Glücksbringer Leistungsdruck fördert den Aberglauben

Der Mensch hat eine Schwäche für Magie und Aberglaube, aller Vernunft zum Trotz. Unter welchen Umständen Menschen auf Glücksbringer vertrauen, haben Forscher untersucht.

Ein Hase für den Erfolg: Wer besser sein will als andere, setzt eher auf einen Glücksbringer
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Ein Hase für den Erfolg: Wer besser sein will als andere, setzt eher auf einen Glücksbringer


Ein Glücksarmband für den Sieg des eigenen Teams im Turnier, ein Stofftier, um als Bester einen Test zu absolvieren. Ob Menschen auf Glücksbringer setzen, hängt vor allem davon ab, was sie erreichen wollen: Wollen wir besonders gut vor anderen abschneiden - dann setzen wir auf einen Talisman und dergleichen. Geht es nur darum, ein persönliches Lernziel zu erreichen, lassen wir derlei Schnickschnack eher weg. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher in einer Studie im Fachmagazin "Personality and Social Psychology Bulletin".

Eric Hamerman von der Tulane University und Carey Morewedge von der Boston Universität testeten das Bedürfnis nach Glücksbringern in sechs Versuchen mit je 90 bis 260 Teilnehmern. Probanden sollten verschiedene Fragen beantworten und Videospiele bewältigen. So wollten die Forscher herausfinden, wann und ob Menschen zu abergläubischem Verhalten tendieren.

Avatar mit Laborkittel

Für den Videospielversuch teilten Hamerman und sein Team die Probanden in zwei Gruppen. Die eine Gruppe sollte vorab Videospiele spielen und merkte während des Versuchs, dass ein bestimmter Avatar fast alle Spiele gewinnen konnte, während ein anderer eher verlor. Der erfolgreiche Avatar war ein männlicher Teenager, der andere ein männlicher Wissenschaftler mit Laborkittel.

Nach dieser kleinen Anlernphase wurden die Gruppen neu gemischt und bekamen eine Aufgabe - ein Wissenschafts-Quiz. Der eine Teil sollte dabei vor allem das eigene Wissen verbessern (Lernziel), der andere besser sein als die anderen Teilnehmer (Leistungsziel).

Das Ergebnis: Unter den Probanden mit dem Leistungsziel setzten die Angelernten eher auf den männlichen Teenager-Avatar als die aus der unwissenden Kontrollgruppe. Jene mit Lernziel hatten dagegen keinerlei Vorlieben für einen Avatar, egal, ob sie bereits positive Erfahrungen mit dem männlichen Teenager gesammelt hatten oder nicht.

Weitere Tests kamen alle zu ähnlichen Ergebnissen: Verfolgten die Probanden ein Leistungsziel, setzten sie eher auf einen Glücksbringer. Wenn sie hingegen ein Lernziel erreichen wollten, verließen sie sich eher aufs eigene Geschick.

Die Forscher schließen daraus, dass sich Menschen vor allem dann auf Glücksbringer verlassen, je unsicherer es ist, ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Und dann nütze der Glücksbringer zumindest für eins: Er schenke Zuversicht.

khü

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
mrotz 26.01.2015
1.
Die Durchführung der Studie ist Hahnebüchen. Sowohl Methodik als auch Interpretation.
syracusa 26.01.2015
2.
Zitat von mrotzDie Durchführung der Studie ist Hahnebüchen. Sowohl Methodik als auch Interpretation.
Wenn Sie Ihre harte Kritik auch nur ein klein wenig begründen könnten, dann könnte man ja darüber diskutieren. So bleibt mir nur die Feststellung: die Studie ist einwandfrei durchgeführt worden, die Methode war geeignet, den Untersuchungsgegenstand zu erforschen, und die Interpretation des Ergebnisses lässt keine Zweifel offen.
pauleschnueter 26.01.2015
3. Was ist Aberglaube?
Ich mag diese Bezeichnung nicht. Als wäre es vernünftiger Sonntags in die Kirche zu gehen. Da klopfe ich doch lieber dreimal auf Holz oder werf' Salz über die Schulter. Toi Toi Toi. Der große Karl Marx hat es doch schon gut gesagt: Religion ist Opium fürs Volk!
mrsa 26.01.2015
4.
Zitat von syracusaWenn Sie Ihre harte Kritik auch nur ein klein wenig begründen könnten, dann könnte man ja darüber diskutieren. So bleibt mir nur die Feststellung: die Studie ist einwandfrei durchgeführt worden, die Methode war geeignet, den Untersuchungsgegenstand zu erforschen, und die Interpretation des Ergebnisses lässt keine Zweifel offen.
So wie die Studie hier vorgestellt wird, würde ich auch andere Schlüsse daraus ziehen, nämlich: 1. dass die Probanden lernfähig sind (der jugendliche Avatar gewann häufiger, unter Konkurrenz werden die Chancen für den Gewinn also erhöht); 2. dass die Probanden abstraktionsfähig sind und zwischen Situationen mit und ohne Konkurrenz unterscheiden können (für das Erreichen der eigenen Lernziele ist der Avatar bedeutungslos). Leider ist es aber häufig so mit den Studien in den Medien und in der Politik (und gelegentlich auch bei den Forschern selbst), es wird nicht zwischen dem Ergebnis (Beschreibung der Beobachtungen) und der Interpretation der Daten unterschieden. In einigen Fällen widersprechen auch mal die Daten der daraus abgeleiteten Aussage oder andere Interpretationsmöglichkeiten werden übersehen. Ob dies hier zutrifft, ist aufgrund der wenigen Informationen allerdings nicht zu beurteilen.
mrotz 26.01.2015
5.
Zitat von syracusaWenn Sie Ihre harte Kritik auch nur ein klein wenig begründen könnten, dann könnte man ja darüber diskutieren. So bleibt mir nur die Feststellung: die Studie ist einwandfrei durchgeführt worden, die Methode war geeignet, den Untersuchungsgegenstand zu erforschen, und die Interpretation des Ergebnisses lässt keine Zweifel offen.
1. wenn ein Avatar signifikant öfter gewinnt als der andere, so ist hier ein offensichtlicher schummelfaktor. ob real oder vermeintlich, ist egal. 2. es ist rational richtig, den Schummelavatar im 2. Test (auch am pc!!) zu bevorzugen, wenn man gewinnen will, da man einen einfluß (schummeln) nicht ausschließen kann. es ist damit nicht gezeigt, daß der avatar als glücksbringer diente. ein glücksbringer im herkömmlichen sinne, ist meist z.b. der erste teddybär et al. und transportiert (persönliche) emotionen, wird aber nicht aus rationalen gründen gewählt. (oder ist etwa doping ein glücksbringer?) mfg
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