Gipfel in Cancún Inselstaaten warnen vor Klima-Desaster

Die Weltklimakonferenz in Cancún geht in die Schlussphase, jetzt haben die Vertreter besonders bedrohter Inselstaaten vor einem Scheitern gewarnt. Auch Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon nimmt die Delegierten mit eindringlichen Worten in die Pflicht: "Je länger wir zaudern, desto mehr müssen wir zahlen."

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon: "Die Natur wartet nicht"
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Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon: "Die Natur wartet nicht"


Berlin/Cancún - Sie werden mit am meisten unter den Folgen des Klimawandels zu leiden haben: Der Meeresspiegelanstieg bedroht vor allem die Existenz vieler kleiner Inselstaaten im Pazifik. Jetzt haben ihre Vertreter auf dem Weltklimagipfel in Cancún eindringlich an die Delegierten appelliert und die Unterhändler zu konkreten Schritten aufgefordert. "Der Ozean, der uns bis jetzt ernährt hat, droht uns nun zu verschlingen", sagte der Präsident des Pazifik-Staats Palau, Johnson Toribiong, am Mittwoch.

Er kritisiert das zähe Vorankommen der Verhandlungen auf dem Gipfel: Der Ernst der Lage sei in den wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und technischen Diskussionen auf der Konferenz teilweise aus den Augen verloren worden, sagte der Präsident des Inselstaates Nauru, Marcus Stephen, als er vor das Plenum trat.

Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) verlangte am Mittwoch in Berlin mehr Engagement: Die mehr als 200 nach Mexiko gereisten Umweltminister und Regierungschefs sollen endlich Bewegung in den Klimagipfel bringen. Wenn nach dem gescheiterten Kopenhagen-Gipfel auch Cancún ohne Fortschritte zu Ende ginge, verlören die Regierungen beim Thema Klimaschutz endgültig ihre Glaubwürdigkeit.

Helfen soll den Inselstaaten eine neue Initiative. Am Mittwoch unterzeichneten dazu unter anderem die Weltbank und das Uno-Entwicklungsprogramm (UNDP) einen entsprechenden Vertrag. Sie sollen den Ländern Unterstützung liefern, ihre Energieversorgung auf umweltfreundliche Technologien umzustellen. UNDP-Chefin Helen Clark sagte, bisher würden die kleinen Inselstaaten rund 30 Prozent ihrer Außenhandelsbudgets für den Import von fossilen Brennstoffen ausgeben. Das könne sich nun ändern. Dadurch würden wiederum dringend nötige Mittel für die Anpassung an den Klimawandel frei.

"Wir folgen heute dem Prinzip, das Elvis in einem seiner Songs begründet hat: 'A little less conversation, a little more action'", sagte Dänemarks Klima- und Energieministerin Lykke Fries. Weniger Gerede, mehr Handlung also. Dänemark will dazu 14,5 Millionen Euro in den Hilfsfonds einzahlen.

Eindringliche Warnung vom Uno-Generalsekretär

Mit Beginn der Ministerberatungen ist die Klimakonferenz jetzt in die entscheidende Phase getreten. Gleich zur Eröffnung der Runde redete auch Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon den Ministern eindringlich ins Gewissen: "Je länger wir zaudern, desto mehr müssen wir zahlen - ökologisch und in Menschenleben", sagte er in seiner ersten Rede vor dem Plenum.

Der Weltklimarat habe klar gezeigt, dass die Emissionen in der nächsten Dekade ihren Höhepunkt überschritten haben müssen. "Um das zu erreichen, brauchen wir hier Ergebnisse." Sicher lasse sich in Cancún kein perfektes Werk erzielen, sagte Ban, es gebe aber durchaus Fortschritte in den Bereichen Waldschutz, Anpassung ärmerer Staaten an die Folgen des Klimawandels, Technologietransfer und Finanzfonds. Ban hatte zuvor Lösungswege seiner hochkarätig besetzten Arbeitsgruppe präsentiert, wie ab dem Jahr 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar (75 Milliarden Euro) Klimahilfsgeld für Entwicklungsländer zusammenkommen könnten.

