Jerusalem Archäologen öffnen Jesus-Grabkammer

Das Grab, aus dem Jesus nach christlichem Glauben auferstand, liegt in Jerusalem. Archäologen haben jetzt die Marmorplatte entfernt, die es verschließt. Der Raum darunter war gar nicht leer.

AP/ National Geographic/ Dusan Vranic

Die Grabeskirche in Jerusalems Altstadt gilt als heiligste Stätte des Christentums. Nach christlichem Glauben steht sie am Ort der Kreuzigung von Jesus Christus. Hier soll Jesus nach seinem Tod begraben worden sein, um nur wenige Tage später wieder aufzuerstehen.

Über dem eigentlichen Grab aus Marmor im Innern der Kirche steht eine kleine Kapelle. Diese sogenannte Ädikula wird derzeit restauriert. Bei diesen Arbeiten haben Archäologen nun die Marmorplatte beiseitegeschoben, unter der sich das leere Grab befinden soll.

Doch das Grab war nicht wirklich leer. Unter der Platte fanden die Forscher zunächst Geröll. Als sie dieses entfernt hatten, stießen sie auf eine weitere Marmorplatte.

"Weißliche Schicht"

"Wir sind erstaunt, welche Menge Füllmaterial wir gefunden haben", sagte der Archäologe Fredrik Hiebert. Er beteiligt sich im Auftrag des Magazins "National Geographic" an der Restaurierung. An den Arbeiten sind zudem Experten aus Griechenland beteiligt.

In die unter der Geröllschicht entdeckte Platte ist laut Hiebert ein kleines Kreuz graviert, sie soll aus dem 12. Jahrhundert stammen. Die Platte ist in der Mitte zerbrochen, darunter befindet sich den Angaben zufolge eine "weißliche Schicht". "Ich glaube nicht, dass das schon der originale Felsen ist", sagte der Archäologe. "Wir müssen wohl noch weiter graben."

Nach christlichem Glauben war ein in den Kalkstein gehauenes Grab die letzte Ruhestätte von Jesus. Doch schon drei Tage nach seinem Tod am Kreuz soll er aus dem Grab auferstanden sein. Frauen, die sein Grab besuchten, fanden es leer vor.

Kirche für Besucher weiter geöffnet

Die Forscher hoffen, bei ihren Grabungen jenen Felsen zu finden, in dem sich das einstige Grab von Jesus befand. Seit dem Jahr 1555, womöglich auch schon Jahrhunderte früher, ist die Stelle mit Marmor umkleidet. Darüber befindet sich die Kapelle.

Um christlichen Pilgern weiterhin Zugang zur heiligen Stätte zu gewähren, dürfen die Archäologen und Restauratoren nur abends und nachts arbeiten. Die Grabeskirche in Jerusalem wird von den griechisch-orthodoxen, römisch-katholischen und armenisch-orthodoxen Kirchen gemeinsam verwaltet, hinzu kommen Vertreter dreier weiterer christlicher Gemeinschaften.

Die Restaurierung der Ädikula mit dem darunter befindlichen Jesus-Grab läuft noch bis zum Frühjahr 2017.

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hda/AP

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