jedes lebenwesen - sogar eine katze prinziell immer gegen den "Futtergeber" erstmal spielen - den auch die Kinder wußten schon sehr genau das dieser Keks nicht vom "Himmel" fällt, sondern der - wie man sagt "Dosenöffner" die Hoheit darüber hat - und das es prinziell besser ist dann den Keks zu nehmen - als seinen Blöden spielchen weiter zu folgen! Es gab da keine "Gewinnabwägung" einfach -- wenn man interesse hatte den Keks direkt zu essen hat man es gemacht, wenn mal mehr lust an spiel und spaß hatte hat man eben Schalen umgedreht - das machen Katzen genauso - und die haben wohl zwangweise sogar ein höheres Interesse daran ihr Überleben zu sichern! Was hier fehlte war schon mal schlicht die Kontrollgruppe - die zb: keine Sichere "Ernährung" hatte - den nur diese hätte überhaupt einen Anreiz eine solche "Gewinn/Verlust" Strategie überhaupt zu beginnen! Kinder fühlen sich durchaus im allg . sehr "sicher" - sie erwarten nicht das wenn ihnen der Keks fehlt es ihnen irgendwo an etwas mangelt - also spielen sie manchmal dumme spielchen der Erwachsenen mit , manchmal nicht .. daraus aber auf eine Gewinn/Verluststrategie zu schließen ist eher ein Schluss auf die Dummheit der Experimentatoren in diesem Falle! Es gibt durchaus "Spiele" wo Kinder gegeneinander "gewinnen könnten " - aber diese zeigen eher das Kinder schnell begreifen das Kooperation einfach schon deshalb nützlich und Notwendig ist weil man eben drei hebel mit zwei Armen nicht bewegen kann , und das bei Betrug des anderen man eben in der nächsten Runde auch nichts bekommen würde! Aber auch das alles sind keine "Gewinn/Verlust" Strategien, sondern überlebensstrategien - die sich aus den "Erbnissen" letztlich geprägt haben - wer die falsche Strategie zu oft benützt stirbt einfach - hat aber alles mit einem "Abwägen" von Gewinnen/Verlusten nichts zu tun! Aber die Phychologie macht die gleichen Fehler - sie sucht ein "geheimnisvolles Wesen" hinter dem Denken - und vergißt dabei das "Strategien des Überlebens" wenig mit denken oder Vielschichtigkeit zu tun haben - sondern einfach mit der seit Jahrmillionen eintränierten und eingeübten Überlebensfähigkeit selber - das ein "besonderes Denken" dafür nicht notwendig ist - und das sogar viele Tierarten genau die gleichen Strategien ebensogut und oft sogar noch perfekter Bescherrschen .. auch wenn man ihnen kein "Denken und gottähnliche Fähigkeiten" zusprechen will!
5. Na sicher...
Sandkorn2010 11.01.2013
Wenn Studien beweisen, dass der Mensch einfach schon von Kindesbeinen an gewinnorientiert ist, dass kann man ja einfach sagen: "Ich kann nichts dagegen tun. Ich bin nun mal so. Nehmen Sie es mir nicht übel." Bei knapp 98.000 Menschen ist offenbar etwas schief gelaufen, denn sie haben die Pflegepetition "Rosenblätter im Irrgarten" unterzeichnet. Darin geht es u.a. um die Offenlegung der Gewinne von Pflegeheimen. Ganz abgesehen von den Leuten, die - oft bis zur völligen Erschöpfung - in unterbezahlten Helfer-Jobs arbeiten, Pflege, Krankenhaus, Hebammen usw. Wieso, wenn wir doch angeblich alle so gepolt sind, gibt es immer wieder Gegenbeispiele? Erschließt sich mir nicht.
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