Archäologen-Fund in Windsor: Das Skelett mit der Goldkette

4500 Jahre altes Grab: Die mysteriöse Frau von Windsor Fotos
Wessex Archaeology

Britischen Archäologen ist ein beeindruckender Fund gelungen: In einem Steinbruch bei Windsor haben sie die 4500 Jahre alten Überreste einer Frau entdeckt. Noch erstaunlicher ist allerdings, was sie mit ins Grab bekommen hat.

Die Cheops-Pyramide und der Steinkreis von Stonehenge waren gerade erst fertiggestellt, als im heutigen England eine Frau auf ihre letzte Reise ging. Jetzt, rund 4500 Jahre später, haben Archäologen in einem Steinbruch in Berkshire nahe Windsor ihre sterblichen Überreste gefunden.

Das Verblüffende an dem Fund an Londons Westgrenze ist nicht nur sein Alter - sondern vor allem, was die Frau mit ins Grab nahm. Um den Hals trug sie eine Goldkette, auf ihrer Hüfte lag ein reich verzierter Krug. Ein solcher Fund ist äußerst außergewöhnlich, wie die Forscher der Grabungsfirma Wessex Archaeology betonen. Selbst der 2002 in Stonehenge entdeckte sogenannte Bogenschütze von Amesbury, dessen Grabstätte als die am reichsten ausgestattete der Bronzezeit gilt, wurde nur mit zwei kleinen goldenen Haarschmuckstücken bestattet.

Die Kette bestand offenbar aus kleinen Goldröhrchen, zwischen denen schwarze Lignit-Scheiben eingeflochten waren. Außerdem fanden die Archäologen in dem Grab auch mehrere durchbohrte Bernsteinkugeln, die möglicherweise als Knöpfe dienten. Von den Knochen der Frau sind nur noch Bruchstücke übrig, alles andere zerfiel im sauren Boden. Die Forscher glauben, dass sie zum Zeitpunkt ihres Todes mindestens 35 Jahre alt war.

"Sie war wahrscheinlich eine hochgestellte Persönlichkeit", sagte Grabungsleiter Gareth Chaffey, der seit sieben Jahren am Steinbruch von Berkshire arbeitet, laut einer Mitteilung von Wessex Archaeology. "Ihr Stand hat ihr vielleicht Zugang zu prestigeträchtigen, seltenen und exotischen Gegenständen erlaubt." Möglicherweise habe man es sogar mit einer Königin zu tun.

Die Frau gehörte nach Angaben der Forscher ebenso wie der Bogenschütze von Amesbury zur sogenannten Glockenbecherkultur. Sie war von etwa 2600 bis 2200 vor Christus in Europa verbreitet, auf den britischen Inseln hielt sie sich etwa 400 Jahre länger. Eine Datierung der stark zerstörten Knochen der Frau mit Hilfe der Kohlenstoff-14-Methode sei aber nicht mehr möglich gewesen, so die Archäologen. Das Alter des Grabs haben sie deshalb anhand der Beigaben auf die Zeit zwischen 2500 bis 2200 vor Christus bestimmt.

Stuart Needham, ein Experte für Metallarbeiten aus der Kupferzeit, zeigte sich beeindruckt von dem Fund seiner Kollegen. "Es sind praktisch keine Gräber der Glockenbecherkultur in Südostengland bekannt, und nur ein geringer Teil enthält Goldschmuck." Die Entdeckung habe deshalb große Bedeutung für die Forschung.

