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Großbritannien: Kostenlose Bestattungen sollen zur Organspende animieren 

Wer sich zur Organspende bereit erklärt, soll kostenlos bestattet werden: In Großbritannien sorgt ein Vorschlag des bioethischen Rats für Diskussionen. Die Maßnahme soll die Zahl der Organspender erhöhen. Kritiker halten die Idee für makaber - und fordern andere Anreize.

Kühlbox für Spenderorgane: Bereitschaft ist in vielen Ländern nicht hoch genug Zur Großansicht
DPA

Kühlbox für Spenderorgane: Bereitschaft ist in vielen Ländern nicht hoch genug

London - Wie bringt man Menschen dazu, Organe zu spenden? An Ideen mangelt dazu es den Briten nicht: Im Januar stellten sie ein neues Konzept vor, wonach Führerscheinneulinge beim Antrag gleich gefragt werden sollen, ob sie zu einer Organspende bereit sind. Jetzt sorgt ein weiterer Vorschlag des Nuffield Council erneut für Diskussionen: Der nationale Gesundheitsdienst solle, so die Idee der britischen Organisation zur Erörterung bioethischer Fragen, die Kosten für Bestattungen übernehmen - aber nur von Organspendern.

Das etwas morbide Ansinnen ist eines von mehreren auf einer Liste, die der bioethische Rat am Montag vorlegte. Darin sind Maßnahmen aufgeführt, die nach Meinung der Organisation Menschen dazu motivieren soll, sich nach ihrem Ableben von ihren Körperteilen zu trennen.

Von der kostenlosen Bestattung will der Rat aber auch jene Menschen ausgrenzen, die zu Lebzeiten Organe spenden. Lediglich Personen, die sich zur Organspende nach ihrem Tod registrieren lassen, soll die finanzielle Unterstützung des Staates offenstehen. Direkte finanzielle Anreize habe man ausgeschlossen, sagte der Transplantationsarzt und Ratsmitglied Keith Rigg. Bei dem vorgeschlagenen Modell habe der Spender keinen direkten Nutzen, könne aber den Hinterbliebenen helfen.

Die Organisation betont, dass sie eine Widerspruchslösung in jedem Falle ablehnt. Dabei käme jeder als Organspender in Frage, wenn er dem nicht zuvor widersprochen hat. Auch in Deutschland wurde diese Option gesetzlich ausgeschlossen. Stattdessen sprachen sich die Gesundheitsminister aller Länder im Juni für die sogenannte Entscheidungslösung aus: Demnach sollen alle Bürger wenigstens einmal im Leben gefragt werden, ob sie spenden möchten.

Doch auch hierzulande ist die Spenderbereitschaft nicht hoch genug, Tausende Menschen sterben jährlich, weil sie kein passendes Spenderorgan erhalten. Im September legte Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) einen Vorschlag zur Änderung des Transplantationsgesetzes vor. Es sieht vor, die Krankenkassen zu verpflichten, ihre Mitglieder bei der bevorstehenden Ausgabe der elektronischen Gesundheitskarte über die Organspende zu informieren und zu einer Erklärung über die Spendenbereitschaft aufzufordern.

In Großbritannien orientiert sich der bioethische Rat mit seiner Idee am Vorgehen von Universitäten: Oftmals übernehmen Universitäten die Kosten für die Bestattung, wenn Spender ihren Körper nach dem Tod zur Verwendung in der medizinischen Lehre bereitstellen.

Allerdings gibt es auch kritische Reaktionen auf den Vorschlag. John Harris, Bioethik-Professor an der Universität Manchester, nannte das Bestattungsangebot makaber. Es würden sich mehr Menschen als Organspender registrieren lassen, wenn ihnen mehr direkte Anreize geboten würden, etwa Bargeld, sagte er. "Wir sollten uns nicht zu sehr an die Idee klammern, dass Altruismus und Belohnung einander zwangsläufig ausschließen", sagte er. "Es ist nicht falsch zu versuchen, die Menschen dahingehend zu beeinflussen, dass sie etwas Gutes tun."

cib/dapd

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1. Billigheimer
AllesGrau, 11.10.2011
Ich habe die genau Zahl leider nicht mehr im Kopf, aber den USA ist ein gesunder Organspender in seiner Gesamtheit so viel wert wie ein Mittelklassewagen. Nur die Beerdigung zu bezahlen, also irgendwas zwischen 1500 und 5000 Euro, ist da schon ziemlich geizig! Selbst bei 30 000 Euro würden die verwertenden Unternehmen noch sehr gut verdienen.
2. wsd
Juergen Wolfgang, 11.10.2011
Zitat von sysopWer sich zur Organspende bereit erklärt, soll kostenlos bestattet werden: In Großbritannien sorgt ein Vorschlag des bioethischen Rats*für Diskussionen. Die Maßnahme soll die Zahl der Organspender erhöhen. Kritiker halten die Idee für makaber - und fordern andere Anreize. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,791131,00.html
Ich hätte da einen Anreiz Gebt dem potentionellen Organspender (der muss dann einen Vetrag unterschreiben der rechtsgültig ist) einen gewissen Geldbetrag zu Lebzeiten. Blöd ist halt nur wenn der potentionelle Organspender so stirbt das nichts mehr zu verwerten geht!! Feuertod, Unfall und die Organentnahme ist nicht mehr möglich. Aber das ist ein Risiko das man eingehen könnte.
3. Das Benutzen von Prolls macht Sinn!
Transmitter, 11.10.2011
Super! Auf diese Weise erhalten die etablierten Klassen endlich dringend benötigte Organe. Wahrscheinlich im Überfluss bzw. a la Carte, denn natürlich werden zahllose Menschen aus unterprivilegierten Schichten entsprechende Verpflichtungserklärungen unterschreiben. Mangels Geld für die eigene Beerdigung. Das Benutzen von Prolls hat im angelsächsischen Kulturkeis Tradition. Zum Beispiel lassen die etablierten Amerikaner vorzugsweise ausländische Prolls in Nordafrika und Afganistan ihre Knochen für "the land of the free" hinhalten. Wenn sie es überleben, bekommen sie die US-Staatsbürgerschaft. Im Zweifel auch post mortem. Eine wirklich kluge Regelung. Und auch die deutschen Herrscher-Eliten lassen ihre grössenwahnsinnige EU(dSSR)-Politik vorzugsweise auf Kosten der Prolls scheitern. Die verlieren nämlich bald auch noch das Wenige, was sie haben (Renten, Pflegesicherheit, Lebensversicherungen, angemessene med. Versorgung usw. usw.). Die etablierten Immobilien- und Kapitalbesitzer, Beamten, Politiker und Ex-Politiker werden dagegen weitgehend ungeschoren davonkommen. Tja, das Benutzen der Prolls macht eben auch hierzulande Sinn. Fragt sich nur was passiert, wenn die Prolls mal merken, was diese verkommenen Herrscher-Eliten mit ihnen anstellen.
4. Nun ja, .....
gerd33 11.10.2011
Zitat von AllesGrauIch habe die genau Zahl leider nicht mehr im Kopf, aber den USA ist ein gesunder Organspender in seiner Gesamtheit so viel wert wie ein Mittelklassewagen. Nur die Beerdigung zu bezahlen, also irgendwas zwischen 1500 und 5000 Euro, ist da schon ziemlich geizig! Selbst bei 30 000 Euro würden die verwertenden Unternehmen noch sehr gut verdienen.
... hier in D kostet eine halbwegs nette Bestattung mit Wahlgrab, Denkmal, Grabpflege, Leichenschmaus etc. locker 10.000, eher 15.000 EUR. ca. 1.500 EUR bezahlen Sie ja schon, wenn Sie ein verendetes Reitpferd vom Abdecker abholen lassen.
5. Kostenlose
chico 76 11.10.2011
Zitat von sysopWer sich zur Organspende bereit erklärt, soll kostenlos bestattet werden: In Großbritannien sorgt ein Vorschlag des bioethischen Rats*für Diskussionen. Die Maßnahme soll die Zahl der Organspender erhöhen. Kritiker halten die Idee für makaber - und fordern andere Anreize. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,791131,00.html
Beerdigung, was soll das bringen. Zu Lebzeiten ein kleiner Anreiz, z.B verringerte Krankenkassengebühr o. Ä., würde mehr Spendenbereitschaft hervorrufen. http://www.organspendeausweis.org/ Weder das Ausfüllen des Ausweises noch die Organentnahme schmerzt, kann aber Menschen das Leben retten. Tausende sterben jährlich, wegen Organmangel, eine Schande. Warum ruft der Pabst nicht zu Organspenden auf, bei über 1 Milliarde Anhänger sollte das doch erfolgreich sein.
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DER SPIEGEL


