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Entdeckung der Gravitationswellen: Am Anfang war die Torte

Schon vor der offiziellen Verkündung erfuhr die Welt durch ein Foto vom Nachweis der Gravitationswellen. Zu sehen war eine Torte. Nicht das erste Mal, dass eine wissenschaftliche Entdeckung durch Süßkram bekannt wurde.

Klar, sie waren aufgeregt. Und wie. Dennoch hatten die mehr als tausend Forscher dichtgehalten.

Auf einem halben Dutzend Pressekonferenzen wollten sie schließlich am Donnerstag um genau 16.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit gleichzeitig die Sensation verkünden: Erstmals hatten sie die einst von Einstein postulierten Gravitationswellen auch tatsächlich nachweisen können. (Lesen Sie die ganze Geschichte dazu hier im SPIEGEL)

Gerüchte gab es schon vor der offiziellen Verkündung - doch durch eine Torte erfuhr die Welt, dass diese auch tatsächlich zutrafen. Die Astrophysikerin Erin Ryan, die für die University of Maryland am Goddard Space Flight Center der Nasa sitzt, kam den offiziellen Reden mit einem Tweet zuvor. Er zeigte, etwa eine Viertelstunde vor Beginn der Pressekonferenzen, eine rechteckige Torte. Darauf zu sehen waren das Bild zweier fusionierender Schwarzer Löcher - und die Gravitationswellen, die dabei abgestrahlt werden.

Darunter und darüber prangte ein Spruch, der den ersten direkten Nachweis dieser Wellen feierte:

Für Medien ist bei wichtigen wissenschaftlichen Entdeckungen eine sogenannte Sperrfrist üblich. Das heißt, dass Journalisten das Material schon etwas vorher bekommen. So können sie möglichst akkurate Artikel vorbereiten. Sie verpflichten sich im Gegenzug, die Informationen nicht zu früh zu veröffentlichen. So war es auch im Fall der Gravitationswellen-Pressekonferenzen. Doch für die Wissenschaftler, die nicht an der Publikation beteiligt sind, gilt diese Sperrfrist nicht - und so konnte Erin Ryan ihr Bild twittern.

Später verteidigte sie sich im Netz, eigentlich sei die Sperrfrist ja auch bereits mit dem Auftrag an die Bäckerei gebrochen worden. Außerdem hätte auch mindestens ein Kollege ein Bild der Torte vorab ins Netz gestellt. Und dann sei da noch der Wissenschaftler gewesen, der in der vergangenen Woche mit einer E-Mail Informationen gestreut habe.

Insgesamt sei es auffällig, dass sich die Aufmerksamkeit auf die einzige Frau konzentriere, die Informationen vor der Pressekonferenz veröffentlicht habe, beklagte Ryan. Bei den männlichen Kollegen würde sich niemand aufregen.

Erklärvideo: Was Sie über Gravitationswellen wissen sollten

SPIEGEL ONLINE / Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik
Die Suche nach Gravitationswellen dauerte Jahrzehnte - insofern scheint es ziemlich nebensächlich, wenn die Verkündung der Ergebnisse durch ein Foto um 16 Minuten vorweggenommen wird. Aber das Nachrichtengeschäft ist sehr schnell. Bei der ersten Meldung können Sekunden zählen. Deswegen schauen Medien sehr genau darauf, wer was wann veröffentlicht. Doch am Ende wird die Tortengeschichte als kuriose Fußnote eines für die Physik revolutionären Tages in die Geschichte eingehen.

Aber eben auch nicht als weniger. Denn dass eine wissenschaftliche Entdeckung nicht durch einen übereifrigen Journalisten vor der Zeit herausgeblasen wird, sondern durch ein Bild von Backwerk, das ist dann eben doch etwas Besonderes.

Allerdings ist es nicht das erste Mal, dass Ryan mit einem Torten-Tweet für Aufregung sorgt. Bereits im September 2013 hatte sie ein Foto geteilt, auf dem ein halb aufgegessenes Gebäckstück zu sehen war. Und auch damals war das früher, als einigen Kollegen lieb war.

Die Torte feierte den Fund der organischen Verbindung Propen auf dem Saturnmond Titan durch die Sonde "Cassini" - zwei Stunden vor der offiziellen Veröffentlichung der Ergebnisse in einem Fachmagazin. Ryan wurde von ihren Chefs ermahnt, so sagte sie der "Washington Post", doch mal für eine Weile die Finger von Twitter zu lassen.

