Antike Schätze: Grabräuber nutzen Ägyptens politisches Chaos

Aus Dachschur berichtet

Wertvolle Altertümer: Ägyptens neue Grabräuber Fotos
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Ägyptens kulturelles Erbe ist in Gefahr: Als Folge des politischen Chaos im Land werden bedeutende archäologische Schätze nicht mehr ausreichend bewacht. Räuber räumen jahrtausendealte Grabkammern leer - die Behörden sind überfordert.

Ein paar hundert Meter entfernt von den Pyramiden in Dachschur ist der sandig-braune Boden zerlöchert. Dutzende offene Schächte führen in die Tiefe, manche bis zu sieben Meter: Hier waren Grabräuber am Werk. Unter der Erdoberfläche liegt in Dachschur einer der ältesten Friedhöfe Ägyptens - Gräber, möglicherweise voller Schätze aus der Pharaonenzeit. Archäologen haben sie teilweise kartografiert, aber noch nicht freigelegt. Ähnlich sieht es vielerorts in Ägypten aus.

Hochkulturen von den Pharaonen über die Römer, Griechen, Kopten und Fatimiden haben überall im Land Spuren hinterlassen. Längst sind nicht alle Schätze entdeckt und geborgen. Grabräuberei war schon immer ein Problem, mit dem Ägypten zu kämpfen hatte - doch seit der Revolution 2011 "hat dieses Phänomen noch weiter zugenommen", klagt Abdel-Halim Nur el-Din, Professor für Archäologie und Ex-Chef der ägyptischen Altertümerbehörde. "Wir verlieren stückweise unser Kulturerbe."

Die Diebesbanden plündern ungestört

Schon im Januar 2011 wurde das berühmte Ägyptische Museum in Kairo geplündert; Randalierer zerstörten unbezahlbare Schätze. Doch auch fernab der Hauptstadt gehen Relikte aus der Vergangenheit für immer verloren. Der Grund dafür ist die mangelnde Überwachung der historischen Stätten: Nach den Aufständen hatte sich der repressive Sicherheitsapparat überall zurückgezogen.

Zweieinhalb Jahre später lassen sich die Polizisten nun langsam wieder in den Straßen blicken. Doch sie sind hauptsächlich mit den immer wieder stattfindenden Protesten beschäftigt. Anderswo benehmen sich einige Ägypter, als ob es den Staat und seine Gesetze nicht mehr gäbe.

In Dachschur stehen mittlerweile zwei gepanzerte Fahrzeuge der Armee bei den Pyramiden, um Grabräuber abzuschrecken. Doch bisher sind die Diebe recht unerschrocken am Werk. "Wir wollten sie stellen", sagt ein Wächter in Dachschur, der namentlich nicht genannt werden will. "Doch dann haben sie mit automatischen Gewehren das Feuer auf uns eröffnet." Der Wächter und seine Kollegen waren nur mit kleinen Pistolen bewaffnet. Sie sprangen in Deckung, die Grabräuber plünderten weiter.

Die Banden gehen immer dreister vor. Bei den Pyramiden von Sakkara rückten sie mit Waffen an und räumten ein Lagerhaus des ägyptischen Staates aus. Es enthielt nach Angaben des zuständigen Abteilungsleiters der Altertümerbehörde unter anderem kleine Statuen. Selbst in den Touristenhochburgen Assuan und Luxor kam es zu illegalen Ausgrabungen. Die Experten gehen davon aus, dass es sich um organisierte Banden handelt. Statt Schaufeln setzen manche von ihnen auch kleine Bagger ein.

"Antiquitätendiebstahl ist ein sehr profitables Geschäft", sagt Abdel-Halim Nur el-Din. "Die Regierung muss es zur Priorität machen, die illegalen Ausgrabungen zu unterbinden." Es gehe erst einmal nur darum, die Altertümer zu bewachen. Für alles andere, Ausgrabungen oder Restaurierungen, sei sowieso kein Budget da.

Die gestohlenen Antiquitäten sind unwiederbringlich verloren

In der Altertümerbehörde hat man an diesem Tag noch ganz andere Sorgen. Der Strom ist ausgefallen, mal wieder. Die Angestellten sitzen im Dunkeln, die Computer sind aus, auch die Klimaanlage, und das bei 43 Grad. Osama Mustafa Elnahas leitet die Abteilung zur Rückführung von Antiquitäten. Er weiß, dass die illegalen Ausgrabungen mittlerweile überall im Land stattfinden. "Sie sind seit der Revolution zu einem alltäglichen Phänomen geworden", sagt er.

Das ganze Ausmaß der Plünderungen kennt man selbst in der Altertümerbehörde nicht. Die Amerikanerin Deborah Lehr vom Think-Tank Paulson Institute in Chicago hat vorgeschlagen, der ägyptischen Regierung mit amerikanischen Satellitenaufnahmen bei der Aufklärung zu helfen. Doch bisher stecken diese Pläne in der ägyptischen Bürokratie fest.

