Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Mäusestudie: Laserlicht entdeckt Hirntumorgewebe

SRS-Mikroskopie eines Glioblastoms: Tumorgewebe erscheint blau Zur Großansicht
Harvard University/ Xie Laboratory

SRS-Mikroskopie eines Glioblastoms: Tumorgewebe erscheint blau

Hirntumoren können nach wenigen Monaten tödlich sein. Operationen sind bislang mäßig erfolgreich: Ärzte müssen krankhafte Zellen im Kopf zurücklassen. Ein neues Mikroskopie-Verfahren hilft bei der Erkennung von Tumorgewebe.

Mit einem neuen Verfahren können Neurochirurgen während einer Hirnoperation Tumorgewebe von gesundem Gewebe unterscheiden. Die noch nicht kliniktaugliche SRS-Mikroskopie könne den Erfolg solcher Eingriffe deutlich verbessern, schreiben US-Mediziner in der Zeitschrift "Science Translational Medicine". Die Forscher testeten den Ansatz an Mäusen mit Hirntumoren und an Gewebe, das von Glioblastom-Patienten stammte.

Glioblastome zählen zu den gefährlichsten Hirntumoren. Nach der Diagnose liegt die durchschnittliche Lebenserwartung bei etwa 18 Monaten. Der kürzlich verstorbene Schriftsteller Wolfgang Herrndorf war daran erkrankt. Der schnelle Tod von Glioblastom-Patienten ist auch damit zu begründen, dass Neurochirurgen nicht genau wissen können, wie viel Gewebe sie an den Randbereichen des Tumors entfernen müssen. Tumorzellen können das umliegende Gewebe zentimetertief infiltrieren. Bei den allermeisten Eingriffen - so zeigen Studien - bleiben Tumorzellen im Gehirn zurück.

"Obwohl sich Operationen von Hirntumoren in vielerlei Hinsicht verbessert haben, ist die Prognose für viele Patienten dürftig - teilweise weil Chirurgen bis zum Ende des Eingriffs nicht sicher sein können, ob sie das gesamte Tumorgewebe entfernt haben", sagt der Neurochirurg Daniel Orringer von der University of Michigan in Ann Arbor. "Wir brauchen bessere Werkzeuge, um Tumore während des Eingriffs zu visualisieren, und die SRS-Mikroskopie ist sehr vielversprechend."

Handliche Geräte

Die Stimulierte Raman-Streuung (SRS) ist nach dem indischen Physiker Chandrasekhara Raman benannt, der den Effekt entdeckte und dafür 1930 den Nobelpreis erhielt. Bei der Raman-Spektroskopie wird ein Material meist mit Laserlicht bestrahlt. Dabei gibt das Spektrum des reflektierten Lichts, die Raman-Streuung, Aufschluss über die Zusammensetzung des Materials.

Bei SRS verrät vor allem die Menge von Lipiden und Proteinen, ob es sich um dichtes Tumorgewebe handelt oder um die übliche graue oder weiße Hirnsubstanz. Mit einer Tiefe von einem Zentimeter und einer Frequenz von 30 Bildern pro Sekunde könne das Verfahren bereits während einer Operation wichtige Hinweise geben.

Die Forscher testeten es zunächst an lebenden Mäusen mit menschlichen Hirntumoren und an Hirngewebe von Glioblastom-Patienten. Dabei verglichen sie es mit der konventionellen histologischen Methode, der HE-Färbung. Die Resultate waren vergleichbar. Noch ist die SRS-Mikroskopie nicht einsatzbereit. Derzeit entwickeln die Forscher zusammen mit Unternehmen handliche Geräte und optimieren das Laserlicht.

boj/dpa

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. ...
Newspeak 10.09.2013
In Einzelfällen ist die Technik sicher hilfreich. Aber was soll der Operateur schon machen, wenn er sieht, daß große Teile des Gehirns infiltriert wurden? Soviele Gehirntumore, die "abgekapselt" wachsen gibt es doch nicht, oder?
2.
Lupetto1 11.09.2013
Man könnte z.B. den Laser immer intensivieren, wenn eine Tumorzelle erkannt wird und den Tumor so wie mit einem Scanner "wegbrennen". Wir haben bereits vor 15 Jahren erfolgreich Tests mit einem sehr ähnlichen System gemacht, aber in Deutschland hat sich niemand gefunden die 15.000 DM f?r einen verbesserten Prototypen auszugeben ...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH





SPIEGEL.TV
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: