Globale Schätzung Zahl der Senioren verdoppelt sich bis 2040

Die Weltbevölkerung wächst unaufhaltsam - und altert zugleich rapide. Laut einer neuen Studie wird sich die Zahl der Menschen über 65 Jahre bis 2040 verdoppeln. Schon bald dürfte es mehr Senioren als Kinder unter fünf Jahren geben.


Die Menschheit wächst und wächst - zwar nicht mehr ganz so rasant wie in früheren Jahrzehnten, aber immer noch schnell. Zugleich stellt sich eine Veränderung ein, die gravierende Probleme verursachen könnte: Die Weltbevölkerung wird im Durchschnitt immer älter, und das mit atemberaubendem Tempo.

Senioren: Ihr Anteil an der Bevölkerung wird voraussichtlich schnell steigen
Celerina Tourismus/Stefan Sieber/gms

Senioren: Ihr Anteil an der Bevölkerung wird voraussichtlich schnell steigen

Der Anteil der Alten steigt derzeit schneller als je zuvor, heißt es in einer neuen Studie des Census Bureau der USA. Mitte 2008 gab es demnach weltweit rund 506 Millionen Menschen im Alter von über 65 Jahren. Bis 2040 werde sich diese Zahl voraussichtlich auf 1,3 Milliarden verdoppeln und dann 14 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen - ein Rekordwert. "Erstmals in der Geschichte wird es bald mehr Menschen über 65 als Kinder unter fünf Jahren geben", heißt es in dem Bericht.

Die Zahl der "ältesten Alten", schreiben die Autoren Kevin Kinsella und Wan He, steige sogar noch schneller - sie werde zwischen 2008 und 2040 wahrscheinlich um 233 Prozent zunehmen. Damit sei diese Gruppe in zahlreichen Staaten die am schnellsten wachsende. Die Forscher sehen auf die Wirtschaftssysteme deshalb einige Probleme zukommen - und das nicht nur in den Industrieländern.

"Die Alterung betrifft jedes Land in jedem Teil der Welt", sagte Richard Suzman vom National Institute on Aging, das den Report in Auftrag gegeben hat. Es gebe zwar wichtige Unterschiede zwischen der ersten Welt und den Entwicklungsländern. "Aber die globale Alterung verändert das soziale und ökonomische Wesen des Planeten. Es stellt uns vor große Herausforderungen." So müssten immer wenige Arbeiter für immer mehr Ruheständler aufkommen - was die Renten- und Gesundheitssysteme belaste.

Weltbevölkerung (in Millionen)

1950 1975 2000 2005 2010 2025 2050
Europa 547 676 727 729 733 729 691
Afrika 227 419 819 921 1033 1400 1998
Asien 1403 2379 3698 3937 4167 4773 5231
Australien 13 21 31 34 36 43 51
Lateinamerika 167 323 521 557 589 670 729
Nordamerika 172 242 319 335 352 398 448
Welt 2529 4061 6115 6512 6909 8012 9150

Quelle: Uno-World Population Prospects (2008 Revision), Statistisches Bundesamt

Ab 2010, so der Bericht, werde der Anteil der Senioren und insbesondere der Über-80-Jährigen in den meisten Industriestaaten und vielen Entwicklungsländern stark ansteigen. Das sei vor allem ein Resultat der hohen Geburtenraten nach dem Zweiten Weltkrieg, aber auch - und immer deutlicher - ein Ergebnis der höheren Lebenserwartung. Da chronische Krankheiten wie Herz- und Kreislaufleiden und Krebs aber weiterhin die vorherrschenden Todesursachen seien, bedeute das riesige Belastungen für die Gesundheitssysteme.

Darunter hätten insbesondere die ärmeren Länder zu leiden. Denn bis 2040, so der Bericht, werden voraussichtlich 76 Prozent der Über-65-Jährigen nicht etwa in den Industrie-, sondern in den heutigen Entwicklungsländern leben. Allerdings wollen die Autoren des Reports nicht nur schwarz malen: "Wenn die Staaten gut planen, könnte eine alternde Bevölkerung auch Chancen für wirtschaftliches Wachstum bieten."

Die Frage ist, ob das geschehen wird. Denn sollten die notwendigen Veränderungen in der Politik ausbleiben, "könnte sich das potentielle ökonomische Wachstum der Europäischen Union bis 2030 halbieren", warnen die Autoren.

mbe/Reuters



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