Was bereits gestohlen wurde, ist für wohl für immer verloren. Die ägyptischen Experten gehen davon aus, dass viele der Antiquitäten im Ausland und in internationalen Auktionshäusern landen werden - unerreichbar für Kairo. "Wenn wir ein Kunstwerk zurückhaben wollen, müssen wir zeigen, dass das Objekt in Ägypten als gestohlen registriert wurde", sagt Elnahas. Doch bis zur Registrierung der Grabbeigaben kommen die Behörden meist gar nicht - die Grabräuber sind schneller.

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1.
gr89 31.07.2013
Zum Glück befinden sich einige ägyptische Altertümer in aller Welt, in Ägypten werden diese keine lange Lebenszeit mehr haben. Bei einem Besuch in Luxor vor einigen jahren hatte ich mich bereits gewundert wie niedrig die offentsichtlichen Sicherheitsvorkehrungen dort sind, da sind die durchschnittlichen Kunsthallen hier in Deutschland besser gesichert. Falls da mal bewaffnete ins Museum reinmarschieren oder Fanatiker Feuer legen/eine Bombe zünden (ein unter Mursi freigelassener Islamist, der schon an der Sprengung der Buddahstatuen in Afghanistan beteiligt war, durfte vor einiger Zeit im ägyptischen Fernsehen seine Anhänger zur Zerstörung der Sphinx aufrufen) sind Teile der schönsten Altertümer für immer verloren. Bei Zeiten sollte man darüber nachdenken ob man nicht internationale Kulturschätze in Kriesenzeiten in ein neutrales Land auslagert und nach dem Ende solcher Unruhen dann zurückführt.
2. Ein geduldeter Prozess
Baldur Springer 31.07.2013
Zum einem wurde unter Mursi den Schätzen ein nicht ganz so hoher Stellenwert zugestanden, einige Sprachen von wertlosen Figuren, andere davon, sie müssten verhüllt werden, schließlich gab es sogat Forderungen, die Pyramiden nieder zu reißen. Zum Anderen hat man mit dem Abzug von Sicherheitspersonal überall in Ägypten den Eidruck bestehender Sicherheit vortäuschen wollen. Es bleibt zu hoffen, daß die neue Regierung schnellstens den Schutz dieses genialen Welterbes wieder garantiert.
3. Der Markt machts
spon-facebook-10000116459 31.07.2013
Hätten die illegal ausgegrabenen Antiken keinen Markt im Westen (und zunehmend wohl auch in anderen Ländern), wäre den barbarischen Zerstörungen schon mal viel Elan genommen. Hier müssen endlich wirksame Regulierungen des Antikenhandels her, die halbseidenen "Selbstverpflichtungen" des Handels, die keiner kontrollieren kann reichen da nicht aus!!!
4.
gr89 31.07.2013
Zitat von spon-facebook-10000116459Hätten die illegal ausgegrabenen Antiken keinen Markt im Westen (und zunehmend wohl auch in anderen Ländern), wäre den barbarischen Zerstörungen schon mal viel Elan genommen. Hier müssen endlich wirksame Regulierungen des Antikenhandels her, die halbseidenen "Selbstverpflichtungen" des Handels, die keiner kontrollieren kann reichen da nicht aus!!!
So nicht ganz richtig, der Markt im Westen wird einige gestohlene Stücke eher noch retten. Gold selbst zählt in der Region ziemlich viel und da nicht wenige Stücke daraus gemacht sind, oder nur damit überzogen wurden würde man keine Sekunde lang zögern die Stücke einzuschmelzen. Vor allem da dann die Herkunft verschleiert ist.
5.
dongerdo 31.07.2013
Zitat von sysopDPA/ Ministery of Antiquities AffairsÄgyptens kulturelles Erbe ist in Gefahr: Als Folge des politischen Chaos' im Land werden bedeutende archäologische Schätze nicht mehr ausreichend bewacht. Räuber räumen jahrtausendealte Grabkammern leer - die Behörden sind überfordert. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/grabraeuber-in-aegypten-nutzen-politisches-chaos-a-913887.html
Sehr Unschön aber so alt wie die Grabräuberei selbst - schon immer mussten in Zeiten politischer Unruhe zu allererst (profitable) Kulturgüter dran glauben.... Seit den Zeiten der Ägyptischen Hochkulturen waren Zeiten politischer Unruhe fast immer mit deratigen Verlusten verbunden - genauso wie immer wieder auftretende Zerstörungen unwiderbringlicher Schätze bei politischen Umbrüchen ist dies ein altbewährtes Prinzip. Dies ist kein Problem Ägyptens und braucht auch nicht zu einem konstruiert zu werden - die Kombination aus Armut, Zeit und Gelegenheit liefert so ein Ergebnis in jedem Land der Welt
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Bevölkerung: 81,121 Mio.

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Staatsoberhaupt:
Abd al-Fattah al-Sisi

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