Gletschermumie: Forscher rekonstruieren Ötzis letzte Stunde

Vor rund 5300 Jahren kam Ötzi gewaltsam ums Leben - und seit 20 Jahren versuchen Forscher, die Umstände seines Todes und seines Lebens möglichst genau aufzuklären. Jetzt präsentieren sie eine Theorie darüber, was in der letzten Stunde des Gletschermanns passiert sein könnte.

Künstlerische Nachbildung von Ötzi: Der Gletschermann starb mit Mitte Vierzig Zur Großansicht
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Künstlerische Nachbildung von Ötzi: Der Gletschermann starb mit Mitte Vierzig

Hamburg/Bozen - Der Tod kam während einer Rast zu Ötzi. Der Angreifer ließ ihn einfach liegen, auch später bestattete ihn niemand. Der zu seinem Todeszeitpunkt etwa 46 Jahre alte Mann wurde von einem Pfeil getroffen und dann vermutlich mit einem Keulenschlag getötet. Diesen Verlauf der letzten Stunde im Leben Ötzis hielten die Teilnehmer beim zweiten Weltmumienkongress an der Europäischen Akademie Bozen (Eurac) für den wahrscheinlichsten.

Rund hundert Forscher aus aller Welt hatten nach Informationen der Akademie bei dem Kongress am Wochenende Forschungsergebnisse und Theorien zu Ötzi, der wohl berühmtesten Gletschermumie der Welt, verglichen. "Wir haben jetzt zwar dieses Szenario, aber die Hintergründe für diesen Angriff und die weiteren Umstände bleiben unklar", sagte der Leiter des "Instituts für Mumien und den Iceman" an der Eurac, Albert Zink. "Wir wissen, er hat gejagt, und nehmen mit großer Wahrscheinlichkeit an, dass er kein Hirte war."

Aber nach wie vor sei unklar, weshalb Ötzi in die Höhe von 3200 Metern aufgestiegen sei, was der Grund für den tödlichen Angriff und einen möglicherweise vorausgegangenen Konflikt war. Kurz vor seinem Tod vor 5300 Jahren in den Ötztaler Alpen in Südtirol muss sich der Mann jedenfalls sehr sicher gefühlt haben, vermuten die Forscher. "Er hat eine lange Rast gemacht und ausgiebig gegessen", sagte Zink.

Ein Bergsteigerpaar hatte die Leiche aus der Jungsteinzeit am 19. September 1991 nahe der österreichisch-italienischen Grenze gefunden. Seitdem beschäftigen sich Wissenschaftler mit Ötzi, der tiefgekühlt im Bozener Museum aufbewahrt wird. 2010 wurde das Erbgut des Gletschermannes entschlüsselt - sogar seinen Mageninhalt haben Forscher untersucht. In diesem Jahr haben holländische Künstler Ötzis Gesicht rekonstruiert.

wbr/dpa

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