Nötig seien Fortschritte bei den schwierigen Themen Treibhausgas-Reduktionsziele, Überprüfungsregeln und Zukunft des Kyotoprotokolls. "Lasst uns nicht vergessen: Die Natur wartet nicht, während wir verhandeln", mahnte Ban die Vertreter von über 190 Staaten, darunter rund 20 Staats- und Regierungschefs. In vier Jahrzehnten gebe es voraussichtlich neun Milliarden Menschen auf der Erde und zugleich müsse der Treibhausgasausstoß um 50 Prozent gesenkt werden.

Mit den Verhandlungen auf Ministerebene ist die Klimakonferenz nun in die Schlussphase eingetreten. Teilnehmer beschrieben die Atmosphäre zu Beginn der zweiten Verhandlungswoche allgemein als gut, inhaltlich zeichneten sich am Dienstag jedoch kaum greifbare Ergebnisse ab.

Auch Umweltminister Norbert Röttgens Aussagen zufolge, gehen die Verhandlungen nur zäh voran. Selbst Verfahrensfragen für die letzten Konferenztage seien noch offen. Es sei noch nicht vorauszusagen, ob es ein Ergebnis geben werde oder nicht. Die Atmosphäre sei aber konstruktiv. Keiner wolle erneut erklären, dass man nicht zu einem Ergebnis in der Lage gewesen sei. "Es geht auch darum, ob die Vereinten Nationen ein Handlungsformat zur Lösung dieses globalen Problems darstellen oder nicht."

Länder versuchen, für gute Presse zu sorgen

Auch andere Länder versuchen den Eindruck zu erwecken, sie trügen zum Vorankommen der Klimaverhandlungen bei. "China verfolgt hier keine sehr harte Linie", sagte Ailun Yang von Greenpeace im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Die Regierungsdelegation aus Peking bemühe sich in Cancún darum, für möglichst wenig schlechte Presse zu sorgen. "China hat große Angst davor, dass sich das Szenario von Kopenhagen wiederholen könnte."

Damals war das Land in den Verhandlungen kompromisslos aufgetreten. Im Anschluss des chaotischen Treffens hatte das für zum Teil harsche Kritik gesorgt. Nun sollen Pekings Diplomaten sogar Zustimmung zu einer internationalen Überprüfung ihrer freiwilligen Klimaziele zugesagt haben - wenn sich die Industriestaaten und die USA zu längerfristigen Reduktionen in einem möglichen Nachfolgeabkommen zum Kyoto-Protokoll verpflichten.

Auch aufstrebende Länder wie Indien machten am Rande der Verhandlungen klar, wie wichtig ihnen die Klimaverhandlungen sind - dass es für sie aber auch Grenzen beim Ausbau erneuerbarer Energien gibt. Es sei "verrückte Romantik" zu glauben, dass sein Land den Strombedarf allein daraus bestreiten könne, sagte Indiens Umweltminister Jairam Ramesh bei einer Pressekonferenz.

Man plane zwar den Anteil von Wind-, Sonnen- und kleinen Wasserkraftwerken an der Energieproduktion bis zum Jahr 2030 etwa zu verdoppeln, von acht auf 15 Prozent. Doch vor allem gehe es darum, die Stromerzeugung aus Kohle klimafreundlicher zu machen: "Wir müssen uns in der Zukunft von schmutziger Kohle zu sauberer Kohle bewegen", sagte Ramesh. Das werde auch auf lange Sicht "die Hauptstütze der indischen Stromversorgung" bleiben.