Tag der Organspende
In Deutschland haben 2010 rund 1300 Menschen nach ihrem Tod Organe gespendet. 12.000 Schwerkranke warten auf eine lebensrettende Spende. Alle acht Stunden stirbt einer von ihnen, weil kein Organ rechtzeitig zur Verfügung steht, erklärt die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO). Deshalb wird am Tag der Organspende unter dem Motto "Richtig. Wichtig. Lebenswichtig." über die Problematik informiert. Transplantierte Patienten und Angehörige von Organspendern erzählen ihre Geschichte, um mehr Menschen für ein Ja auf dem Organspendeausweis zu gewinnen. Seit 1982 wird der Aktionstag jeweils am ersten Samstag im Juni organisiert.
Organspende und Organtransplantation
Postmortale Organspende in Zahlen
Jeden Tag sterben laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) drei Menschen, die auf der Warteliste für ein Spenderorgan registriert sind. Nach Rückgang und Stagnation in den Jahren 2008 und 2009 ist die Zahl der Organspender 2010 gestiegen. 4205 Organe wurden gespendet. Dennoch warten jährlich 12.000 Menschen in Deutschland auf ein Organ.
Hirntod
Der mit dem Tod des Individuums identische endgültige Ausfall aller Funktionen von Groß- und Kleinhirn und Hirnstamm (Organtod des Gehirns), wobei die Kreislauffunktion unter Umständen noch durch künstliche Beatmung aufrecht erhalten werden kann. Besondere Bedeutung hat die Diagnose des Hirntods für die Organentnahme zum Zweck der Transplantation.
Warteliste
Die Wartelisten registrieren alle Patienten, die ein neues Organ benötigen und transplantiert werden können. Ist das Risiko der Transplantation und ihrer Nachbehandlung zu hoch und sind die Erfolgsaussichten schlecht, so wird der Eingriff nicht in Betracht gezogen. Die Transplantationszentren geben die erforderlichen Patientendaten weiter an die Vermittlungsstelle Eurotransplant (ET) im niederländischen Leiden.
Zustimmungslösung
In Deutschland gilt eine Zustimmungslösung: Hier muss zu Lebzeiten, zum Beispiel per Organspendeausweis, das ausdrückliche Einverständnis zur Organentnahme nach einem Hirntod gegeben werden. Ist dies nicht der Fall, müssen die Angehörigen entscheiden - auf Grundlage des mutmaßlichen Willens des Verstorbenen.
Widerspruchsregelung
In Ländern wie Österreich, Spanien und Belgien ist jeder Bürger potentieller Organspender - es sei denn, man hat der Organspende zu Lebzeiten schriftlich widersprochen oder die nahen Angehörigen sind dagegen. Hessens Gesundheitsminister Stefan Grüttner (CDU) macht sich gemeinsam mit anderen Landeskollegen, unter anderem dem bayerischen Gesundheitsminister Markus Söder (CSU), auch in Deutschland für eine "erweiterte Widerspruchslösung" stark. Danach sollen die nahen Angehörigen eines Toten befragt werden und ein Einspruchrecht bekommen.
Entscheidungregelung
SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und Amtskollege Volker Kauder machen sich für die Entscheidungslösung stark. Danach fordert der Staat jeden Bürger einmal im Leben, etwa bei der Führerscheinprüfung oder bei der Ausstellung des Passes, zu einer Entscheidung für oder gegen eine Organspende auf.
Transplantationsgesetz
Gesetz vom 5.11.1997 in der Fassung vom 4.9.2007, das die Entnahme und Verpflanzung (Transplantation) von Organen regelt. Abschnitt 2, "Entnahme von Organen und Geweben bei toten Spendern", legt fest, dass eine Organentnahme nur dann zulässig ist, wenn der Tod des Organspenders nach Regeln, die dem Erkenntnisstand der medizinischen Wissenschaft entsprechen, durch zwei Ärzte festgestellt ist. Mindestvoraussetzung für eine Organentnahme ist die Diagnose des Hirntods. Hat der Spender zu Lebzeiten keine Entscheidung über eine Organspende getroffen, können auch Angehörige einer Organentnahme zustimmen. Das Transplantationsgesetz enthält außerdem umfassende Bestimmungen zur Organvermittlung und ein Verbot des Organhandels.
Eurotransplant
Eurotransplant ist eine gemeinnützige Stiftung und als solche seit 1967 für die Vermittlung aller Organe zuständig, die in Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Kroatien und Slowenien verstorbenen Menschen zum Zweck der Transplantation entnommen werden. Die Organe werden nach festgelegten Kriterien vergeben. Entscheidend für die Vergabe sind die Kriterien Verträglichkeit, Erfolgsaussicht, Wartezeit und Dringlichkeit.
Ein Mensch kann acht Menschenleben retten
Nach dem Hirntod können einem Menschen bis zu acht Organe oder Organteile entnommen und transplantiert werden: zwei Lungenflügel, zwei Nieren, die Leber, das Herz, die Bauchspeicheldrüse und der Dünndarm.


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