mbe

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insgesamt 15 Beiträge
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1. Grabbeigaben
pförtner 22.04.2013
Da ist nichts erstaunlich! Ich habe die Ohrringe ( Gold ) meiner Mutter, welche sie sich zu meiner Geburt gekauft hatte ,auch mit ins grab gegeben.
2. soso
elgitano 22.04.2013
"Es sind praktisch keine Gräber der Glockenbecherkultur in Südostengland bekannt, und nur ein geringer Teil enthält Goldschmuck." Hmmmmm, wie soll man/frau/ich das verstehen? Und dann an der Beigabe datiert, da wirds aber schwammig.
3. Aber ich kann mir vorstellen...
ratxi 22.04.2013
Zitat von pförtnerDa ist nichts erstaunlich! Ich habe die Ohrringe ( Gold ) meiner Mutter, welche sie sich zu meiner Geburt gekauft hatte ,auch mit ins grab gegeben.
Nein, aber erstaunlich ist die Art des Schmucks. Warum er mit begraben wurde, erfährt man eh nicht. Aber ich kann mir vorstellen, dass Art und Umfang der Beigaben interessante Rückschlüsse zulassen auf die Fähigkeiten der Menschen jener Zeit, etwas zu gewinnen oder herzustellen. Ich bin ja Laie, aber ich finde solche Funde jedes Mal äusserst aufregend...
4. Berkshire - Windsor, Berkshire nahe Windsor, Steinbruch von Berkshire? Ja, was denn n
post-an-spon 22.04.2013
wenn es Windsor ist, ist es die Grafschaft Berkshire, also Windsor in Berkshire. Und dann ist es auch nicht der Steinbruch von Berkshire. Es sei denn, die haben in der ganzen Grafschaft nur diesen einen. SpOn: ab und an mal googleEarth benutzen!
5.
hirnschlacht 22.04.2013
Zitat von pförtnerDa ist nichts erstaunlich! Ich habe die Ohrringe ( Gold ) meiner Mutter, welche sie sich zu meiner Geburt gekauft hatte ,auch mit ins grab gegeben.
Ich bitte sie! Der Vergleich hinkt doch. In meiner Reisegruppe zur Cheops-Pyramide waren Amerikaner. Einer sagte übersetzt: Langweilig! Das Empire State Building ist doch viel höher. Allen Respekt ihrer Mutter gegenüber, aber hätte sie Mondgestein als Beigabe, wäre dies in 4000 Jahren vergleichbar spektakulär
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Archäologische Methoden der Datierung
Radiokarbondatierung
Das radioaktive Kohlenstoffisotop C-14 wird in der Atmosphäre ständig durch kosmische Strahlung erzeugt und gelangt in Form von Kohlendioxid (CO2) in die Biosphäre. Pflanzen, die CO2 aufnehmen, werden von Tieren und Menschen gegessen. Sie enthalten eine niedrige Aktivität, die überall und über lange Zeiträume gleich ist. Stirbt ein Lebewesen, nimmt es kein C-14 mehr auf und die Aktivität klingt in 5730 Jahren um die Hälfte ab. Je älter ein Fund, desto geringer seine Aktivität. Man kann damit bis zu einem Alter von circa 50.000 Jahren datieren.
Lumineszenzdatierung
Sie beruht auf einem Strahlenschaden durch die fast überall vorhandenen radioaktiven Elemente Uran, Thorium und Kalium. Die Halbwertszeiten der Radionuklide dieser Elemente sind so lang, dass man von einem konstanten Radioaktivitätspegel ausgehen kann. Als Sensoren für die Strahlenschäden verwendet man meist Quarz und Feldspäte, die in Keramik und in Sedimenten immer vorhanden sind. Diese Minerale senden Licht aus, wenn sie erhitzt werden (Thermolumineszenz) oder beleuchtet werden (optisch stimulierte Lumineszenz). Je älter die Keramik, desto stärker das Leuchten.
Stratigraphie
Über die Stratigraphie wird das Alter eines Gegenstands anhand der Erdschicht bestimmt, in der er vorgefunden wurde. Die Schichten (lateinisch Straten) entstehen durch natürliche Ablagerungen und menschliche Aktivitäten. Die Stratigraphie kann deshalb gut mit den anderen Methoden kombiniert werden. Wurde beispielsweise ein Holzstück mit der C-14-Methode präzise datiert, kennt man auch das Alter eines Fundstücks, das in direktem Zusammenhang in derselben Erdschicht lag.