Der Wille ist da

Bundesumweltminister Röttgen erntete in Deutschland herbe Kritik für sein Auftreten in Mexiko. Die Bundesvorsitzende der Grünen, Claudia Roth, warf ihm vor, sich noch vor der heißen Phase in Cancún vor der eigenen Verantwortung für den Ausgang der Verhandlungen wegzuducken: "Mit seinem Gerede von einem 'Risiko des Scheiterns' schraubt er die Erwartungen an die Klimakonferenz bewusst ins Bodenlose und verbreitet Pessimismus", heißt es in einer Erklärung Roths. "Stattdessen sollte Röttgen als Repräsentant der weltweit viertgrößten Volkswirtschaft zusammen mit seinen europäischen Partnern eine starke Vorreiterrolle bei den Verhandlungen spielen."

Etwas zuversichtlicher zeigte sich die parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Gudrun Kopp: "Cancún kann den Weg ebnen zu einem umfassenden neuen Klimaabkommen, dessen Abschluss dann im nächsten Jahr in Südafrika möglich ist", erklärte Kopp am Mittwoch in einer Mitteilung. "Der Einigungswille ist bei vielen Teilnehmern zu spüren." Kopp nimmt als Vertreterin der Bundesregierung neben Umweltminister Norbert Röttgen an den Verhandlungen im mexikanischen Cancún teil.