Im Stillen dürften ihre Vorgesetzten allerdings vielleicht auch froh über die Aufmerksamkeit gewesen sein - denn durch das Bild interessierten sich viel mehr Menschen für die Geschichte als durch eine Pressemitteilung allein.

Ach ja, bleibt noch eine Frage: Wie hat der Kuchen eigentlich geschmeckt, der am Donnerstag für so viel Aufregung sorgte? Sehr lecker sei er gewesen, ließ Ryan im Anschluss an die Feiern wissen.

Animation: Was sind Gravitationswellen?

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chs

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insgesamt 41 Beiträge
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1. Was bedeutet nun
albertaugustin 13.02.2016
dieser Nachweis für "Otto-Normalverbraucher" ? Und welche Auswirkungen hat diese Entdeckung auf unser tägliches "Erden-Leben" ? Das Kuchenrezept würde mich auch noch interessieren !
2.
Fred the Frog 13.02.2016
Zitat von albertaugustindieser Nachweis für "Otto-Normalverbraucher" ? Und welche Auswirkungen hat diese Entdeckung auf unser tägliches "Erden-Leben" ? Das Kuchenrezept würde mich auch noch interessieren !
Die Auswirkungen auf das tägliche Leben sind vermutlich größer, als Sie es sich je erträumen lassen. Nicht unbedingt auf unser Leben,sondern auf das unserer nachfahren. Mithilfe von Gravitationsteleskopen wird es möglich, detailliert in Bereiche des Alls zu schauen, wo nur "schwarze" Materie den Raum zusammenhält. Damit wird man dem Verständnis von Materie und Energie, Raum und Zeit, Vakuum und leerem Raum einen Riesenschritt näher kommen. Vielleicht ist "Antigravitation" möglich, vielleicht gibt es tatsächlich Wurmlöcher und Reisen in ferne Galaxien weren denkbar. Manchmal finde ich es schade, so früh in der Menschheitsgeschichte zu leben.
3.
rigel420 13.02.2016
Zitat von albertaugustindieser Nachweis für "Otto-Normalverbraucher" ? Und welche Auswirkungen hat diese Entdeckung auf unser tägliches "Erden-Leben" ? Das Kuchenrezept würde mich auch noch interessieren !
Es untermauert noch einmal die Funktion Ihres GPS. Ohne Raum-Zeit-Krümmung würds anders laufen. Für den sinnvollen Gebrauch ist dann wieder Ihr "Otto-Normalo" zuständig: Fähre finden auf den Meter genau - OK. Aber dann bitte warten, bis die Fähre auch da ist. Sonst gibts auch Wellen. Allerdings ganz, ganz wenig in der Raumzeit.
4.
hundini 13.02.2016
Zitat von Fred the FrogDie Auswirkungen auf das tägliche Leben sind vermutlich größer, als Sie es sich je erträumen lassen. Nicht unbedingt auf unser Leben,sondern auf das unserer nachfahren. Mithilfe von Gravitationsteleskopen wird es möglich, detailliert in Bereiche des Alls zu schauen, wo nur "schwarze" Materie den Raum zusammenhält. Damit wird man dem Verständnis von Materie und Energie, Raum und Zeit, Vakuum und leerem Raum einen Riesenschritt näher kommen. Vielleicht ist "Antigravitation" möglich, vielleicht gibt es tatsächlich Wurmlöcher und Reisen in ferne Galaxien weren denkbar. Manchmal finde ich es schade, so früh in der Menschheitsgeschichte zu leben.
Das dachte der Neandertaler auch als das Rad erfunden wurde. Und wo ist Neandertaler heute...:D
5. Wenn der Druck zu groß wird....
g32 13.02.2016
http://www.nature.com/news/hunt-for-gravitational-waves-to-resume-after-massive-upgrade-1.18359 “The first detections will be quite dramatic for us,” says Rainer Weiss, a theoretical physicist at the Massachusetts Institute of Technology in Cambridge who was one of LIGO’s founders. “The first thing we will need to sort out is whether we truly believe what we are seeing.” Having detectors on different continents is crucial for providing a rough estimate of the origin of the waves, says Fulvio Ricci, a physicist at the Sapienza University of Rome and the spokesperson for Virgo. Once they know that, astronomers will be able to look for other signs of that event using electromagnetic radiation, such as X-rays or visible light. Einstein published his first papers on gravitational waves in 1916. Detecting these ripples a century later, Weiss says, would be of “enormous symbolic importance”.
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