cib/chs/dpa/dapd

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Aquifex 08.12.2010
1. Ich verstehe es mal wieder nicht...
Zitat von sysopDie Weltklimakonferenz in Cancún geht in die Schlussphase, jetzt haben die Vertreter besonders bedrohter Inselstaaten vor einem Scheitern gewarnt. Auch Uno-Generalsekretär nimmt die Deligierten mit eindringlichen Worten in die Pflicht: "Je länger wir zaudern, desto mehr müssen wir zahlen." http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,733569,00.html
Kleine Inselstaaten haben Angst davor unterzugehen und um etwas dagegen zu unternehmen wird über Zahlungen an diese Inselstaaten verhandelt, damit die keinen Sprit mehr einkaufen müssen!? Wo ist denn da die Logik? 75 Mrd Euro an "Klimahilfgeldern" sollen in Entwicklungslänmder überwiesen werden....!? Leute, steckt das Geld in Desertec! Das bringt was... Wer erklärt mir hier die Zusammenhänge?
Koltschak 08.12.2010
2. Ich erkläre gerne die Zusammenhänge
Zitat von AquifexKleine Inselstaaten haben Angst davor unterzugehen und um etwas dagegen zu unternehmen wird über Zahlungen an diese Inselstaaten verhandelt, damit die keinen Sprit mehr einkaufen müssen!? Wo ist denn da die Logik? 75 Mrd Euro an "Klimahilfgeldern" sollen in Entwicklungslänmder überwiesen werden....!? Leute, steckt das Geld in Desertec! Das bringt was... Wer erklärt mir hier die Zusammenhänge?
Zusammenhang eins: Die "Entwicklungshilfe hat noch nie etwas bewirkt und sie wird auch in diesem Fall nichts, aber auch gar nichts bewirken, eher noch das Gegenteil. Das ist egal. 3% des BSP müssen als "Hilfe" ausgeschüttet werden, Hauptsache das Geld verlässt Deutschland und ist wech! So geht das seit Ende des WW II und so wird es in alle Zukunft weitergehen! Zusammenhang zwei: Es gibt keinen Zusammenhang, aber das schlechte Gewissen, warum auch immer, ist beruhigt. Las ich nicht gerade die Inseln hätten sich entgegen aller Vorhersagen gehoben? Zusammenhang drei: die Angehörigen der "Church of Climate Change" müssen mal wieder Schreckensszenarios an die Wand werfen!
Themostikles 08.12.2010
3. Das ist ganz einfach:
Zitat von AquifexKleine Inselstaaten haben Angst davor unterzugehen und um etwas dagegen zu unternehmen wird über Zahlungen an diese Inselstaaten verhandelt, damit die keinen Sprit mehr einkaufen müssen!? Wo ist denn da die Logik? 75 Mrd Euro an "Klimahilfgeldern" sollen in Entwicklungslänmder überwiesen werden....!? Leute, steckt das Geld in Desertec! Das bringt was... Wer erklärt mir hier die Zusammenhänge?
Seit der industriellen Revolution werden Luft und Wasser fälschlicherweise als freie Güter betrachtet, die niemand bezahlen muß. So konnten Sandoz oder Bayer den Rhein vergiften und die Braunkohleindustrie darf unentgeltlich die Luft als Müllkippe benutzen. Will man das ändern, wegen der Klimafolgen, muß der Verbrauch von Wasser und Luft bezahlt werden. Die Abwälzung der betriebswirtschaftlichen Kosten auf die Allgemeinheit soll volkswirtschaftlich bilanziert und ausgeglichen werden, sonst verarmen die Nationen, ohne zu merken warum. Die Entwicklungsländer, deren Bevölkerung pro Kopf aber in viel geringerem Maß die Luft belastet, fordert für ihr Entgegenkommen bei international verbindlichen Klimaabkommen einen Ausgleich für den Verzicht auf "Entwicklung", das ist aber im Endeffekt Co2-Konsum. Dieser Ausgleich soll dann durch die großen Co2-Exporteure China, USA, Europa bezahlt werden. Das alles ist durchaus vernünftig, weil zwischen den Kosten der Vorbeugung der Verschmutzung und dem Heilen der Folgen der Verschmutzung mehrere Zehnerpotenzen liegen. Wir verhindern also zu verarmen, indem wir den Kiribati ihren Deich und ihre Häuser auf Stelzen bezahlen: so sollte das sein. Es wird so aber nicht werden, weil das Geld in den falschen Kanälen landet. - Aber das ist das Thema Entwicklungshilfe....
hansulrich47 08.12.2010
4. Was für ein Quatsch!
Zitat von sysopDie Weltklimakonferenz in Cancún geht in die Schlussphase, jetzt haben die Vertreter besonders bedrohter Inselstaaten vor einem Scheitern gewarnt. Auch Uno-Generalsekretär nimmt die Deligierten mit eindringlichen Worten in die Pflicht: "Je länger wir zaudern, desto mehr müssen wir zahlen." http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,733569,00.html
Hier geht es doch nur um Umverteilung im grossen Stil. Deiche nutzen den Atollen eh nichts, ganz abgesehen davon dass der Meeresspiegel nicht wirklich steigt. Kann man an der Nordsee sehen! Die "Wissenschaftler", die einen Anstieg berechnet haben, wenn das Arktiseis taut, haben schlicht "vergessen" (keine Ahnung), Eis schwimmt und deshalb hat es Null Effekt. Wenn es mehr regnet (schneit), wachsen die Gletscher auch wieder. Die Jungs aus den Entwicklungsländern wollen nur auf einfache Atr Geld zum kaufen grosser Geländewagen usw.
sample-d 08.12.2010
5. ||||
Zitat von hansulrich47Hier geht es doch nur um Umverteilung im grossen Stil. Deiche nutzen den Atollen eh nichts, ganz abgesehen davon dass der Meeresspiegel nicht wirklich steigt. Kann man an der Nordsee sehen! Die "Wissenschaftler", die einen Anstieg berechnet haben, wenn das Arktiseis taut, haben schlicht "vergessen" (keine Ahnung), Eis schwimmt und deshalb hat es Null Effekt. Wenn es mehr regnet (schneit), wachsen die Gletscher auch wieder. Die Jungs aus den Entwicklungsländern wollen nur auf einfache Atr Geld zum kaufen grosser Geländewagen usw.
Oh, stimmt ..da haben Sie ja was herausgefunden... ich werde es dem DWD weiterleiten - wie kann man denn so was übersehen ?!? ...da hat das mit den Diskussionen bestimmt bald ein Ende...
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